Smart Meter Light: Initiative fordert Preis unter 40 Euro pro Gerät
Weniger Sicherheit? Smart Meter Light: Energieanbieter stellen klare Forderungen Von Jennifer Buchholz 22.07.2026 - 15:08 UhrLesedauer: 3 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Ein neuer, günstiger Stromzähler soll in deutschen Haushalten eingebaut werden. Vier Energieanbieter haben nun definiert, was er können muss. Das Reformpaket von Union und SPD hat die Einführung eines neuen Smart Meter Light vorgesehen. Dabei soll es sich um einen intelligenten Stromzähler (Smart Meter) handeln, der den Stromverbrauch misst und die Informationen unter anderem an den Energieversorger sendet. Was er darüber hinaus können muss oder soll, ist bislang noch nicht definiert. Fest steht nur, dass er günstiger ist und schneller eingebaut werden kann, da zahlreiche technische und regulatorische Hürden entfallen. Verschiedene Experten und Verbände haben bereits unterschiedliche Vorstellungen über einen Smart Meter Light geäußert und erklärt, welche Probleme damit einhergehen können. Auch die Smart-Meter-Initiative (SMI), gegründet von den vier Energieanbietern Tibber, Octopus Energy, Rabot Energy und Ostrom, beschreibt nun in einem Konzept, welche technischen Anforderungen bei der Umsetzung ihrer Einschätzung nach dringend beachtet werden sollten. Nur messen und übermitteln Ein zentraler Aspekt ist die Wirtschaftlichkeit. So sollten die Kosten für einen Smart Meter Light laut Initiative nicht mehr als 40 Euro pro Gerät im Jahr betragen. Dies könne beispielsweise erreicht werden, indem auf eine Zertifizierung durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) verzichtet wird. Dabei handelt es sich um eine behördliche Prüfung, die sicherstellt, dass der Smart Meter persönliche Verbrauchsdaten sicher übermittelt und vor unbefugtem Zugriff schützt. Stattdessen solle es ein abgestuftes Schutzniveau geben. Dieses sei laut SMI vertretbar, da der Smart Meter Light ihrer Definition nach ausschließlich misst und übermittelt. In dem Konzeptpapier heißt es zudem, dass der Smart Meter Light mit einer lokalen Schnittstelle, beispielsweise via WLAN, ausgestattet sein soll. Über diese könnten dann Haushalte selbst Zugriff auf ihre eigenen Daten erhalten. Wichtig sei ebenso, erklärt die SMI, dass der Smart Meter Light mit einem Smart Meter Gateway nachgerüstet und somit zu einem klassischen Smart Meter werden kann. Auch sollten die neuen Zähler technisch wie intelligente Messsysteme behandelt werden. Sie sollen also den Stromverbrauch alle 15 Minuten erfassen, sicher übermitteln und die bereits vorhandenen Übertragungswege nutzen. Dadurch könne darauf verzichtet werden, eine zusätzliche und teure Parallelstruktur aufzubauen. Eine weitere Möglichkeit für die technische Umsetzung ist laut der SMI, bereits bestehende digitale Stromzähler mit einem zusätzlichen Ablesegerät zu ergänzen oder Zähler einzubauen, die über lokale Funknetze der Stromnetzbetreiber ausgelesen werden können. Letzteres ist bereits bei vielen Wasseranschlüssen in privaten Haushalten üblich. Dort sind meist Messsysteme installiert, die via Funk ausgelesen werden. Digitaler oder intelligenter Stromzähler? Ein digitaler Stromzähler zeigt den aktuellen Zählerstand sowie die früheren Verbrauchswerte. Die Informationen bleiben in der Regel im Gerät und werden nicht automatisch übertragen. Nutzer müssen ihrem Stromanbieter somit den aktuellen Zählerstand selbst übermitteln. Ein intelligenter Stromzähler – auch Smart Meter oder intelligentes Messsystem (iMSys) genannt – verfügt neben der Zählfunktion zusätzlich über eine Kommunikationseinheit (Smart-Meter-Gateway). Dadurch kann er Verbrauchsdaten automatisch an berechtigte Stellen wie den Energieanbieter und den Netzbetreiber senden. Jeder intelligente Stromzähler ist somit auch ein digitaler Stromzähler. Aber nicht jeder digitale Stromzähler ist ein Smart Meter. So definieren andere Experten den Smart Meter Light Die SMI stützt sich mit ihrem Konzept auf den bereits vorhandenen Kernpunkt zum Smart Meter Light sowie auf bereits geäußerte Ideen anderer Experten und Verbände. So lautet die allgemeine, bisher gängige Auffassung, dass ein Smart Meter Light ein intelligenter Stromzähler ist, der den Stromverbrauch misst und die Daten an den Energieanbieter übermittelt. Die Datenübertragung erfolgt über den vom Messstellenbetreiber bereitgestellten Kommunikationsweg – in der Regel das Mobilfunknetz. Im Gegensatz zum Smart Meter kann die Light-Version laut mehrheitlicher Auffassung keine Befehle empfangen. Sie verfügt also nicht über eine Steuerbox und somit keine Steuerungsfunktion. Dadurch kann auf die aufwendige Zertifizierung und den späteren Betrieb des Smart Meter Gateway verzichtet werden. Das senkt die Kosten weiter und beschleunigt den Einbau. Wozu ist eine Steuerbox nötig? Ein Smart Meter kann mit einer Steuerbox verbunden sein. Über sie darf der Netzbetreiber steuerbare Geräte wie Wärmepumpen, Wallboxen oder Batteriespeicher vorübergehend dimmen, wenn das Stromnetz stark belastet ist. Komplett abgeschaltet werden sie dabei in der Regel nicht. Diese Maßnahme hilft, Engpässe und Stromausfälle zu vermeiden. In den vergangenen Jahren kam es jedoch selten zu einer Dimmung der Stromzufuhr. Für Verbraucher bedeutet die Integration einer Steuerbox, dass sie vergünstigte Stromtarife wie etwa einen Wärmepumpenstromtarif nutzen können. Möglich wäre laut Experten etwa, dass sich die Smart Meter Light in einem Mehrparteienhaus ein Smart Meter Gateway teilen oder bei kleineren Wohnungen ein optischer Lesekopf zum Einsatz kommt. Ähnliches steht im Konzept der SMI. Vorgaben fehlen Es gibt also bereits Ideen, allerdings fehlen klare gesetzliche Vorgaben und technische Standards. Diese müssen erst noch von den zuständigen Behörden erarbeitet werden. Experten gehen davon aus, dass es noch Jahre dauern kann, bis die neuen Stromzähler flächendeckend in deutschen Haushalten eingebaut sind. Wozu es einen Smart Meter Light braucht Bis Ende 2030 sollen über 90 Prozent der relevanten Pflichteinbaumessstellen in Deutschland mit einem Smart Meter ausgestattet sein. Dazu zählen Messstellen in Haushalten mit einem Jahresstromverbrauch von über 6.000 Kilowattstunden (kWh), mit Photovoltaikanlagen über sieben Kilowatt (kW) installierter Leistung und/oder mit steuerbaren Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen oder Wallboxen. Nun plant die Bundesregierung laut Reformpaket für alle übrigen Haushalte die Einführung eines Smart Meter Light. Damit soll die Verbreitung digitaler Zähler erhöht und gleichzeitig sollen die Kosten für Verbraucher und Netzbetreiber begrenzt werden. Denn der Betrieb eines Smart Meter inklusive Steuerbox schlägt für bestimmte Haushalte mit knapp 100 Euro jährlich zu Buche. Hinzu kommen die Kosten für den Messstellenbetreiber, der das Gerät einbaut. Branchenexperten sprechen von bis zu 600 Euro pro Gerät und Einbau. Das ist allerdings kein Standard.