Selenskyj beziffert Defizit bei Abfangraketen – und bittet USA um Patriot
Audioplayer wird geladen Anzeige Die Ukraine benötigt nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj fünf Prozent der Patriot-Abfangraketen der USA, um angesichts der zunehmenden russischen Angriffe durch den bevorstehenden Winter zu kommen. Um alle von Moskaus Truppen abgefeuerten ballistischen Raketen zu zerstören, seien zehn Prozent der US-Lagerbestände nötig, sagte der Staatschef in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit dem US-Sender CNN. Seinem Land stünden in diesem Jahr „zweieinhalbmal weniger Abfangraketen zur Verfügung als im Jahr 2025“, sagte Selenskyj. Dagegen habe Russland „monatlich mehr als doppelt so viele ballistische Raketen wie zuvor“. Anzeige Lesen Sie auch „Dieses Jahr bitte ich unsere US-Partner, mir fünf Prozent ihrer Raketenbestände zu verkaufen“, sagte Selenskyj. „Wenn sie uns fünf Prozent verkaufen, werden wir den Winter überstehen und Menschenleben retten. Wenn sie uns zehn Prozent verkaufen, werden wir alle ballistischen Raketen Russlands zerstören.“ Die russische Armee hat in jüngster Zeit ihre Angriffe auf die Ukraine verstärkt, mindestens einmal pro Woche feuerte sie dabei auch massive Raketensalven auf die Hauptstadt Kiew ab. Inmitten dieser zunehmenden Attacken hat die Ukraine entschieden, ab sofort keine genauen Angaben mehr zu russischen Raketenangriffen zu machen. Es würden „bestimmte Änderungen“ bei den täglichen Morgenberichten eingeführt, erklärte am Mittwoch Luftwaffensprecher Jurij Ihnat im Onlinedienst Facebook. Unter anderem solle nicht mehr die Zahl der von Russland auf die Ukraine abgefeuerten Raketen genannt werden. Anzeige Auch die Zahl der von der ukrainischen Luftwaffe zerstörten oder abgefangenen Raketen werde nicht mehr genannt, teilte Ihnat mit. Gleiches gelte für russische Raketen, „die ihr Ziel nicht erreicht haben“. Bisher hatten die ukrainischen Streitkräfte de facto täglich eine Bilanz der russischen Angriffe mit genauen Zahlen veröffentlicht. Lesen Sie auch Künftig werde die Ukraine nur noch allgemeine Angaben zu den russischen Angriffen machen, kündigte der Luftwaffensprecher an. Zugleich versicherte er, dass die Bevölkerung weiterhin in Echtzeit vor Angriffen gewarnt und Luftalarm ausgelöst werden solle. Stromausfall auf der Krim Die Truppen Moskaus feuerten laut Ihnat im Juli mehr als 450 Raketen verschiedener Typen auf die Ukraine ab. Darunter seien fast 200 ballistische Raketen gewesen. Russland führt seit fast viereinhalb Jahren Krieg in der Ukraine. Kiew wehrt sich gegen die Invasion auch mit Drohnenangriffen gegen strategisch wichtige Anlagen im russischen Hinterland. Die Hafenstadt Sewastopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim ist nach einem solchen Angriff erneut ohne Strom. Die Stadt sei wegen eines massiven ukrainischen Angriffs von der Stromversorgung abgeschnitten, teilte der von Moskau eingesetzte Gouverneur von Sewastopol, Michail Raswoschajew, laut staatlicher Nachrichtenagentur Tass mit. Derzeit begutachteten Experten die Schäden. AFP/dpa/luwi