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Selenskyj droht mit ballistischen Raketen

Welt

Startseite Politik Moskau vor heißem Herbst: Der Flamingo-Nachfolger soll Putin in die Knie zwingen Von: Karsten-Dirk Hinzmann Uns auf Google folgen Schlechte Nachrichten: Die Ukraine entwickelt neue Waffen, Moskau rückt stärker ins Visier. Zivilisten droht ewiges Hin und Her mit Raketenbeschuss. Kiew – „Wir haben zwar noch keine ballistischen Waffen, aber wir sind auf dem besten Weg dorthin, wir sind sehr nah dran“, hatte Wolodymyr Selenskyj gesagt. Der Telegraph hat die am Rande eines internationalen Treffens getätigte Aussage als „Warnung“ tituliert. Die wird jetzt verschärft – die Kyiv Post legt nahe, dass der Countdown für Wladimir Putin läuft: Die Ukraine schickt sich an, erstmals im Herbst Moskau mit ballistischen Raketen anzugreifen. Nach dem erfolgreichen Bau des Flamingo-Marschflugkörpers wird dessen Konstrukteur mutiger. Offenbar versucht sich die Ukraine sogar an drei Versionen unbemannter ballistischer Raketen. Das Magazin Militarnyj hat Mitte Juli berichtet, dass die Rüstungsschmiede Fire Point nach der Konstruktion des als „Flamingo“ bezeichneten Marschflugkörpers FP-5 mit der FP-7 und der FP-9 zwei ballistische Raketen bauen will. Ballistisch sind Raketen, wenn sie vom Boden abheben, eine Kurvenbahn beschreiben und dann wieder auf dem Boden aufschlagen. Der kürzlich abgesetzte Verteidigungsminister Mychajlo Fjodorow hatte offenbar unter der Regie des Verteidigungsministeriums eine unter dem Namen „Sapsan“ existierende Rakete weiterentwickeln lassen, wie Militarnyi berichtet. Offenbar treibt die Ukraine die Entwicklung dieser Waffen mit Nachdruck voran. Selenskyj offensiv: Ukraine-Präsident sagt, „dass Putin seine Chance verpasst habe“ Laut dem britischen Guardian liegt im Fleiß und in der Kreativität des Unternehmens Fire Point der mögliche Schlüssel zum Ende des Ukraine-Krieges. „Mir ist kein Tiefschlagangriff der letzten Monate bekannt, bei dem unsere Produkte nicht beteiligt waren“, zitiert das Blatt Iryna Terekh, die Geschäftsführerin des Unternehmens. Gegründet im ersten Kriegsjahr 2022, sei das Start-up auf 83 Fabrikationsstätten und mehr als 6000 Mitarbeitende gewachsen, schreibt Autor Dan Sabbagh. Seit Juni scheint Wolodymyr Selenskyj auch bestimmter im Tonfall. Seine Aussagen interpretiert der Telegraph dahingehend, „dass Putin seine Chance verpasst habe, ein für ihn günstiges Ende des Konflikts auszuhandeln, indem er sich geweigert habe, eine neue Runde von Friedensgesprächen zuzulassen“. „Eine weitere Eskalation könnte die militärische Sonderoperation in gewissem Maße verlängern – wir können nicht genau sagen, in welchem ​​Maße –, aber sie wird dazu führen, dass wir eine größere Sicherheitszone, eine größere Pufferzone einrichten müssen“ Telegraph-Autor Joe Barnes hört Angriffslust heraus. Vor hohen Offizieren hat sich Selenskyj zuversichtlich gezeigt, Ziele um den Ural herum, in Sibirien „und anderen Gebieten weit entfernt von Moskau“ empfindlich treffen zu können, so der Kyiv Independent. Dem ukrainischen Präsidenten zufolge habe sein Militär diese Tiefschlag-Fähigkeiten bereits bewiesen – zuletzt durch einen Angriff auf eine Raffinerie in Omsk, weit über 2500 Kilometer von der Abschussrampe entfernt. Tatsächlich hat die ukrainische Taktik verfangen und die Energieversorgung des russischen Militärs und vor allem der Zivilbevölkerung weitgehend lahmgelegt. Wladimir Putin gerät innenpolitisch unter Druck, weil sich sein als „Spezialoperation“ angelegter völkerrechtswidriger Angriffskrieg so lange hinzieht, dass sich der Diktator gegenüber seinem Volk fast schon rechtfertigen muss. Die Kyiv Post meldet, dass Fire Point-Eigner und Chefkonstrukteur Denys Shtilerman dem russischen Diktator den Fehdehandschuh hinwirft: Zehn bis 20 Raketen FP-7 beziehungsweise FP-9 will das Unternehmen zu Testzwecken herstellen, „wobei die Produktion potenziell auf Dutzende Einheiten steigen könnte, sobald die Waffe die offizielle Kodifizierung und die Beschaffungsgenehmigung erhält“, so Kyiv Post-Autorin Alesya Batsman. Und damit nicht genug: Die Ukraine plant die Konstruktion