Smart-Meter: Smart-Meter rechnet sich nach 10 Jahren
Smart-Meter kommen grundsätzlich mit dem Versprechen daher, dass sie den Stromfluss im Haus auf eine Weise steuern, die Geld spart. Wie viel das ist, ist grundsätzlich hochindividuell. Eine Beispielfamilie zeigt, wie es laufen kann: Die Familie hat üblicherweise eine Stromrechnung von etwa 2365 Euro. Sie kauft eine Solaranlage plus Stromspeicher, was ihre Jahresrechnung auf 163 Euro senkt. Sie kann den selbst erzeugten Strom nutzen, anstatt teuer zuzukaufen. Im Vergleich zum konventionellen Tarif spart wie Familie pro Jahr 2000 Euro. Die Kosten für die Anschaffung einer PV-Anlage plus Speicher können je nach Anbieter, Modell und Aufwand stark schwanken, aber für das Beispiel gehen wir von 20.000 Euro aus. In dem Fall hätte sie die Kosten nach zehn Jahren raus, wenn die jährliche Ersparnis konstant bleibt. Ohne Smart-Meter geht Energiewende „mit angezogener Handbremse“ Aktuelle Zahlen zeigen, dass immer mehr Verbraucher diese Kostenersparnis ausnutzen wollen. Im März 2026 hat Deutschland einen neuen Allzeitrekord beim Batteriezubau erreicht. Der betrug monatlich 1099 Megawattstunden – damit kratzt die gesamte installierte Batteriekapazität an der 30-Gigawattstunden-Marke. 75 Prozent davon entfallen auf private Heimspeicher. Laut dem Energieunternehmen 1Komma5° liegt das unter anderem am Irankrieg und der Energiekrise, die die Sperrung der Straße von Hormus ausgelöst hat. ANZEIGE ANZEIGE „Mit Beginn des Iran-Kriegs und den darauffolgenden Preissprüngen bei fossilen Energien ist das Interesse an Unabhängigkeit wieder gestiegen“, erklärt Jannik Schall, Mitbegründer von 1Komma5°. „Wer sich vor den Preisschocks der fossilen Märkte schützen will, setzt auf die Kombination aus Steuerung und Speicher.“ Dahinter steckt die einfache Idee, dass Haushalte vor Kostensprüngen geschützt sein wollen, indem sie sich weiter von Energieträgern wie Gas und Öl abkoppeln. Die Nachfrage nach Solaranlagen plus Speicher bei dem Energieunternehmen habe sich schon im März, verglichen mit dem Vormonat, verdoppelt. Das große Aber: Die vielen zugebauten Batterien können ihr volles Potenzial noch nicht nutzen. „Solange wir diese Speichermengen nicht durch einen flächendeckenden Rollout von Smart-Metern und intelligenter Steuerung vernetzen, fahren wir die Energiewende mit angezogener Handbremse.“ - Jannik Schall Verbraucher nutzen billige Strom-Phasen aus Im besten Fall kann am Mittag erzeugter Solarstrom in einen Batteriespeicher fließen und erst am Abend selbst verbraucht werden, wenn der Strom sonst teurer wäre. Alternativ könnten Verbraucher den Strom zu Zeiten hoher Nachfrage (und damit hoher Preise) ins Netz verkaufen und daran bares Geld verdienen. „Wenn wir vorhandene Flexibilitäten intelligent nutzen, verschenken wir automatisch weniger günstigen Strom ins Ausland. Dann brauchen wir auch weniger teure fossile Energien und reduzieren den Netzausbau. Das macht Strom für alle günstiger, nicht nur für Solaranlagenbesitzer“, sagt 1Komma5° auf Anfrage von FOCUS online. 