DAX +0,73 % 25.365,42 Pkt 09:34:10 MDAX +0,88 % 30.140,53 Pkt 09:34:20 Euro Stoxx 50 -0,26 % 6.100,61 Pkt 09:34:15 Dow Jones -0,96 % 52.361,58 Pkt 21:43:41 S&P 500 +0,17 % 7.676,77 Pkt 21:43:43 Nasdaq +0,62 % 26.169,38 Pkt 22:15:59 Nikkei +1,73 % 63.268,37 Pkt 07:45:03 Gold -0,75 % 4.008,10 USD 09:39:14 Silber -2,25 % 52,89 USD 09:39:03 Brent -3,66 % 111,57 USD 09:39:07 WTI +0,78 % 102,55 USD 09:39:15 Bitcoin -0,38 % 79.699,86 USD 09:49:16 EUR/USD -0,53 % 1,11580 USD 09:48:46 EUR/GBP -0,14 % 0,83730 GBP 09:49:20 EUR/CHF -0,02 % 0,92390 CHF 09:49:21 EUR/JPY +0,04 % 175,992 JPY 09:49:20

„Sie waren zwei Tage von der Auslöschung entfernt“: Trumps Obsession mit der deutschen Energiewende

Technologie

„Sie waren ungefähr zwei Tage von der Auslöschung entfernt.“ Wenn Donald Trump über Deutschlands Energiewende spricht, geht es längst nicht mehr nur um Strompreise oder Windräder. Nein, laut Trump habe die Energiewende die Bundesrepublik fast an den Rand des Untergangs gebracht.

Bei einem Wahlkampfauftritt im Bundesstaat Tennessee am Samstag zeichnet der US-Präsident das Bild eines Landes, das durch grüne Energie beinahe untergegangen sei. „Zeigen Sie mir ein Land mit grüner Energie, und ich zeige Ihnen ein bankrottes Land“, behauptet er. „Sie wissen ja, Deutschland hat es versucht. Sie waren ungefähr zwei Tage von der Auslöschung entfernt.“

Deutschlands Untergangsszenario ist drastisch. Die Belege dafür fehlen.

„Sagen Sie mir, ob Sie das angemessen finden“

Seit Jahren dient Deutschland Trump als energiepolitisches Schreckgespenst. Mal geht es um russisches Gas, mal um Kohlekraftwerke, mal um angeblich unbezahlbare Windenergie. Aus einzelnen Problemen der deutschen Energiepolitik erklärt er grundsätzlich das Projekt der Energiewende als gescheitert.

Kleines Kraftwerk

Wie oft er Deutschland ausdrücklich erwähnt hat, lässt sich nicht vollständig beziffern. Trumps Attacken begannen die deutsche Energiepolitik begannen aber schon früh in seiner ersten Amtszeit: Im Juli 2018 kritisiert der US-Präsident Deutschlands geplante Gas-Pipeline Nord Stream 2 mit Russland. „Deutschland wird total von Russland kontrolliert“, sagte Trump damals am Rande eines Nato-Gipfels in Brüssel. „Sie bekommen bald 60 bis 70 Prozent ihrer Energie aus Russland, und eine neue Pipeline. Sagen Sie mir, ob sie das angemessen finden, ich jedenfalls nicht.“

ANZEIGE

ANZEIGE

Die Geschichte sollte Trump in dieser Frage recht geben – zunehmend begann er jedoch, die Kritik an Deutschlands Abhängigkeit von Russland mit einer generellen Absage an die Energiewende zu vermengen.

Die weiße Fahne für Angela Merkel

„Angela Merkel, ich habe ihr eine weiße Fahne geschickt“, sagte Trump über die ehemalige Kanzlerin bei einem Wahlkampfauftritt in Florida im November 2022. Deutschland habe es ungefähr ein Jahr lang mit Erneuerbaren Energien versucht, „und jetzt bauen sie wieder Kohlekraftwerke, und zwar schnell.“

Das letzte neue Kohlekraftwerk ging in Deutschland zwar im Jahr 2020 in Betrieb. Das hält Trump aber nicht davon ab, die Geschichte vom angeblichen deutschen Kohle-Comeback auszuschmücken: Im Juli 2024 behauptet er sogar in einem Interview mit „Bloomberg Businessweek“, Deutschland baue derzeit „Hunderte Kohlekraftwerke“. Außerdem „schätze ich, dass sie wieder ins Atomgeschäft einsteigen.“ Da waren die letzten deutschen Kernkraftwerke bereits seit mehr als einem Jahr abgeschaltet.

Im September 2025 machte Trump jedoch eine vorübergehende Kehrtwende aus – dank der neuen Bundesregierung um Kanzler Friedrich Merz (CDU). „Sie sind grün geworden und bankrott gegangen“, sagte der US-Präsident in seiner berühmten Rede vor der UN-Generalversammlung in New York. „Und dann ist die neue Regierung gekommen und ist zurückgegangen dorthin, wo sie zuvor war, mit fossilen Energien und Atomkraft. Was gut ist.“

Die komplexe Wirklichkeit der Energiewende

Und jetzt also stand Deutschland sogar kurz vor der „Auslöschung“. Das bedeutet nicht, dass Deutschlands Energiewende reibungslos verläuft. Der Umbau verlangt Milliardeninvestitionen in Netze und Speicher, flexible Kraftwerke und eine verlässliche Stromversorgung.

Doch die Bilanz ist keineswegs die eines Landes, das durch grüne Energie kurz vor dem Untergang steht. Nach Angaben der Bundesnetzagentur stammten 2025 rund 58,8 Prozent der deutschen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Die installierte Leistung erneuerbarer Anlagen wuchs im selben Jahr um knapp 21 Gigawatt. Das sind keine Belege für ein problemloses Energiesystem – wohl aber für einen tiefgreifenden Umbau, der tatsächlich stattfindet.

Trump beschleunigt die Energiewende sogar

Doch während Trump die erneuerbarne Energien politisch und rhetorisch bekämpft, treibt er sie ungewollt auch an. Denn: Die durch den Iran-Krieg entstandenen geopolitischen Krisen und unsichere Lieferketten treiben den Ausbau der Erneuerbaren und den Verkauf von E-Autos an. Im August etwa wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt 69.000 reine Elektroautos neu in Deutschland zugelassen, gut 75 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Wind und Sonne benötigen keinen kontinuierlichen Import von Kohle, Öl oder Gas. Ein stärker auf heimischen erneuerbaren Quellen beruhendes Stromsystem kann deshalb die Abhängigkeit von internationalen Brennstoffmärkten verringern.

Das macht es nicht unabhängig von globalen Lieferketten: Solarmodule, Batterien und andere Komponenten werden weiterhin international produziert. Und Wind- und Solarstrom benötigen Netze, Speicher und flexible Ergänzungen. Doch die strategische Rechnung verändert sich, wenn Brennstoffe knapp, teuer oder geopolitisch riskant werden.

Die Energiewende ist deshalb nicht nur Klimapolitik. Sie ist auch eine Frage wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit und nationaler Sicherheit. Je unsicherer die fossile Energieversorgung wird, desto attraktiver können Alternativen werden, die Trump ablehnt.

+++ Keine Klima-News mehr verpassen – abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal +++

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren