Sicherheitslücke: Wechselrichter lassen sich teils ohne Login drosseln
Das sind die Schwachstellen
Experten decken Sicherheitslücke bei Wechselrichtern auf
Von t-online, jb
Aktualisiert am 18.09.2026 - 14:02 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein Test deckte bei Solartechnik Dutzende Sicherheitsmängel auf, mehrere davon kritisch.
Private Dachsolaranlagen stellen zunehmend eine Angriffsfläche für das Stromnetz dar, wie das Schweizer Nationale Testinstitut für Cybersicherheit (NTC) feststellte. Viele Anlagen wiesen nur ein geringes Sicherheitsniveau auf, über das sich Hacker Zugriff auf die Infrastruktur verschaffen könnten. Die Analyse betraf zwar ausschließlich Anlagen in der Schweiz, die Ergebnisse dürften aber auch für deutsche Haushalte interessant sein.
So verlief die Studie
Für ihre Studie führte das Team ein Jahr lang bei elf digitalen Produkten von acht verschiedenen Herstellern eine Sicherheitsanalyse durch. Darunter sieben Wechselrichter und vier Energiemanagementsysteme (EMS). Die Wissenschaftler stellten über 50 Befunde fest, von denen sie sechs als hoch und sieben als kritisch einstuften. Nachdem den Herstellern die Befunde vertraulich mitgeteilt wurden, reagierten die meisten und schlossen die Lücken mit entsprechenden Updates. Bei einigen dauere die Behebung der Schwachstellen jedoch noch an, erklärt das NTC.
CCC deckt auf: Gefährliche Sicherheitslücke bei Solaranlagen
Als besonders kritisch stellten sich in der Studie Wechselrichter heraus. Bei fast allen war es möglich, die Menge der eingespeisten Leistung zu verändern. Die Wissenschaftler konnten diese sogar bis auf null reduzieren. Dies gelang ihnen, indem sie auf die lokale Steuerschnittstelle zugriffen – ganz ohne Anmeldung.
In diesem Fall handelte es sich zwar nur um einzelne Anlagen. Kann ein Krimineller jedoch auf diese Weise auf die Cloud eines Herstellers zugreifen, wäre eine Manipulation Tausender angebundener Anlagen möglich, warnt die Studie. "Die einzelne Solaranlage auf dem Hausdach ist für das Netz bedeutungslos – der Bestand als Ganzes ist kritische Infrastruktur."
Fernzugang ersetzt physischen Einbruch
Diese Entwicklung sehen die Autoren als gefährlich an: Früher konnte die Infrastruktur nur über den physischen Zugang zu einem Kraftwerk manipuliert werden. Heute reiche ein zentraler Fernzugang.
Bei welchen Wechselrichtern und EMS Sicherheitslücken festgestellt wurden, wird nicht aufgeführt. Stattdessen werden typische Risikomuster genannt:
eine unzureichende Authentifizierung und Mängel bei der Zugriffskontrolle (Beispiel: ein schwaches Passwort, keine Zwei-Faktor-Authentifizierung)
schlecht gesicherte Wartungszugänge (Beispiel: Für alle Geräte werden dieselben Zugangsdaten genutzt)
keine oder nur eine unzureichend verschlüsselte Kommunikation über die Lokalschnittstelle
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Sicherheitsrisiken nicht nur bei den untersuchten, sondern noch bei vielen weiteren, vernetzten Produkten bestehen. Das eigentliche Risiko bestehe "in der Abhängigkeit von wenigen Herstellern: Über deren Cloud-Infrastruktur werden die Anlagen gesteuert und mit Firmware versorgt, und die meisten Hersteller behalten einen privilegierten Wartungszugang zum gesamten Gerätebestand."
Das sind die Top-Fragen des Tages:
Jede Lösung hat Nachteile
Die Sicherheitsprobleme können nicht einfach und vollständig gelöst werden. Zum einen, weil jede Lösung sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt. Zum anderen, weil stets ein Restrisiko bleibt. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht.
Die Wissenschaftler betonen, dass sie mit ihrer Studie nicht gegen Photovoltaik argumentieren wollen. Vielmehr geht es ihnen darum, den Ausbau der Anlagen sicherer zu gestalten.