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So ernährt sich eine Fachärztin für Adipositas im Alltag

Gesundheit

Welche Ernährungsweise ist die beste? Für Dr. Susan Wolver gibt es darauf keine pauschale Antwort. Die Leiterin des Gewichtsreduktionsprogramms der Virginia Commonwealth University ist seit 13 Jahren auf die Behandlung von Adipositas spezialisiert. Ihrer Erfahrung nach funktioniert vor allem eine Ernährung, die sich langfristig in den Alltag integrieren lässt.

Eine gute Ernährungsweise dürfe sich nicht wie eine vorübergehende Diät anfühlen, erklärt die Ärztin. Persönliche Vorlieben, kulturelle Gewohnheiten, Unverträglichkeiten und gesundheitliche Voraussetzungen müssten berücksichtigt werden. Was bei einer Person funktioniert, müsse deshalb nicht automatisch für andere geeignet sein.

Wolver selbst ernährt sich kohlenhydratreduziert, weil sie nach eigenen Angaben empfindlich auf größere Mengen Zucker und Kohlenhydrate reagiert. Früher habe sie teilweise den ganzen Tag Süßigkeiten gegessen und sich anschließend schlecht gefühlt. Gleichzeitig betont sie, dass eine Umstellung Zeit braucht und besonders der Verzicht auf Zucker anfangs schwierig sein kann.

Ihr Frühstück besteht häufig aus ungesüßtem griechischem Joghurt mit natürlichem Fettgehalt. Dazu gibt sie Proteinpulver, Chia- und Leinsamen sowie Walnüsse. Gelegentlich isst sie stattdessen Eier oder fertige Eierhäppchen mit Gemüse, Jalapeños, Salsa oder Avocado. Ihren Kaffee trinkt sie mit Sahne und inzwischen ohne Zucker oder Süßstoff. Die Gewöhnung an den ungesüßten Geschmack habe mehrere Jahre gedauert.

Zum Mittagessen bedient sie sich häufig an der Salatbar des Krankenhauses. Neben Blattsalat und Gemüse wie Rosenkohl oder Blumenkohl wählt sie meist Hähnchen- oder Thunfischsalat als Eiweißquelle. Auf fertiges Dressing verzichtet sie gewöhnlich. Wenn sie zu Hause isst, greift sie oft auf Reste vom Vorabend zurück.

Das Abendessen bereiten Wolver und ihr Mann abwechselnd zu. Meist besteht es aus einer Eiweißquelle und verschiedenen Gemüsesorten. Besonders gern isst sie Spargel, Brokkoli, Blumenkohl, Artischocken und Rosenkohl. Manchmal kommen auch Süßkartoffeln auf den Teller. Krautsalat und Mayonnaise stellt sie nach Möglichkeit selbst her, weil sie stark verarbeitete Fertigprodukte vermeiden möchte.

Als Zwischenmahlzeit wählt sie Nüsse, Käse oder Joghurt. Wenn sie nach dem Abendessen Appetit auf etwas Süßes hat, mischt sie Hüttenkäse mit etwas Honig oder Schokoladen-Proteinpulver. Gelegentlich isst sie dunkle Schokolade. Zuckerhaltige Lebensmittel kauft sie bewusst nur selten für zu Hause, da ihre bloße Anwesenheit bei ihr ein ständiges Verlangen auslösen könne.

Fett betrachtet die Ärztin nicht grundsätzlich als problematisch. Sie erinnert daran, dass fettarme Produkte besonders in den 1980er-Jahren populär waren, dabei aber häufig zusätzlich Zucker enthielten. Entscheidend sei deshalb nicht allein der Fettgehalt, sondern die gesamte Zusammensetzung eines Lebensmittels.

Verbrauchern rät Wolver, Verpackungen umzudrehen und die Zutatenliste sowie die Nährwertangaben aufmerksam zu lesen. Begriffe auf der Vorderseite einer Packung vermittelten häufig einen gesünderen Eindruck, als das Produkt tatsächlich rechtfertige. Besonders stark verarbeitete Lebensmittel in Schachteln und Beuteln seien nicht immer die beste Wahl.

Die Ärztin kam erst in der Lebensmitte zur Adipositasmedizin. Obwohl sie fast 40 Jahre in der Inneren Medizin tätig war, nahm sie selbst zu, während sie genau jene Ratschläge befolgte, die sie ihren Patienten lange gegeben hatte. Diese Erfahrung veränderte ihre Sicht auf Ernährung und Gewichtsregulation. Nachdem sie einen für sich passenden Weg gefunden hatte, begann sie, auch ihre Patienten intensiver zu unterstützen.

Wolver betont, dass Adipositas nicht einfach auf mangelnde Disziplin zurückgeführt werden dürfe. Es handle sich nicht um eine Frage der Willenskraft, sondern um eine komplexe Erkrankung mit biologischen Ursachen. Menschen, die trotz eigener Bemühungen weder ihr Gewicht noch Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte ausreichend beeinflussen können, sollten sich deshalb fachärztlich beraten lassen.

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