„Sieht nicht gut aus“: Trump glaubt offenbar zunehmend, dass seine schlechten Umfragewerte wirklich schlecht sind
Der Iran-Krieg laufe gut, der US-Wirtschaft gehe es großartig und der Klimawandel sei ein „Betrug“: Bei den öffentlichen Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zwingt sich der Eindruck auf, dass ihn die Realität nicht interessiert. Die „Washington Post“ aber hat nun einen vorsichtigen Sinneswandel festgestellt. Es geht um die bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA, bei denen Teile des Parlaments neu gewählt werden. Diese Wahlen finden immer zur Mitte einer präsidialen Amtszeit statt und sind traditionell ein Stimmungstest für den Staatschef.
Trumps Umfragewerte auf Tiefpunkt
Derzeit ist die Stimmung schlecht. Im Durchschnitt der Umfragen lehnen 60 Prozent die Politik von Trump ab, was auch auf seinen Iran-Krieg und die daraufhin in den USA gestiegenen Energiepreise zurückgeführt wird. Es sind die schlechtesten Werte seiner zweiten Amtszeit (auch im Mai und Juli lag die Ablehnung aber bereits bei 60 Prozent).
Doch Trump, der sich gern ausschließlich auf für ihn positive Umfragen bezieht, scheint die echte Lage zunehmend einzusehen. Die „Washington Post“ schreibt:
Trump nähert sich der Realität an
Die Zeitung hat mit vier Personen aus seinem Umfeld gesprochen, die anonym bleiben wollen. Trumps Berater hätten ihn demnach immer offener mit der Realität konfrontiert. Trump habe ihnen in den vergangenen Wochen zugehört, wenn es um die Chancen der Republikaner bei den Zwischenwahlen gegangen sei.
Trump erkennt Zusammenhang
Dabei stellt er offenbar auch eine Verbindung zwischen seinen politischen Entscheidungen und den Wahlaussichten her. „Er hat definitiv das Gefühl, dass einige seiner Entscheidungen zu einer Situation geführt haben, in der er unbeliebt ist und es für die Zwischenwahlen nicht besonders gut aussieht“, sagte eine Quelle der Zeitung.
Nicht alle Quellen stimmen überein, dass sich der US-Präsident der Realität angenähert habe. Die „Washington Post“ schreibt: „Eine andere Person, die regelmäßig mit Trump über die Zwischenwahlen spricht, widersprach jedoch der Vorstellung, er habe irgendeine Schuld auf sich genommen.“ Stattdessen sei das größte Problem bei den Zwischenwahlen aus Trumps Sicht, dass die Wähler nicht über ihn direkt abstimmen können.
Dennoch sei im Wahlkampf eine Verhaltensänderung bei Trump zu beobachten, schreibt die „Washington Post“. So habe der zunächst zögerliche Trump kürzlich Wahlkampfgelder für republikanische Kandidaten freigegeben. Zudem habe er nun zugesagt, persönlich bei 35 umkämpften Rennen aufzutreten. Die Frage stellt sich aber, ob diese Wahlkampfhilfe angesichts der Umfragewerte überhaupt willkommen ist. (TMA mit dpa)