255 Milliarden Euro Ersparnis durch flexibles Stromnetz Für die Gesamtwirtschaft kann das Ersparnisse in Milliardenhöhe bedeuten. Einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zufolge sollen dezentrale Energielösungen bis 2045 einen wirtschaftlichen Mehrwert von 185 bis 255 Milliarden Euro für das deutsche Energiesystem erwirken. Wie das funktionieren kann, zeigt die Hitzewelle von Ende Juni. Der Strompreis stieg in den Abendstunden drastisch, weil viele Verbraucher ihre Klimaanlagen und Ventilatoren angeworfen haben. Tagsüber konnte Solarenergie die erhöhte Nachfrage teilweise decken, aber sobald die Sonne unterging, gab es nicht genügend intelligente Stromspeicher, die angesammelte Solarenergie ins Stromnetz abgegeben hatten. Die Rechnung ist einfach: Mehr Smart-Meter plus Stromspeicher würden dafür sorgen, dass mehr Solarstrom in Batterien landet. Sobald es Abend wird, geben sie ihren Strom entweder ins Netz oder die Verbraucher nutzen sie, um ihre Klimaanlagen zu versorgen. Weniger Bedarf im Netz ergibt niedrigere Preise für alle anderen. 140 Euro pro Jahr für Smart-Meter-Betrieb Aber: Der Einbau und auch der Betrieb von Smart-Metern kostet extra. Für den Kauf und Einbau können sich Verbraucher entweder an Komplettanbieter wenden oder an den örtlichen Netzbetreiber. Der Einbau ist nicht immer gratis, darum sollten Verbraucher sich vor dem Kauf über die Vertragsbedingungen informieren. Die wichtigsten Fragen dabei: Wie viel kostet der Einbau? Wie viel kostet das Gerät? Gibt es laufende Kosten? Falls ja, wie hoch sind die? Der ADAC geht davon aus, dass die laufenden Kosten generell zwischen 30 und 140 Euro pro Jahr liegen können. Für Einbau und die jährlichen Betriebskosten gibt es gesetzliche Obergrenzen. Hier müssen Verbraucher besonders aufpassen, denn die gelten nicht immer. Laut der Verbraucherzentrale Niedersachsen sehen die Obergrenzen wie folgt aus: Obergrenzen gelten nicht immer Diese Grenzen gelten rückwirkend zum 1. Januar 2025. Der zuständige Messstellenbetreiber muss sie zwingend einhalten, wenn ein intelligentes Messsystem eingebaut ist. Achtung: Die Obergrenzen gelten nur für den verpflichtenden Einbau oder den freiwilligen Einbau durch den grundzuständigen Messstellenbetreiber. „Möchte der Verbraucher einen freiwilligen Einbau bei einem Messstellenbetreiber außerhalb der Grundzuständigkeit vornehmen, so gilt für den Messstellenbetrieb der ausgehandelte Preis mit dem wettbewerblichen Messstellenbetreiber“, erklärt die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Preise bei Smart-Meter können deutlich variieren Verbraucher können mittlerweile auch selbst beim Messstellenbetreiber den Einbau eines Smart-Meters verlangen. Dann wird es aber eine Zusatzleistung, für die ein zusätzliches Entgelt anfallen kann. „Als angemessenes Entgelt für den Einbau auf Kundenwunsch wird im Gesetz ein einmaliger Betrag von 100 Euro und (bei optionalen Einbaufällen) ein laufendes jährliches Entgelt von 30 Euro genannt“, sagt eine Sprecherin der Verbraucherzentrale SH zu FOCUS online. Das seien jedoch keine Obergrenzen. Wählt ein Verbraucher einen solchen wettbewerblichen Messstellenbetreiber, muss er vor Abschluss des Vertrags dessen Leistungen, Preise und Laufzeiten beachten. Diese können von denen des grundzuständigen Messstellenbetreibers abweichen – er könnte draufzahlen. Der Ausbau sogenannter Smart-Meter soll jetzt doch schneller laufen als gedacht. Statt 2032 soll der Rollout bis 2030 größtenteils abgeschlossen sein. So steht es im Beschlusspapier der Koalition zum Reformpaket, das sie Anfang Juli vorgestellt hat. Verpflichtend ist der Einbau bei Haushalten, deren Jahresverbrauch zwischen 6000 und 10.000 Kilowattstunden liegt. Für Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung über sieben Kilowatt gilt dasselbe.