einer Alternative zu Patriot-Luftabwehrraketen. „Freya“ lautet der Name des künftigen Systems, das in eine gesamteuropäische Lösung münden könnte. Die Ukraine plant insofern auch einen Großangriff auf die Pfründe europäischer Rüstungsschmieden. Ihr Vorteil: Die Waffen sind unter Gefechtsbedingungen geboren. Analysten sicher: Russland sei mit der Verteidigung seines eigenen Territoriums deutlich überfordert Allerdings: Die ukrainischen Produktionszahlen nehmen sich gering aus gegenüber Russlands Ausstoß an Rüstungsgütern. Angesichts der Stagnation am Boden hat sich Russland auf raketen- oder drohnengestützte Terrorangriffe auf die ukrainische Zivilbevölkerung verlegt. Und bisher konnten dem nur US-amerikanische Patriot-Raketen einigermaßen Einhalt gebieten. Marc R. DeVore sieht die Ukraine eher in Zugzwang, ihre Luftabwehr zu stärken, anstatt die Energien auf den Angriff zu konzentrieren. „Die Lage ist katastrophal, wenn es um das Abfangen der russischen ballistischen Raketen Iskander und Kinzhal geht. Bisher konnten nur Patriot-Raketen bestätigte Abschüsse erzielen. Gleichzeitig übertrifft die russische Produktion die amerikanische: Russland fertigt schätzungsweise 1.440 ballistische Raketen pro Jahr, während die USA 650 Patriot-Raketen herstellen“, so der Autor des Thinktanks „Chatham House“. Die Ukraine ist somit in Zugzwang, gleichzeitig ihre Defensiv- wie Offensivqualitäten auszubauen. Was die Frage aufwirft, welchem Ansatz Priorität eingeräumt wird: Würde die Ukraine konsequent auf Angriff setzen, müsste sie möglicherweise die Defensive vernachlässigen; sollte sie sich auf die Defensive fokussieren, würde sich Russland möglicherweise daran aufreiben, aber auf längere Zeit Ruhe im eigenen Hinterland behalten. Beide Optionen haben ihr Für und Wider. Keine verspricht einen schnellen Erfolg. Russland sei mit der Verteidigung seines eigenen Territoriums deutlich überfordert, behauptet David Kirichenko in einer aktuellen Analyse für den US-Thinktank Atlantic Council. Russland droht: „Weitere Eskalation könnte die militärische Sonderoperation in gewissem Maße verlängern“ Aus hauptsächlich diesem Vorteil zieht die Ukraine seit Monaten immensen Nutzen: Die Verteidiger greifen an entlang der „gesamten Energiewertschöpfungskette“, so Gabriel Collins vom „Baker Institute for Public Policy“ der Rice University im texanischen Houston. Russland ist in der Defensive, ohne allerdings entscheidend geschlagen zu sein. Die Offensiv-Kapazitäten Putins sind weiterhin stark genug, dass sich die ukrainische Luftabwehr in einer Krise bewege, wie Marc R. DeVore behauptet. Die offensiven Erfolge auf Produktionsanlagen, beispielsweise im sibirischen Omsk, täuschen kaum über die Defizite der ukrainischen Luftverteidigung hinweg. Im Gegenteil: „Eine weitere Eskalation könnte die militärische Sonderoperation in gewissem Maße verlängern – wir können nicht genau sagen, in welchem ​​Maße –, aber sie wird dazu führen, dass wir eine größere Sicherheitszone, eine größere Pufferzone einrichten müssen“, so Kreml-Sprecher Dmitri Peskow laut der Ukrainska Pravda. Russland schaltet also zumindest rhetorisch auf radikale Gegenoffensive; mehr Luftangriffe auf die ukrainischen Metropolen sind also zu befürchten. Aktuellen Äußerungen nach will die Ukraine aber künftig mit gleicher Münze heimzahlen und Russlands Hauptstadt unter Feuer nehmen. Der Fire Point-Eigner Denys Shtilerman äußert sich gegenüber der Kyiv Post eindeutig siegesgewiss. Die Entscheidungen über operative Ziele träfe zwar das ukrainische Militär, so der Raketenbauer. Ihm zufolge sollten allerdings „Angriffe auf ,wichtige symbolische Ziele‘ in Moskau als Abschreckung gegen die fortgesetzten Angriffe Russlands auf die zivile Infrastruktur der Ukraine dienen“, wie ihn das Blatt zitiert. Angriffe auf Russlands Hauptstadt sind kein Novum mehr und ebenfalls kein Grund, Putins Jähzorn zu entfachen. Zuletzt im Juni hatte die Ukraine die Verletzlichkeit Moskaus durch einen massiven Drohnenangriff erneut demonstriert. Der Schrecken hatte allerdings den Schaden übertroffen, wie der britische Guardian schreibt.

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