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Shell stoppt Biosprit-Anlage und streicht Klimaziel zusammen

Technologie

Startseite Politik „Grüne Investitionen wurden abgeblasen“: Shell stoppt Biosprit-Anlage und streicht Klimaziel zusammen Von: Peter Riesbeck Uns auf Google folgen Elf führende Öl-Konzerne planen, ihre Produktion um 14 Prozent zu steigern. Trumps Krieg gegen den Iran zeigt schon jetzt Folgen – auch für den Kampf gegen die Klimakrise. Shell war die Mitteilung nur wenige Zeilen wert: „Marktdynamik und Baukosten machen das Projekt für uns letztlich nicht wettbewerbsfähig“, so Machteld de Haan, eine Managerin des Konzerns. Und so stoppte das britisch-niederländische Unternehmen seine Investition in ein Vorhaben, in Rotterdam eine neue Anlage zur Herstellung von Biosprit aus Speiseresten und tierischen Abfällen hochzuziehen. Das Projekt war zuvor schon ausgesetzt. Es sollte vor allem Biosprit für Flugzeuge liefern und jährlich rund 2,8 Millionen Tonnen des Klimagases Kohlendioxid einsparen. Laut dem Konzern entsprach das dem Klimaeffekt von einer Million Pkw im Jahr. Keine Hinweise auf Transformation Daraus wird nun nichts. Und auch sonst stoppt Shell den vorgeblichen grünen Umbau des fossilen Konzerns. Mit dem Antritt des neuen Konzernchefs Wael Sawan kam vor drei Jahren die Wende weg von der Energiewende. „Grüne Abgänger“, titelte die niederländische Zeitung „de Volkskrant“ zu Beschäftigten, die den Konzern aus Enttäuschung über die Abkehr von der Klimawende verließen. „Grüne Investitionen wurden abgeblasen. Wir kehrten zurück zum Alten“, beklagte sich die Ex-Mitarbeiterin Pauline Niks. Shell hatte zuvor schon die Klima-Initiative „Science Based Target Initiative“ (SBTI) verlassen, einen Zusammenschluss von Unternehmen, die sich auf das Ziel von Klimaneutralität im Jahr 2050 verpflichtet hatten. Auch Initiativen wie die Klima-Allianz Deutschland schauen nur stumm zu Seit der Rückkehr von Donald Trump ins US-Präsidentenamt ist der Klima-Elan verpufft. In Deutschland baut Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Rückbau der Klimawende, und der blasse Umweltminister Carsten Schneider (SPD) taucht ab. Auch Initiativen wie die Klima-Allianz Deutschland schauen nur stumm zu. Und viele große Konzerne kehren zurück zum alten Geschäftsmodell. Allen voran in der Öl-Industrie. „Transition Planning 2026“ lautet eine neue Untersuchung, die die London School of Economics im Juli vorlegte: (Klima-)Übergangsplanung 2026. Darin heißt es: „Es gibt kaum eindeutige Belege dafür, dass Firmen planen, den Übergang von fossilen Brennstoffen hin zu Klimaschutzlösungen im erforderlichen Tempo zu vollziehen.“ So wollen elf führende Konzerne ihre Produktion von Öl sogar um 14 Prozent steigern. Trumps Krieg gegen den Iran zeigt schon jetzt Folgen So betrifft die Abkehr von der Energiewende nicht allein Shell. BP etwa versprach unter Konzernchef Bernard Looney, seinen CO2-Ausstoß bis 2030 um 40 Prozent zu verringern. Looney musste 2023 gehen – auch wegen persönlicher Vergehen. Noch im selben Jahr senkte der Konzern sein Klimaziel auf 25 Prozent weniger Kohlendioxid-Emissionen bis 2030. Zuletzt stoppte BP ein Windpark-Projekt in den USA. Es sehe „keinen tragfähigen Weg“ für Erneuerbare, teilte das Unternehmen mit. Donald Trump und sein Credo vom „Drill, Baby, Drill“ verändern die Zeiten. So will BP die Öl-Produktion bis 2030 auf 2,5 Millionen Barrel Öl pro Tag steigern. Trumps Krieg gegen den Iran zeigt schon jetzt Folgen: Im ersten Quartal meldete BP einen Gewinn von rund 2,8 Milliarden Euro. Ein Plus von 130 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Europa stöhnt indessen unter der Hitzewelle. In den Niederlanden warnten die Behörden jetzt vor Wasserknappheit. In Frankreich meldete der staatliche Gesundheitsdienst „Santé Publique France“ im Juni 2.025 Hitzetote, ein Drittel mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Schon inszeniert Rechtspopulistin Marine Le Pen die Krise als Staatsversagen. Le Pen setzt im Kampf gegen die Hitzewelle nicht auf Klimamaßnahmen, sie will stattdessen öffentliche Gebäude wie Kliniken, Kitas und Schulen mit Klimaanlagen ausstatten. Aktivisten geben Kampagnen nicht auf In den Niederlanden machen aktivistische Gruppen wie „Follow This“ gegen die Abkehr von der Klimawende mobil. Gegen BP reichte die Gruppe Klage ein, weil ein Antrag zu mehr Klimabewusstsein nicht auf der Jahreshauptversammlung behandelt wurde. Beim britisch-niederländischen Konzern Shell erhielt ein Antrag, den CO₂-Ausstoß bis 2030 um 45 Prozent zu senken, eine Zustimmung von 13 Prozent. Doch lässt sich am Abstimmungsergebnis auch die Zeitgeist-Zeitenwende beim Klimaschutz erkennen. Vor fünf Jahren hatten auf der Jahreshauptversammlung von Shell noch 30 Prozent der Stimmberechtigten den grünen Kurs unterstützt. „Follow This“-Vorkämpfer Mark van Baal gibt sich dennoch trotzig: „Kein Öl-Konzern hat derzeit eine Antwort auf die Frage, was passiert, wenn weniger Öl und Gas benötigt werden“, kritisiert er. Und verweist auf eine Studie der Internationalen Energieagentur (IEA). Die berechnet, dass der Öl-Bedarf bis 2030 um fünf Prozent wachsen dürfte. Neun Punkte weniger als die neuen Bohrvorhaben von Shell, BP & Co.

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