So investiert der "beste Hedgefondsmanager seiner Generation" jetzt
Umso interessanter ist, wie Tepper sein Portfolio derzeit umbaut: Noch 2024 gehörte Tepper zu den offensivsten China-Bullen an der Wall Street. Nach den angekündigten Konjunkturmaßnahmen Pekings erklärte er öffentlich, er wolle in China praktisch "alles" kaufen. Ende 2024 machten chinesische Aktien und ETFs rund 37 Prozent seines gemeldeten Aktienportfolios aus. Davon ist inzwischen nicht mehr viel übrig. Bereits Anfang 2026 hatte Tepper PDD, JD.com und den KraneShares CSI China Internet ETF deutlich reduziert. Im zweiten Quartal verkaufte er alle drei Positionen vollständig. Auch Alibaba wurde erneut kräftig zusammengestrichen: Appaloosa reduzierte die Beteiligung um rund 42 Prozent. Von einem vollständigen Rückzug aus China kann trotzdem keine Rede sein. Denn Baidu stockte Tepper um 87 Prozent auf 1,295 Millionen Aktien auf. Das deutet auf einen Strategiewechsel hin: Statt breit auf eine Erholung chinesischer Internet- und Konsumwerte zu setzen, schichtet Tepper hin zu chinesischer KI-Infrastruktur um. KI und Halbleiter rücken ins Zentrum Gleichzeitig baut er auf der anderen Seite eine neue klare Technologieachse auf. Neu ins Portfolio kamen rund 1,08 Millionen Aktien des KI-Cloud-Spezialisten CoreWeave sowie 150.000 Aktien von Broadcom. Auch bei bestehenden Schwergewichten griff Appaloosa zu: Meta wurde um rund 55 Prozent aufgestockt, Taiwan Semiconductor um 24 Prozent, Amazon um knapp 16 Prozent und Nvidia um rund vier Prozent. Alphabet wurde ebenfalls weiter ausgebaut. Amazon war Ende Juni mit fünf Millionen Aktien und einem Wert von rund 1,19 Milliarden US-Dollar die größte gemeldete Position. Dahinter folgten Micron und Taiwan Semiconductor. Auch Alphabet, Uber, Meta, Nvidia, ASML und Lam Research gehören zu den bedeutenden Positionen. Damit lässt sich ein großer Teil des Portfolios inzwischen entlang der KI-Wertschöpfungskette lesen: Halbleiterfertigung über TSMC, Speicherchips über Micron, Chipdesign über Nvidia und Broadcom, Produktionsausrüstung über ASML und Lam Research sowie Cloud- und KI-Plattformen über Amazon, Alphabet, Meta und CoreWeave. Eine bedingungslose KI-Wette ist es allerdings nicht. Seine enorme Micron-Position reduzierte Tepper im zweiten Quartal um mehr als 41 Prozent. SanDisk und Corning verkaufte er sogar vollständig. Tepper nimmt also durchaus Gewinne mit und verschiebt Kapital innerhalb des Technologiekomplexes. Auch außerhalb der Technologiebranche wurde kräftig umgebaut. Tepper eröffnete eine neue Boeing-Position mit 800.000 Aktien sowie eine Beteiligung an American Airlines mit 7,5 Millionen Aktien. Neu hinzu kam außerdem Goodyear. Uber wurde nochmals um gut 21 Prozent aufgestockt. Bei den Stromerzeugern Vistra und NRG Energy blieb Appaloosa ebenfalls engagiert. Auf der Verkaufsseite verschwanden dagegen neben den chinesischen Werten auch RTX, L3Harris, Microsoft, UnitedHealth, Lyft, Ball Corporation und Deutsche Bank vollständig aus dem gemeldeten Portfolio. Exklusiv für wallstreetONLINE UserEröffnen Sie bis zum 31.08.2026 ein Depot bei Smartbroker+ und erhalten Sie einen Anteil Ihrer Lieblingsaktie in unserer Auswahl im Wert von 50 Euro. Das Ergebnis ist ein Portfolio, das deutlich stärker auf wenige große Themen konzentriert wirkt: KI und Halbleiter, Energiebedarf, ausgewählte Plattformunternehmen sowie eine Wette auf eine Erholung der Luftfahrtindustrie. Die starke Fokussierung auf wenige Branchen ist typisch für Tepper, auch wenn von Vermögensverwaltern genau davor immer gewarnt wird. Natürlich zeigen 13F-Meldungen nur einen Ausschnitt des tatsächlichen Portfolios und zudem den Stand vom Quartalsende. Sie verraten auch nicht, zu welchem Kurs Tepper gekauft oder verkauft hat. Dennoch ist die Richtung bemerkenswert. Denn Tepper profitiert davon, seine Meinung kurzfristig zu ändern, wenn sich Chancen und Risiken verschieben. Wer 2003 rund 150 Prozent verdient hat, nach Lehman fast 40 Prozent pro Jahr schafft und mehr als 30 Jahre später allein im ersten Halbjahr nochmals rund 32 Prozent zulegt, hat sich dieses Recht wohl verdient. Allerdings ist es schwer, ihm genau zu folgen, da es immer sein kann, dass er alte Positionen innerhalb eines Quartals abgebaut oder neue aufgebaut hat. Und auch ein David Tepper kann einmal völlig danebenliegen, beispielsweise als er 1998 stark auf Russland setzte und Hunderte Millionen US-Dollar verlor, als die Schuldenkrise dort eskalierte. Er ist nicht deshalb so erfolgreich, weil er nie danebenliegt. Er ist so erfolgreich, weil seine großen Gewinne seine Fehler um ein Vielfaches überkompensieren. Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion