Senat: Fauci verweigert Aussage – Corona
Audioplayer wird geladen Anzeige Der frühere Corona-Berater der US-Regierung, Anthony Fauci, hat bei einer angespannten Anhörung vor einem von Republikanern geführten Senatsausschuss die Aussage zu zahlreichen Fragen verweigert. Mehr als 100-mal berief sich der Virologe auf den fünften Zusatzartikel zur US-Verfassung, berichtet die „New York Times“. Dieser schützt Beschuldigte davor, sich durch eigene Aussagen selbst belasten zu müssen. Fauci vermied damit vorerst Antworten, aus denen sich der Vorwurf ableiten ließe, bei früheren Anhörungen unter Eid gelogen zu haben. Zwar hatte ihn der damalige Präsident Joe Biden Anfang 2025 begnadigt. Mehrere Republikaner, die seit Jahren strafrechtliche Ermittlungen gegen Fauci fordern, halten eine Anklage dennoch weiterhin für möglich. Anzeige Der langjährige Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) hatte die amerikanische Reaktion auf die Corona-Pandemie maßgeblich mitgeprägt. Auf Betreiben des republikanischen Senators Rand Paul aus Kentucky war Fauci nun vorgeladen und zur Aussage unter Eid verpflichtet worden. Paul und Fauci liefern sich seit Jahren heftige Auseinandersetzungen. Bereits 2021 warf der Senator dem Virologen vor, vor dem Kongress die Unwahrheit gesagt zu haben. Lesen Sie auch Weltplus ArtikelUS-Bericht zur Pandemie Fauci erklärte zu Beginn der Anhörung, Paul verfolge mit „offensichtlicher Besessenheit“ das Ziel, ihn strafrechtlich belangen zu lassen. Es falle ihm schwer, die Aussage zu verweigern, sagte Fauci. Er folge damit jedoch dem Rat seines Anwalts. Anzeige Paul kündigte an, der Ausschuss werde in der kommenden Woche darüber abstimmen, ob Fauci wegen Missachtung des Kongresses belangt werden solle. Fauci wies den Vorwurf zurück, sich grundsätzlich der parlamentarischen Kontrolle entziehen zu wollen. Er begründete sein Schweigen mit Pauls wiederholten Forderungen nach strafrechtlichen Ermittlungen und mit der Veröffentlichung seines ungeschwärzten persönlichen Tagebuchs. Republikaner werfen Fauci Lügen vor – Demokraten weisen das zurück Paul und weitere republikanische Senatoren warfen Fauci vor, bei früheren Anhörungen zum Ursprung des Coronavirus falsche Angaben gemacht zu haben. Fauci bestreitet dies. Die Demokraten bezeichneten die Anhörung als politisch motiviertes Verfahren. Lesen Sie auch „Heute wird der Schlusspunkt unter Anthony Faucis 40 Jahre Machtmissbrauch am NIH gesetzt“, sagte Paul. „Die Geschichte wird urteilen, aber die Fakten, wie wir sie heute kennen, zeichnen ein düsteres Bild von Unehrlichkeit, Fehleinschätzungen und letztlich einer Hybris, wie sie die Welt noch nie gesehen hat.“ Das NIAID ist eine Einrichtung der National Institutes of Health (NIH). Lesen Sie auch Einige Republikaner beschränkten sich nicht auf Fragen zu Faucis Rolle während der Pandemie. Senator Josh Hawley aus Missouri stellte ihm demonstrativ einfache Fragen, etwa nach dem Wochentag und der Farbe seiner Krawatte. Fauci verweigerte auch darauf die Antwort. Während eines Wortgefechts ließ Paul Faucis Anwalt David Schertler aus dem Sitzungssaal weisen, nachdem dieser ungefragt das Wort ergriffen hatte. Schertler bezeichnete den Ausschluss anschließend als „ungeheuerlich“. Der Vorfall zeige den „völlig voreingenommenen und unbegründeten Charakter dieses Verfahrens“. Pauls Vorwürfe gegen Fauci seien „falsch und beschämend“. Paul veröffentlicht Teile von Faucis Tagebuch Vor der Anhörung hatte Paul mehr als 1000 Seiten aus Faucis persönlichen Aufzeichnungen aus den Pandemiejahren veröffentlicht. Republikanische Senatoren griffen daraus einzelne Passagen auf, um frühere Auseinandersetzungen über die Corona-Politik neu zu führen. Dabei ging es unter anderem um die Sicherheit von mRNA-Impfstoffen und die Frage, ob das Coronavirus aus einem chinesischen Labor stammen könnte. Die Aufzeichnungen enthalten auch persönliche Beobachtungen Faucis zu seiner wachsenden Bekanntheit während der Pandemie und zu Begegnungen mit Prominenten. Äußerungen von Präsident Donald Trump bezeichnete Fauci darin unter anderem als „zusammenhanglos“. Trump erklärte am Mittwoch in den sozialen Medien, er habe sich im Verlauf der Pandemie von Fauci abgewandt, weil er dessen Positionen zu Masken, Lockdowns und weiteren Maßnahmen für falsch gehalten habe. Fauci war während der Pandemie zunehmend zu einer politischen Reizfigur geworden. Nach Morddrohungen erhielt er Personenschutz. Streit über Ursprung des Coronavirus Im Mittelpunkt der Anhörung stand erneut die Frage, ob mit amerikanischen Geldern finanzierte Forschungsprojekte in China zur Entstehung der Pandemie beigetragen haben könnten. Der Ursprung des Coronavirus ist weiterhin nicht abschließend geklärt. Viele Wissenschaftler halten eine Übertragung von Tieren auf den Menschen für die wahrscheinlichste Erklärung. US-Geheimdienste schließen jedoch auch einen Laborunfall nicht aus. Fauci erklärte stets, beide Szenarien seien möglich, die verfügbaren Erkenntnisse sprächen aber stärker für einen natürlichen Ursprung. Ein zentraler Streitpunkt ist die sogenannte Gain-of-Function-Forschung, bei der Viren gezielt genetisch verändert werden. Solche Experimente sollen Erkenntnisse darüber liefern, wie Krankheitserreger sich entwickeln und wie künftige Pandemien verhindert werden können. Besonders riskante Versuche können jedoch dazu führen, dass Viren leichter übertragbar werden oder schwerere Erkrankungen verursachen. Das NIH unterstützte über Jahre die New Yorker Nichtregierungsorganisation EcoHealth Alliance. Diese leitete einen Teil der Fördermittel an ein chinesisches Labor weiter, das Coronaviren bei Fledermäusen untersuchte. Das NIH erklärte wiederholt, die dort mit amerikanischen Geldern untersuchten Viren seien nicht mit dem Erreger identisch gewesen, der die Corona-Pandemie ausgelöst habe. Paul wirft Fauci dagegen vor, den Begriff der Gain-of-Function-Forschung zu eng ausgelegt und die Risiken der geförderten Versuche heruntergespielt zu haben. Fauci bestreitet, den Kongress über die Finanzierung solcher Forschung getäuscht zu haben. ceb mit AP