Siegmund hält Neuwahlen im Notfall für möglich
Wahltag
Wahl Sachsen-Anhalt im Liveticker: Siegmund hält Neuwahlen im Notfall für möglich
Stand: 06.09.2026 22:49 Uhr
Sachsen-Anhalt hat einen neuen Landtag gewählt. Die Wahlbeteiligung war deutlich höher als 2021. Aktuelle Hochrechnungen sehen die AfD bei 44 Prozent. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will Partner für eine mögliche Regierung gewinnen – hält aber auch Neuwahlen für möglich. Über die Ergebnisse und Reaktionen berichten wir im Liveticker.
von MDR SACHSEN-ANHALT
Journalistenverband stellt sich gegen AfD-Rundfunkpläne
Der Deutsche Journalistenverband (DJV) stellt sich gegen die Drohung des AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, den MDR-Staatsvertrag zu kündigen. Siegmund begründete dies mit angeblicher Desinformation und Fake News im Wahlkampf. Der DJV bezeichnete das als eine "Unverschämtheit". Der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Allgemeinen und der MDR im Besonderen seien Garanten der unvoreingenommenen und unabhängigen Berichterstattung. Der DJV rief die MDR-Verantwortlichen auf, sich gegen eine mögliche Kündigung des Staatsvertrags zu wehren.
Kaum Abweichungen über den Wahlabend
Über den Wahlabend hinweg hat es kaum Veränderungen in den Zahlen gegeben. Zwischen der Prognose und der ersten Hochrechnung von Infratest Dimap hatte es nur 0,2 Prozentpunkte Abweichungen gegeben.
Zwischen der ersten Hochrechnung von 18:28 Uhr und der aktuellen Hochrechnung von 22:22 Uhr war der Stand der CDU von 18,5 auf 17,5 korrigiert worden, die AfD entwickelte sich von 44,5 auf 44 Prozent. Die Linke gab von 9,4 bis 8,6 Prozent nach. Bei der SPD verbesserte sich das Ergebnis mit fortschreitendem Abend bisher von 8,2 auf 9,2 Prozent. Die Grünen blieben bisher stabil bei 8,9 Prozent unverändert seit 18:28 Uhr, Das BSW hofft seit Beginn um den Einzug und veränderte sich bisher von 5,0 auf 5,1 Prozent.
Die Stimmen sind bisher noch nicht fertig ausgezählt.
So kommentieren internationale Medien die Sachsen-Anhalt-Wahl
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat auch bei internationalen Medien für viel Beachtung gesorgt. So schreibt die "New York Times", nach ersten Prognosen dürfte die AfD in Sachsen-Anhalt auf den ersten Platz kommen, "was die Möglichkeit eröffnet, dass die extreme Rechte zum ersten Mal seit dem Ende der Nazizeit in einem Teil des Landes die Macht übernehmen könnte".
Auch die BBC in Großbritannien konstatiert: "Seit dem Zweiten Weltkrieg hat in Deutschland noch nie eine Rechtsaußenpartei die Kontrolle über ein Bundesland übernommen." Die britische "Times" nennt das Ergebnis eine persönliche Demütigung für Friedrich Merz.
Die polnische Tageszeitung "Rzeczpospolita" vermutet in einem Liveticker, dass es um Sachsen-Anhalt "noch lange laut bleiben" werde. Die Tageszeitung "Folha de São Paulo" in Brasilien schreibt: "Die Wahl Siegmunds, der einen populistischen Wahlkampf auf TikTok geführt und dabei emotionale Erinnerungen an die ehemalige DDR geweckt hat, wäre ein seit dem Zweiten Weltkrieg beispielloses Ereignis in Deutschland."
Siegmund hält Neuwahlen im Notfall für möglich
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund schließt eine Neuwahl nicht aus, sollte eine Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt nicht gelingen. Im ZDF sagte er: "Im Notfall würde es halt Neuwahlen geben, dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent". Die Zukunft sei die Alternative für Deutschland. Er sehe aber schon in den Hochrechnungen einen klaren Regierungsauftrag. Wenn einzelne Abgeordnete oder auch eine Fraktion mitmachen wollten, reiche er die Hand.
Neue Hochrechnung: CDU rutscht weiter ab
In der neuen Hochrechnung von Infratest Dimap fällt die CDU weiter zurück und kommt auf 17,5 Prozent. Die AfD wird mit 44 Prozent aufgeführt. Die SPD kommt mit leichten Gewinnen auf 9,2, die Grünen mit Gewinnen auf 8,9 Prozent. Verluste verzeichnet die Linke mit 8,6 Prozent. Das BSW liegt demnach bei 5,1 Prozent und damit über der Fünf-Prozent-Hürde. Die FDP fliegt mit 2,5 Prozent aus dem Landtag.
Willingmann hält wechselnde Mehrheiten für "verrückt"
Sachsen-Anhalts SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann ist gegen ein Modell wechselnder Mehrheiten für Sachsen-Anhalt. "Ich halte wechselnde Mehrheiten im Interesse der Wirtschaft für völlig verrückt" sagte er. Die Idee eines Koalitionsvertrages und einer stabilen Landesregierung bestehe darin, dass man berechenbar verabrede, was man vorhabe und das dann umsetze. Wechselnde Mehrheiten seien dagegen "ausgesprochen kompliziert". Das repräsentative demokratische System und vor allen Dingen die Wirtschaft und viele Institutionen bräuchten Verlässlichkeit, nicht den Zufall einer Mehrheit.
85 Prozent der Wahlbezirke ausgezählt
Nach aktuellem Stand sind mindestens 85 Prozent der Wahlbezirke bisher ausgezählt worden. Das teilte die Landeswahlleiterin um 21:23 Uhr mit. Demnach sind 2.273 von 2.660 Wahlbezirken fertig ausgezählt.
Bundesparteien beraten am Montag über Wahlausgang in Sachsen-Anhalt
Die Spitzengremien der Bundesparteien beraten am Montag über den Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Danach wollen sie vor die Presse treten. Den Auftakt machen die AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla. Es folgen die FDP und die Linke. Am Mittag sind Statements von CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze geplant, bevor sich am Nachmittag der SPD-Vorsitzende Klingbeil und Spitzenkandidat Armin Willingmann äußern wollen.
Siegmund: Bereiten uns seit Jahren auf dieses Szenario vor
Sollte die AfD in Sachsen-Anhalt in die Regierungsverantwortung kommen, gibt es nach den Worten von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund "sehr viele gute Leute", die bei einer Kabinettsbildung Verantwortung übernehmen könnten. Das sagte Siegmund im Gespräch mit dem MDR. Nach seinen Worten bereite sich die AfD seit mehreren Jahren auf eine Regierungsübernahme vor.
Trump postet Hochrechnung zur Sachsen-Anhalt-Wahl
US-Präsident Donald Trump hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auf seinem Truth-Social-Account thematisiert. Gepostet wurde dort die Abbildung einer Hochrechnung mit Stand 19:57 Uhr (deutscher Zeit). Trump ließ die Balken-Grafik, die den Sieg der AfD zeigt, für sich stehen und kommentierte sie nicht weiter.
AfD-Beteiligung in der Regierung verhindern? – Wähler sind uneins
47 Prozent der von Infratest Dimap befragten Wählerinnen und Wähler finden es richtig, eine Beteiligung der AfD zu verhindern. Auf der anderen Seite äußerten sich ebenfalls 47 Prozent, dass sie eine solche Verhinderung falsch finden.
Vor allem Wählerinnen und Wähler von CDU, Linke, SPD und Grüne empfinden eine solche Verhinderung als richtig. Unter den Wählerinnen und Wählern von AfD und BSW haben sich nur wenige dafür ausgesprochen. Bei der FDP findet jeder Dritte eine Verhinderung richtig.
Siegmund: Fake News und Desinformationen haben Wahlkampf geprägt
Im Gespräch mit dem MDR sagte Siegmund, er wolle den Menschen die Sorge vor der AfD nehmen. Nach seinen Worten habe es im Wahlkampf viele Fake News, Desinformationen und Vorhaltungen gegeben, die nicht korrekt waren. Siegmund betonte zudem erneut, Gräben zuschütten zu wollen. Man können aber auch unterschiedlicher Meinung sein.
Siegmund will Rundfunkverträge kündigen
Nach dem Wahlsieg der AfD hat Spitzenkandidat Ulrich Siegmund seine Pläne für Änderungen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk bekräftigt. In der ARD sagte er, er wolle "diesen Medienstaatsvertrag natürlich kündigen".
Die Kündigung von Rundfunkstaatsverträgen steht an erster Stelle des 100-Tage-Programms der AfD. Welche Verträge Siegmund konkret meint, ließ er offen. Für Sachsen-Anhalt wäre vor allem der MDR-Staatsvertrag von Bedeutung, der den gemeinsamen Rundfunk von Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen regelt.
Nach Wahlerfolg: Siegmund will Hand ausstrecken
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sucht nach dem Wahlerfolg nach Fraktionen oder einzelnen Abgeordneten, mit denen die AfD zusammenarbeiten kann. Er sagte dem MDR, dabei gehe es um Themen wie Energiepreise und Migration. Siegmund betonte erneut, sollte er diese Kräfte nicht finden, könne er keine Regierung bilden. Er wolle nach der Wahl das umsetzen, was er im Vorhinein angekündigt habe. Noch am Freitag kündigte Siegmund an, nicht als Ministerpräsident antreten zu wollen, sollte die AfD die absolute Mehrheit verpassen und mit keiner anderen Partei koalieren zu wollen.
Der Ticker in der Nacht: Nach Erfolg für die AfD – wie geht es in Sachsen-Anhalt weiter?
Aus Gründen der Nutzerfreundlichkeit haben wir den Ticker gekürzt. Die bisherigen Einträge des heutigen Tages und Wahlabends finden Sie hier:
Hier finden Sie dem Ticker zur Wahl in Sachsen-Anhalt in Leichter Sprache:
MDR (Maren Wilczek, André Plaul, Mario Köhne, Ahr, Linus-Benedikt Zosel, Anne Gehn-Zeller, Clemens T. Kral, Luca Deutschländer); dpa, epd, reuters