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Smartglasses und Smartphones: Verbot für Nutzung im Freibad?

Technologie

Das Plätschern des Kinderbeckens ist schon am Eingang zu hören. Eine Schwimmkursgruppe bildet vor dem Eisstand eine große Schlange, zwei Frauen schwimmen nebeneinander gemütliche Bahnen. Auch wenn am Morgen im Freibad Erbstetten (Rems-Murr-Kreis) noch nicht allzu viel los ist - Zeit zu entspannen hat Bademeister Uwe Meyners nicht. Der 53-Jährige rückt ein großes Schild zurecht: "Bitte achten Sie auf Ihre Kinder und nicht auf Ihr Smartphone", steht darauf. Und das ist nur das eine Problem mit Smartphones in Freibädern. Das andere ist die Aufnahme von Fotos und Videos - vor allem, wenn das heimlich passiert - gerade mit Smartglasses. In Baden-Württemberg wird da gerade über ein generelles Verbot diskutiert. Nutzung von Smartphones seit Jahren ein Problem Prinzipiell gilt: Fotografieren und Filmen ist im Freibad nicht gesetzlich verboten. Aber fast alle Betreiber untersagen es in ihrer Hausordnung. "Wir wollen das Benutzen des Smartphones nicht ganz verbieten", sagt Bademeister Meyners. Aber Fotos eben sind tabu. Wenn jemand in Erbstetten trotzdem Bilder mache, gerade beim Kinderbecken, würden er und seine Kollegen sich die Bilder zeigen lassen. Sobald darauf Personen zu sehen seien, die keine Angehörigen wie Kinder oder Enkel der Smartphone-Nutzenden seien, würden er und seine Kollegen die Bilder löschen lassen. Seit einiger Zeit gibt es zudem ein weiteres Problem in den Bädern: smarte Brillen mit eingebauter Kamera. Die sogenanntenen Smartglasses besitzen kleine, kaum erkennbare Objektive und Mikrofone im Brillengehäuse. Oft sehen sie wie normale Sonnenbrillen aus. Das macht sie für Aufsichtspersonal schwer erkennbar - besonders deshalb, weil mittlerweile auch renommierte Brillenhersteller solche Smartglasses produzieren. Eine SWR-Recherche hatte gezeigt, dass es in sozialen Netzwerken und Online-Foren bereits regelrechte Gemeinschaften von Smartglasses-Nutzenden gibt, die sich über das heimliche Filmen austauschen. Smartglasses sind für Betreiber schwer zu erkennen "Wir sind für das Thema sensibilisiert und achten genau darauf", versichert Sascha Seitz. Er ist Badeleiter im Wunnebad in Winnenden (Rems-Murr-Kreis). Bereits im vergangenen Jahr hat er seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sensibilisiert, genau auf diese Brillen zu achten. Dafür hat er ein Infoblatt mit einer Beschreibung der Brillen erstellt. "Wenn jemand sich um das Kinderbecken bewegt und eine Sonnenbrille trägt, schauen wir genau hin." Aber lässt sich so heimliches Filmen und Fotografieren verhindern? "Es ist einfach sehr schwierig, diese Brillen zu erkennen", sagt Seitz. "Ich frage mich, warum sie überhaupt hergestellt werden." Dass das Filmen und Fotografieren verboten ist, würde man laut Seitz im gesamten Bad erkennen. "Überall im Bad gibt es Hinweise", sagt Seitz. "Unsere Mitarbeiter achten genau darauf." Bislang habe er keinen Fall mit so einer Brille verzeichnet. Lediglich im Saunabereich habe eine Person mit dem Smartphone unerlaubt Aufnahmen gemacht. Daraufhin habe man die Polizei gerufen. Was ist das Problem mit heimlichen Videoaufnahmen? Für eine Dokumentation hat das "team.recherche" des SWR mit Menschen gesprochen, die in unterschiedlichen privaten und intimen Situationen heimlich gefilmt wurden: Repräsentative Umfrage team.recherche vom SWR: Heimlich gefilmt - online gedemütigt 85 Prozent halten heimliches Filmen für ein „großes“ oder „sehr großes Problem“, so eine Umfrage von „team.recherche“ zur Doku „Heimlich gefilmt – online gedemütigt" Bundesweit mehrere Missbrauchsfälle mit Smartglasses In welchem Maß es schon Missbrauch von Smartglasses gebe, ist unklar. Bundesweit gab es schon Vorfälle. Nicht so in Stuttgart: "Vorfälle oder Beschwerden sind uns bisher nicht bekannt", sagt Jens Böhm, Sprecher der Stuttgarter Bäder. Aber auch dort sei das Badpersonal sensibilisiert. "Bei Verstößen verhängen wir ein Haus- und Badeverbot", sagt Böhm. Andere Bäder gehen da schon weiter: In Potsdam und Köln sind Smartglasses in Freibädern bereits verboten. Die Bäder in Baden-Württemberg wollen da nun nachziehen. Das Thema soll bei der nächsten Tagung der Arbeitsgemeinschaft öffentlicher Bäder Baden-Württemberg besprochen werden.

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