DAX +1,41 % 25.951,58 Pkt 11:55:43 MDAX +0,88 % 30.765,17 Pkt 11:55:46 Euro Stoxx 50 +0,29 % 6.185,61 Pkt 11:55:45 Dow Jones +0,22 % 52.475,10 Pkt 22:18:52 S&P 500 +0,88 % 7.743,98 Pkt 22:18:42 Nasdaq +1,45 % 26.549,85 Pkt 22:15:59 Nikkei +1,10 % 64.659,47 Pkt 07:45:03 Gold -0,17 % 4.044,60 USD 12:00:42 Silber -0,85 % 53,00 USD 12:00:40 Brent -4,61 % 110,00 USD 12:00:05 WTI -1,55 % 101,19 USD 12:00:43 Bitcoin -1,37 % 80.156,23 USD 12:10:37 EUR/USD +0,22 % 1,11540 USD 12:10:42 EUR/GBP +0,06 % 0,83660 GBP 12:10:46 EUR/CHF +0,08 % 0,92300 CHF 12:10:46 EUR/JPY +0,19 % 176,129 JPY 12:10:46

Sind Roboter wirklich die Zukunft?

Technologie

Humanoide Roboter laufen, greifen, sortieren Gegenstände und können mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) auf ihre Umgebung reagieren. Elon Musk prognostiziert, dass in den kommenden zehn Jahren rund eine Milliarde solcher humanoiden Roboter im Einsatz sein werden. Arbeit werde für Menschen optional, sagt der Chef von Tesla. Das Unternehmen entwickelt gerade selbst einen humanoiden Roboter. Ist Musks Vision deshalb von zu viel Optimismus geprägt?

Roboter entscheiden nun selbst

Wohin die Reise gehen könnte, will der Innovationsbereich IFA Next auf der Technikmesse in Berlin zeigen. Dort wird präsentiert, was die neueste Generation kann - unter anderem Sprache verstehen, Bilder auswerten und ihre Handlungen an die jeweilige Situation anpassen.

Ging es früher vor allem um die Demonstration programmierter Abläufe, kommt jetzt Künstliche Intelligenz ins Spiel. Das chinesische Unternehmen Xiaomi beispielsweise stellt einen Roboter vor, der nicht mehr über ein starres Skript gesteuert wird. Nach Angaben des Unternehmens erkennt der Roboter seine Umgebung und kann mithilfe von KI darauf reagieren. Der Roboter entscheide selbst über jede Bewegung.

Fahrzeugbau oder Logistik als Einsatzfeld

Eine Frage, mit der die Firma Dögel auf der IFA wirbt. Das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt ist der Distributor des chinesischen Roboter-Herstellers AgiBot. Das Unternehmen fordert die Messebesucher explizit dazu auf, eigene Anwendungsfälle mitzubringen. Vor Ort soll geprüft werden, ob sich der Roboter für den jeweiligen Einsatz eignet. Humanoide Roboter der Firma sind in Deutschland vor allem in den im Fahrzeugbau, in der Logistik und Lebensmittelbranche im Einsatz.

"2035 wird es kein Unternehmen ohne humanoide Roboter mehr geben", sagt Geschäftsführer Mathias Dögel. Deutschland sei deshalb jetzt politisch und wirtschaftlich gefordert. Man habe mit Maschinenbau, Automatisierung und Industrie zwar hervorragende Voraussetzungen, müsse die Forschung aber schneller in Produkte überführen und Unternehmen mehr Raum zum Experimentieren geben.

"China baut heute nicht nur Roboter, sondern gleichzeitig einen riesigen Heimatmarkt auf, in dem diese Technologie lernen und skalieren kann", sagt der Geschäftsführer. Wenn Deutschland weiter zu lange über Regulierung diskutiere, drohe es, 2035 vor allem Anwender chinesischer Technologie zu sein - und nicht an deren Erfolg zu verdienen.

Warnung vor zu hohen Erwartungen

Technisch ist bei Robotern mittlerweile viel möglich, aber reicht das bereits für den Alltag zu Hause oder in der Fabrik? Experten kommen zu unterschiedlichen Einschätzungen. Der Robotik-Forscher Jan Peters von der TU Darmstadt ist ausgesprochen optimistisch. Er spricht von einem möglichen "iPhone-Moment" der Robotik. Einen solchen Durchbruch erwartet er innerhalb der nächsten fünf Jahre - möglicherweise sogar früher. Die technischen Grundlagen dafür seien inzwischen vorhanden.

Für Tamim Asfour steht das grundsätzlich außer Frage. Der Sprecher des Robotics Institute Germany und Professor am Karlsruher Institut für Technologie sieht humanoide Roboter als vielseitige Maschinen, die langfristig unterschiedlichste Aufgaben übernehmen könnten. "Humanoide Roboter sind aus meiner Sicht tatsächlich die Zukunft", sagt Asfour im Gespräch mit tagesschau.de.

Gleichzeitig warnt Asfour vor zu hohen Erwartungen an das Tempo der Entwicklung: Zwar könnten die Maschinen greifen, Gegenstände transportieren oder einfache Werkzeuge benutzen, im unübersichtlichen Alltag aber noch nicht zuverlässig und unbeaufsichtigt handeln. Zunächst dürften humanoide Roboter deshalb vor allem in Industrie, Logistik und ausgewählten Assistenzbereichen eingesetzt werden. Einen "Smartphone-Moment" mit einer flächendeckenden Verbreitung innerhalb der nächsten zehn Jahre erwartet Asfour nicht.

Ist der Helfer für Haushalt und Alltag realistisch?

Auch Steffen Greiser, Professor für Automatisierungstechnik an der Hochschule Osnabrück, sieht großes Potenzial, bremst aber ebenfalls die Erwartungen. Erste Pilotanwendungen in Industrie und Logistik seien bereits Realität, viele spektakuläre Vorführungen würden jedoch unter vorbereiteten Bedingungen stattfinden.

"Entscheidend ist nicht, ob ein humanoider Roboter eine Aufgabe einmal demonstrieren kann, sondern ob er sie über viele Stunden hinweg sicher, reproduzierbar und besser als wir Menschen ausführt", sagt Greiser. In zehn Jahren erwartet er deshalb zwar deutlich mehr humanoide Roboter in bestimmten Industrie- und Logistikanwendungen, nicht aber den universellen Helfer für Haushalt und Alltag. Robotik werde die Arbeitswelt verändern - allerdings vermutlich vor allem durch die Automatisierung einzelner Tätigkeiten und nicht durch den vollständigen Ersatz ganzer Berufe.

Verschiedene Szenarien

Noch ist nicht absehbar, wie unsere Zukunft mit Robotern aussehen wird. Die Zukunftsstudie "Humanoid Robotics 2040" des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau entwirft dafür vier mögliche Szenarien: vom humanoiden Roboter als alltäglichem Helfer über den Luxusroboter für wenige bis zum zertifizierten Kollegen in Industrie und Dienstleistungen.

Im schlechtesten Fall bleibt die Technologie dagegen eine Nische. Welche dieser Zukunftsszenarien Realität wird, hängt laut der Studie nicht allein vom technischen Fortschritt ab - sondern auch von Kosten, Sicherheit, Regulierung und gesellschaftlicher Akzeptanz.

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