„So eine Gänsehaut hatte ich noch nie“: 1. FC Union verliert Eröffnungsspiel, beeindruckt aber auch die Bayern
Mehr als 100.000 Fans waren in der vergangenen Saison zu den Heimspielen des 1. FC Union ins Stadion An der Alten Försterei gekommen, eine Kulisse wie an diesem Freitagabend hatten die Berlinerinnen in der Fußball-Bundesliga der Frauen aber noch nicht erlebt. „So eine Gänsehaut hatte ich noch nie beim Einlaufen in ein Stadion“, sagte Unions Samantha Steuerwald.
Vor 17.083 Zuschauenden bestritt ihre Mannschaft unter Flutlicht das Eröffnungsspiel der neuen Saison gegen Double-Gewinner FC Bayern München. Auch wenn die Köpenickerinnen dem großen Favoriten mit 1:4 (0:1) unterlagen, war der Abend ein neuerlicher Beweis, wie sehr Union die Liga bereichert.
„Die Atmosphäre war herausragend, es war sehr cool, vor so vielen Fans zu spielen“, sagte Bayerns Pernille Harder. Ihr Trainer José Barcala lobte auch die Entwicklung der Köpenicker, die in den vergangenen Jahren mit Investitionen in Kader und Infrastruktur den Sprung von der Regionalliga zu einem vor dieser Saison hoch gehandelten Team geschafft haben. „Sie haben eine klare Vision und wissen, wo sie hinwollen. Das ist vorbildlich“, sagte der Spanier. Es sei „nur eine Frage der Zeit“, bis Union ein echter Konkurrent für seinen Klub werde.
Die Berliner Fans versprühten schon auf dem Weg ins Stadion beste Laune. Die Bahnen waren voll mit rot-weißen Trikots, der Optimismus groß. „Mit sieben Jahren bin ich schon mit meinem Papa zu Union-Spielen gegangen, damals nur zu den Männern. Später habe ich auch meine Kinder und dann Enkel mit hergebracht. Ich erfreue mich jedes Mal daran, dass der Frauenfußball so einen Aufschwung erlebt“, sagte Union-Fan Gabi auf der Waldseite.
Eileen Campbell vergibt Chance zum 1:0
In der Anfangsphase fehlte nicht viel und die Freude wäre noch größer geworden. Nach einem Pass in die Tiefe durch Neuzugang Lisanne Gräwe lief Eileen Campbell ihrer Gegenspielerin davon und schoss haarscharf am langen Pfosten vorbei. Eine frühe Führung wäre gegen die Übermannschaft des deutschen Fußballs der perfekte Start gewesen, doch auch so hielt Union ordentlich dagegen.
Bayern war zwar optisch überlegen und den Münchner Spielerinnen war die hohe individuelle Qualität punktuell anzusehen, die Gastgeberinnen ließen aber lange keine klaren Abschlüsse zu. Das änderte sich erst mit einem Standard. Nach einem Foul von Samantha Steuerwald kurz vor dem Strafraum knallte Klara Bühl den Ball platziert rechts oben ins Berliner Tor.
Union ließ sich davon nicht aus dem Konzept bringen, das schnelle 2:0 durch Pernille Harder, keine zwei Minuten nach dem Seitenwechsel, brachte das Team aber ins Wanken. Glodis Viggosdottir erhöhte nach einer Ecke und entschied das Spiel nach einer Stunde. „Aus dem Spiel hatten wir die besseren Chancen, aber die Standards haben uns heute gekillt“, sagte Steuerwald.
Die Berlinerinnen fingen sich anschließend wieder und kamen durch die eingewechselte Nele Bauereisen zum 1:3. Vor allem die ebenfalls von der Bank gekommene Naika Reissner brachte viel Schwung und Weidauer sowie Bauereisen hatten weitere Chancen. Den Schlusspunkt setzte jedoch Bayerns Sophie Proost mit einer schönen Einzelleistung.