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Selenskyj kündigt neue Angriffe auf russische Ölraffinerien an

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Milliardenverlust im Kreml: Ukraine trifft Putins Achillesferse – und Merz trotzt Drohnenangriff in Kiew

Von: Jens Kiffmeier

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Die Ukraine trifft mit gezielten Drohnen auf Raffinerien Russlands Wirtschaft schwer. Kanzler Merz verspricht in Kiew neue Hilfen – trotz Warnungen aus Moskau.

Kiew – Allein im August brachen Russlands Ausfuhren in die Türkei – den drittgrößten Handelspartner Moskaus – um rund 40 Prozent ein. Zuvor hatte Kiew verstärkt Häfen am Schwarzen Meer und am Asowschen Meer angegriffen. Nun kündigt die Ukraine eine neue Eskalationsstufe an: Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am Sonntag (4. Oktober) laut der Ukrainska Pravda, weiterhin gezielt russische Ölraffinerien ins Visier zu nehmen – jene Anlagen, die Moskaus Krieg finanzieren.

Selenskyj machte die Angriffsstrategie auf Russlands Wirtschaft unmissverständlich klar: „Auf ihre Angriffe auf unsere Energie müssen wir auf ihre Energie reagieren. Vor allem auf die Ölraffinerien – das, was ihnen Geld für diesen Krieg bringt.“ Zugleich betonte er, die Ukraine werde zivile Infrastruktur nicht willkürlich attackieren – anders als Russland.

Wegen Angriffe auf Russlands Wirtschaft: Moskau warnt Kiew vor Merz-Besuch

Russland reagierte umgehend wegen der engedrohten Angriffe auf die heimische Wirtschaft. Das russische Verteidigungsministerium erklärte laut dem US-Magazin Politico auf Telegram, infolge von Selenskyjs Ankündigung würden „Angriffe der Streitkräfte der Russischen Föderation auf militärische und militärisch-industrielle Anlagen sowie damit zusammenhängende Infrastruktur in Kiew und anderen Regionen der Ukraine intensiviert“. Die Verantwortung für die Eskalation schob Moskau dem ukrainischen Staatschef zu: „Selenskyj trägt die volle persönliche und politische Verantwortung dafür.“

Die Drohung fiel in einen hochsymbolischen Moment: Während Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Sonntag zu einem Überraschungsbesuch in Kiew eintraf, schlug eine russische Drohne unweit der Nordbrücke über den Dnipro ein. Insgesamt hatte Russland nach Angaben der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform in der Nacht mehr als einhundert Drohnen auf die Verteidiger abgefeuert.

Moskau hatte zuvor ausländische Gäste und Diplomaten gewarnt, die ukrainische Hauptstadt zu besuchen – wer dies missachte, begebe sich in „tödliche Gefahr“. Merz zeigte sich unbeeindruckt: „Wir lassen uns auch nicht einschüchtern durch einen Drohnenangriff.“ Vor Ort sagte der Kanzler weitere 1,35 Milliarden Euro an militärischer und ziviler Unterstützung zu (mehr Hintergründe zu Merz' Reise nach Kiew)

Von den Nadelstichen zur systematischen Kampagne – das ist Kiews Wirtschaftskrieg

Seit wann läuft die Kampagne?

Was 2022 und 2023 mit vereinzelten Sabotageakten und maritimen Schlägen begann, wandelte sich Anfang 2024 in eine systematische Luft- und Seekampagne. Das erklärte Ziel Kiews: die logistische Versorgung der Front zu kappen und Moskaus Einnahmen aus fossilen Brennstoffen auszutrocknen.

Wie haben sich die Angriffe entwickelt?

Phase 1 (2022–2023) – Schwarzes Meer und Krim: Mit Antischiff-Raketen und Seedrohnen (Magura V5, Sea Baby) zerstörte die Ukraine rund ein Drittel der russischen Schwarzmeerflotte, beschädigte wiederholt die Krim-Brücke und drängte Moskaus Kriegsschiffe bis nach Noworossijsk ab.

Phase 2 (Frühjahr 2024) – Schläge auf Großraffinerien: Kiew begann, mit Langstreckendrohnen Anlagen tief im russischen Kernland anzugreifen (u.a. Rjasan, Kstowo, Nowoschachtinsk). Bis heute wurden mindestens 24 von 33 russischen Großraffinerien beschädigt.

Phase 3 (2025/2026) – Erweiterter Radius & Exportblockaden: Die Reichweite wuchs auf bis zu 2.000 Kilometer (bis Baschkortostan und Westsibirien). Gleichzeitig rückten Exporthäfen wie Ust-Luga und Primorsk ins Visier.

Wo liegen die Schwerpunkte?

Vakuumdestillationskolonnen (AVT-Anlagen): Statt leicht ersetzbare Öltanks anzugreifen, zielen Drohnen auf das technologische Herzstück der Raffinerien, deren Reparatur westliche Spezialbauteile erfordert.

Ölhäfen & Verladeterminals: Die Zerstörung von Ladeinfrastruktur im Schwarzen und Asowschen Meer drückt unmittelbar die Schiffsexporte in Länder wie die Türkei und Indien.

Eisenbahn- und Treibstofflogistik: Attacken auf Schienenkorridore und Fähren über die Straße von Kertsch unterbinden den Treibstofftransport zur Frontlinie.

Frontentwicklung im Ukraine-Krieg: Geländegewinne bei Operation „Vivaldi“

Hinter Moskaus verschärfter Rhetorik steckt nach ukrainischer Einschätzung auch die veränderte Lage an der Front. Im Rahmen der Gegenoffensive „Operation Vivaldi“ bei Lyman hat die Ukraine bis zu 176 Quadratkilometer zurückerobert. Ukrainische Geheimdienstberichte legen zudem nahe, dass der Kreml eine modifizierte Doktrin verfolgt, die gezielte Angriffe auf zivile Ziele wie Straßen, Schulen und Kraftwerke vorsieht. Ziel sei es, die Moral der Bevölkerung vor dem fünften Kriegswinter zu brechen, betonte auch Merz in Kiew, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete.

Die gezielten Schläge gegen die russische Kriegswirtschaft zeigen messbare Wirkung: Seit Juli wurden zentrale Verladeterminals für Treibstoff und Getreide getroffen sowie rund 100 Schiffe beschädigt. Im August sanken die russischen Exporterlöse aus fossilen Brennstoffen auf 604 Millionen Euro pro Tag. Die Einnahmen aus dem Schiffsexport von Ölprodukten brachen im Monatsvergleich um 32 Prozent ein – auf den tiefsten Stand seit Beginn der Großinvasion (Lesen Sie dazu auch: So stark belasten die Raffinerie-Ausfälle Russland wirklich).

Diplomatische Kontakte im Schatten der Angriffe

Trotz der militärischen Zuspitzung laufen im Hintergrund diplomatische Vorbereitungen. Selenskyj bestätigte, dass die USA bis Ende Oktober neue trilaterale Expertengespräche mit der Ukraine und Russland planen. Als möglicher Verhandlungsort stehen die Vereinigten Arabischen Emirate im Raum. Zuletzt war Bundesaußenminister Johann Wadephul Ende September in New York mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow zusammengetroffen – damals allerdings noch ohne greifbare Annäherung. (Quellen: dpa, AFP, Ukrainska Pravda, Politico)

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