Shamonda-Virus: Erste menschliche Infektion in Frankreich - Patient gestorben
Die vor dem Tod des Patienten beobachtete gesundheitliche Verschlechterung hing nach den bisherigen Untersuchungen sehr wahrscheinlich mit der Shamonda-Infektion zusammen, hieß es weiter. Nach derzeitigem Wissensstand bestehe kein Gesundheitsrisiko für die allgemeine Bevölkerung, betonte das Ministerium. „Bei einem stark geschwächten Immunsystem ist die Abwehr von Infektionserregern erheblich beeinträchtigt“, sagte Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik und Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems dem Science Media Center. Das könne dann auch deutlich leichter zu einer Infektion und effizienten Virusvermehrung führen als bei einem intakten Immunsystem. „Es ist ein erheblicher Faktor und ist auch bei vielen anderen Virusinfektionen zu berücksichtigen. Das ist bei der Bewertung des Falls daher von großer Bedeutung.“
Europäische Gesundheitsbehörde beobachtet Situation aufmerksam
Das Shamonda-Virus galt bislang als nicht auf den Menschen übertragbar und war in diesem Sommer erstmals in Deutschland bei Rindern festgestellt worden, später auch vereinzelt bei Pferden. Die Infektion des französischen Patienten mit dem Erreger stelle den ersten dokumentierten Nachweis des Virus beim Menschen dar, teilte das Ministerium mit.
Derzeit werde davon ausgegangen, dass die Infektion durch den Stich einer Mücke der Gattung Culicoides im Osten Frankreichs verursacht wurde. In dem Gebiet seien im Frühjahr und Sommer Infektionen von Tieren mit dem Shamonda-Virus gemeldet worden. Mit den sinkenden Temperaturen ab Mitte November werde die Zirkulation bei Gnitzen und die Infektion von empfänglichen Tieren gestoppt, sagte Beer. Im Frühjahr oder Sommer des Folgejahres könnten sich Infektionen wieder ausbreiten. „Nach einer sehr starken ersten Welle sind die Infektionszahlen bei Tieren aufgrund der Herdenimmunität dann aber vermutlich sehr deutlich reduziert.“
Die europäische Gesundheitsbehörde ECDC erklärte, derzeit werde untersucht, ob das Virus den Tod des Menschen verursacht oder dazu beigetragen habe. Man beobachte die Situation aufmerksam, teilte die Behörde weiter mit.
Erstmals registriert wurde das Virus 1965 in Nigeria. Übertragen wird es durch Gnitzen – also sehr kleine Stechmücken. „Gnitzen sind in Mitteleuropa heimisch und allgemein von April bis November aktiv“, sagt Beer. „Die höchste Aktivität wird üblicherweise zwischen Juli und Oktober beobachtet.“ Für die Virusvermehrung in den Gnitzen seien Temperaturen von mehr als zwölf bis 15 Grad Celsius notwendig, „und höhere Temperaturen steigern die Virusvermehrung deutlich.“
Obwohl der Erreger bereits seit mehreren Jahrzehnten in Afrika und Asien zirkuliere, sei bislang noch kein Fall beim Menschen dokumentiert worden, erklärte das französische Agrarministerium. Es handele sich also um einen Ausnahmefall.
In Deutschland wurde das Shamonda-Virus erstmals in diesem Sommer bei Rindern nachgewiesen. Nachweise bei Nutztieren gab es laut ECDC inzwischen auch in Österreich, der Schweiz, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, Spanien, Portugal, Italien und Irland.