DAX -0,24 % 26.140,13 Pkt 18:00:00 MDAX -0,40 % 32.431,12 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,39 % 6.502,56 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,26 % 53.946,95 Pkt 20:35:32 S&P 500 -0,26 % 7.716,30 Pkt 20:35:38 Nasdaq -0,84 % 26.361,76 Pkt 20:35:36 Nikkei -0,93 % 65.683,26 Pkt 08:45:03 Gold +1,43 % 4.306,50 USD 20:25:36 Silber -0,53 % 61,77 USD 20:25:36 Brent +3,81 % 82,48 USD 20:25:31 WTI +2,81 % 77,33 USD 20:25:37 Bitcoin -0,34 % 64.380,78 USD 20:35:35 EUR/USD -0,05 % 1,15260 USD 20:34:55 EUR/GBP -0,12 % 0,85630 GBP 20:35:31 EUR/CHF +0,31 % 0,93590 CHF 20:35:35 EUR/JPY +0,36 % 182,514 JPY 20:35:37

„Sie waren nicht in der Lage, sich zu äußern oder zu wehren“: 68

Nation

Dutzende Frauen wurden als mutmaßliche Opfer ermittelt – was ihnen bei Treffen mit einem Elektriker aus Lichtenberg angetan wurde, erfuhren sie Jahre später von der Polizei. Frank S. soll sie bei Treffen in seiner Wohnung betäubt, vergewaltigt und Übergriffe gefilmt haben. Um 14 Opfer und 22 Taten geht es nun vor dem Landgericht. „Die Vergewaltigungen räume ich ein“, sagte der Angeklagte. Ein knappes Geständnis lieferte Frank S. über seinen Verteidiger. Der in der Anklage geschilderte Ablauf der ihm vorgeworfenen 22 Taten sei zutreffend. „Zum Beimischen sedierender Substanzen wird er sich erst zu einem späteren Zeitpunkt äußern.“ Frank S. ist ein schlanker Mann von 68 Jahren – das dichte Haar grau meliert, eine Brille mit dezentem Gestell, freundlicher Blick. Bis zu seiner Festnahme vor fünf Monaten hat er in seinem Beruf als Elektriker gearbeitet. Er ist ledig, hat zwei erwachsene Töchter, wohnte zuletzt in einem Plattenbau. Seit Winter 2022 lebe er in einer festen Beziehung bei getrennten Wohnungen, hieß es im Prozess. Er gab sich als Pilot oder Kommissar aus Er soll Frauen aus Berlin und Brandenburg über verschiedene Online-Dating-Plattformen kennengelernt und in seine Wohnung gelockt haben. Sie waren 50 bis 60 Jahre alt. Charmant habe er sich gezeigt. Mal gab er sich als Hubschrauberpilot aus, um interessant und vertrauenswürdig zu erscheinen, mal als Kommissar. Kam es zu einem Treffen, bot er unter anderem Cocktails an. In die Getränke habe er „sedierende Substanzen“ gemischt, heißt es in der Anklage. Als sich die betroffenen Frauen schließlich in einem „der Bewusstlosigkeit zumindest ähnlichen Zustand befanden, in dem sie keinerlei Wahrnehmungen machen konnten und nicht in der Lage waren, sich zu äußern oder zu wehren“, habe er sie vergewaltigt. Die Details der Anklage sind erschütternd. „Nee, nee, nee“, wimmerte eines der Opfer benommen, eine andere Frau versuchte im Halbschlaf vergeblich, seine Hand wegzudrücken. In Frankreich werden derartige Taten inzwischen oft als „soumission chimique“ bezeichnet, was „chemische Unterwerfung“ bedeutet – gemeint ist die Betäubung durch Medikamente oder Drogen. Bekannt wurde der Begriff durch den Fall der Französin Gisèle Pelicot, die von ihrem damaligen Ehemann über Jahre immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Dutzenden Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden war. Als „Zeppelin 70“ in Chats unterwegs Frank S. war nach einem Hinweis der Polizei in Verden an der Aller in Niedersachsen ins Visier der Polizei geraten. Er hatte unter dem Alias „Zeppelin70“ mit einem Mann gechattet, der seine Frau betäubt und missbraucht haben soll. Im Juni 2025 kam es zu einer ersten Durchsuchung. Im Schlafzimmer fanden Ermittler eine fest installierte Kamera – „sie war im Dauerbetrieb“, sagte ein Polizist als erster Zeuge. In Kisten und Koffern wurden demnach verdächtige Utensilien gefunden, darunter Medikamente, Kanülen und Spritzen. S. soll sexuelle Übergriffe penibel dokumentiert haben, auf etlichen Datenträgern waren Aufnahmen gespeichert. Damals hatte er sich nicht zu Vorwürfen geäußert. Die Medikamente habe er mit einer Ausbildung zum Sanitäter und einer bei ihm vorliegenden Schlafstörung begründet, sagte der Zeuge. Einige Taten sind bereits verjährt Das umfangreiche Material wurde von einem IT-Experten ausgewertet. 58 betroffene Frauen wurden laut Staatsanwaltschaft festgestellt. Zehn seien noch nicht identifiziert worden. Die Taten sollen bis ins Jahr 2010 zurückreichen, manche seien jedoch verjährt. Angeklagt wurden zunächst 22 Fälle mit 14 Opfern in der Zeit von 2016 bis 2022. Seit Anfang März befindet sich S. in Untersuchungshaft. Die Anklage lautet auf Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs. Dem Angeklagten sei bewusst gewesen, „dass die Gabe sedierender Substanzen, insbesondere auch in Kombination mit Alkohol, zu potenzial lebensbedrohlichen Situationen führen kann, was er auch billigend in Kauf nahm“, heißt es in der Anklage. Vier der 14 genannten Frauen sind nun Nebenklägerinnen. Zum Prozessbeginn waren sie nicht persönlich erschienen. Das Landgericht hat bislang bis zum 1. Oktober Verhandlungstage eingeplant. Die Staatsanwaltschaft strebt nach eigenen Angaben neben einer Verurteilung auch die Anordnung von Sicherungsverwahrung nach einer Haftstrafe an. Der Prozess geht am 18. August weiter.

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