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Sind Zeitreisen möglich? Das sagt die Astrophysik dazu

Wissenschaft

Stand: 25.07.2026 10:33 Uhr Die Astrophysikerin und ZDF-Wissenschaftsjournalistin Jana Steuer erklärt im Interview, warum es im Universum kein gemeinsames "Jetzt" gibt und auf welcher Ebene es gelingt, etwas zurück in die Zeit zu schicken - theoretisch. Jana Steuer beschäftigt sich auch in ihrem eigenen Podcast "Ein großer Schritt für die Menschheit" mit den großen Fragen des Kosmos. Im Gespräch erzählt sie, was der Blick zu den Sternen wirklich zeigt - und wie Einsteins Relativitätstheorie unser Verständnis von Zeit verändert hat. Frau Steuer, wenn wir nachts in den Himmel schauen, was genau sehen wir dann aus astrophysischer Sicht? Jana Steuer: Man guckt da eigentlich in die Vergangenheit. Denn das Licht, was wir zu uns geschickt bekommen, ist meistens vor sehr langer Zeit losgereist. Die Sterne sind ja mehrere Lichtjahre weit weg. Wir sehen sie also in einem gewissen Sinn so, wie sie mal ausgesehen haben. Nehmen wir mal die Sonne. Was passiert, wenn sie in diesem Moment erlischt? Steuer: Die Sonne ist 150 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, das sind um die acht Lichtminuten. Das Licht braucht also acht Minuten, um von der Sonne zu uns zu kommen. Das heißt, wenn wir mit dem Finger schnipsen könnten, um die Sonne auszumachen, dann würden wir das Resultat erst in acht Minuten bemerken. Man kann das auch ins Extreme treiben: Wenn ein Stern, der 600 Lichtjahre entfernt ist, stirbt, werden wir das erst in 600 Jahren erfahren. Die Vorstellung, dass irgendwelche Wesen auf einem weit entfernten Planeten sitzen und uns jetzt beobachten, kann also gar nicht stimmen, denn sie würden etwas ganz anderes beobachten? Steuer: Die würden uns in der Vergangenheit sehen, genau. Das ist so ein bisschen die Krux am All, dass alles so riesig ist. Wenn wir eine Zivilisation haben, die 500 Lichtjahre entfernt ist, was jetzt noch keine große Strecke ist in der Galaxie, dann sieht sie die Erde vor 500 Jahren. Also um das Jahr 1500, als gerade so das Mittelalter vorbei ist. Sie sehen noch keine großen Radio-Emissionen oder irgendetwas von den modernen Dingen, die wir tun. Die Maximalgeschwindigkeit im Universum, die Lichtgeschwindigkeit, beträgt zwar 300.000 Kilometer pro Sekunde, aber es ist halt eine endliche Geschwindigkeit, die nicht überschritten werden kann. Selbst wenn man die tollste Technologie der Welt hat oder wenn es Aliens sind, die super weit fortgeschritten sind, werden sie uns so sehen, wie wir vor 500 Jahren waren. Was können wir überhaupt Gegenwart nennen? Steuer: Das ist eine sehr gute Frage, die nicht leicht zu beantworten ist. Wir glauben ja immer, dass die Zeit etwas Absolutes ist. Durch Albert Einstein und seine Relativitätstheorie mussten wir jedoch lernen, dass sie relativ ist. Das bedeutet, ich kann nicht überall im Universum die gleiche Zeit anwenden. Gegenwart in dem Sinn gibt es nur, wenn man sehr nah zusammensitzt, räumlich. Denn die ganz strenge Definition von Zeit, Gegenwart und Jetzt, ist abhängig vom Bezugssystem: Wie schnell bewege ich mich zum Beispiel durch den Raum im Vergleich zu jemand anderem? Man kennt das vielleicht vom Zwillingsparadoxon: Wenn ich mich jetzt in die Rakete setze und sehr schnell, nahe der Lichtgeschwindigkeit, wegfliege, dann altere ich langsamer als die Menschen auf der Erde - und trotzdem sind die beiden Zeitgefühle gleichwertig. Gegenwart gibt es in dem Sinn nur hier bei uns in der Nähe. Wir teilen uns eine Gegenwart auf der Erde, aber wenn irgendwer sehr weit weg ist oder sich sehr schnell bewegt, dann verändert sich dieses Zeitgefühl. Und deswegen ist es auch so schwierig zu sagen, der Stern war vor 500 Jahren so und so. Das ist halt aus unserem Bezugssystem heraus vielleicht die Wahrheit. Aber, und da wird die Physik leider sehr kompliziert und unintuitiv: So etwas wie jetzt gibt es im Universum leider nicht, universell betrachtet. Könnten wir auch selbst was oder uns in die Vergangenheit schicken? Steuer: Zeitreisen sind leider durch Einstein ebenso verboten, wie die Lichtgeschwindigkeit zu überschreiten. Es gibt immer wieder diese Experimente, von denen man liest, über Quanteninformationen, die zurück in die Zeit geschickt wurden, die also wirklich Zeitreisen gemacht haben. Da muss man leider ganz klar unterscheiden: Ein Mensch ist keine Quanteninformation. Und diese Experimente, die da gemacht werden, sind mehr oder weniger isolierte, fast schon mathematische Analogien. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen dabei Theorien, in denen sie gewisse Dinge einfach voraussetzen. Sie schauen sich an, ob man die Quanteninformationen, wenn es sogenannte geschlossene Zeitschleifen gibt, in der Zeit zurückschicken kann. Das ist auf dieser winzigsten, kleinsten aller Ebenen möglich, eben in solchen isolierten mathematischen Theorien. Aber wir sind halt leider nicht auf solchen kleinsten Ebenen. Das heißt, wir Menschen müssen uns höchstwahrscheinlich daran gewöhnen, dass es nicht möglich ist, uns selbst in die Vergangenheit zu schicken. Wenn in 500 Jahren eine außerirdische Lebensform unser Gespräch hört - was würde sie darüber sagen? "Ja, das stimmt alles" oder "Meine Güte, wie rückständig"? Steuer: Ein Alien würde uns vielleicht ein bisschen rückständig finden. Aber das Gute an der Physik ist ja, dass sie universell wirkt, sie ist also überall gleich. Vielleicht würde es denken: Die Menschen sind noch nicht auf das gekommen, was nach der Relativitätstheorie kommt, da sind sie noch verwirrt. Denn wir suchen immer noch nach der Theorie, die die Quanten- mit der Relativitätstheorie zusammenbringt. Das Alien könnte daher sagen: Ach guck mal, die Kleinen, die machen gerade ihre ersten Schritte in Richtung der wirklich großen Physik. Aber es würde vielleicht schon ein bisschen beeindruckt sein, dass wir auf unserem winzigen Planeten herausgefunden haben, dass die Zeit gar nicht absolut ist. Das muss man nämlich erst einmal hinkriegen, wenn man so klein ist und maximal etwa 100 Jahre lebt. Das ist auf jeden Fall schon mal eine Leistung.

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