"So kann ich nicht weiterfahren": Marquez hätte Rennen fast aufgegeben
(Motorsport-Total.com) - Vorjahressieger Marc Marquez konnte diesmal beim Grand Prix von Österreich in Spielberg nicht aus eigener Kraft um einen Podestplatz kämpfen. Im Sprint belegte er nach dem Sturz von Pedro Acosta (KTM) hinter Jorge Martin (Aprilia) noch den zweiten Platz. Ein ähnliches Ergebnis war für Ducati am Sonntag allerdings nicht in Reichweite.
Acosta machte diesmal keinen Fehler und feierte vor dem Aprilia-Duo Martin und Marco Bezzecchi seinen ersten MotoGP-Sieg. Marquez kämpfte in der Verfolgergruppe und kam mit sieben Sekunden Rückstand als Fünfter ins Ziel.
Das bewertet Marquez aber als gutes Ergebnis, denn von Beginn an hatte er mit Bremsproblemen zu kämpfen. Er dachte an einem Punkt sogar, dass er das Rennen aufgeben müsse.
"Platz vier wäre möglich gewesen, zumindest der Kampf um das Podium. Ich denke, der Speed dafür war vorhanden. Wir taten uns zwar schwerer als an anderen Wochenenden, aber wir mischten vorne mit."
"Das Problem war allerdings", berichtet Marquez, "dass ich im ersten Rennabschnitt massive Schwierigkeiten mit der Vorderradbremse hatte. Aus diesem Grund bin ich in Kurve 1 auch weit gegangen."
"Der Druckpunkt des Hebels war völlig inkonstant, jeder Bremspunkt fühlte sich anders an. Als mir der Fehler in Kurve 1 unterlief, betätigte ich die Bremse und griff komplett ins Leere, da war überhaupt kein Druck."
"Genau deswegen trug es mich extrem weit nach außen, nicht nur ein bisschen, sondern meilenweit. Ich habe das Gefühl, dass wir heute großes Glück hatten", sagt Marquez deshalb. "Ich dachte mir bereits: Alles klar, so kann ich nicht weiterfahren."
"Doch plötzlich, von einer Runde auf die andere, funktionierte die Bremse wieder. Ab da wurde ich wieder schneller und konnte einige Positionen gutmachen, aber natürlich war es da schon zu spät."
Bei Rennhalbzeit lag Marquez nur noch an siebter Stelle. In der zweiten Rennhälfte konnte er Brad Binder (KTM) und Fermin Aldeguer (Gresini-Ducati) überholen. Mehr als Platz fünf war aber nicht mehr möglich.
"Wie gesagt, wir können von Glück reden", ordnet Marquez diesen fünften Platz ein. "Das Maximum wäre heute Rang zwei oder drei gewesen, am Ende haben wir Platz fünf gerettet."
Härtere Reifenkarkasse ein Problem für Ducati
Ducati hatte auf dem Red-Bull-Ring große Mühe, mit der härteren Karkasse des Hinterreifens einen guten Grip aufzubauen. Alle sechs Ducati-Fahrer hatten damit Probleme. Das kostete Performance.
Michelin bringt seit Jahren diese härtere Karkasse aufgrund der Streckencharakteristik des Red-Bull-Rings nach Österreich. Seit Saisonbeginn wurde nicht mehr mit dieser Karkasse gefahren.
"Das ist eine andere Baustelle, aber am Ende sind die Voraussetzungen für alle gleich. Es stimmt, dass wir sauber arbeiten müssen, denn schon in Thailand hatten wir enorme Probleme."
"Hier taten wir uns erneut schwer, aber immerhin waren wir konkurrenzfähig. Wir werden sehen, ob wir uns für Mandalika steigern können, zumal wir dort zwar nicht diesen Reifen fahren, sondern eine andere Spezialkarkasse bekommen."
Österreich beendete die Sommersaison in Europa. Bevor es nach Indonesien (11. Oktober) geht, steht davor noch am 4. Oktober der Grand Prix von Japan in Motegi im Kalender. Dort stellt Michelin wieder die normale Reifenkarkasse zur Verfügung.
"Was Motegi betrifft", blickt Marquez auf das nächste Rennwochenende voraus, "ist Pedro nach diesem Grand Prix wieder der Favorit. Er war dort jedes Jahr unfassbar schnell. Schon in seiner Debütsaison trumpfte er dort groß auf."
"Als Führender im Sprint stürzte er, und im Hauptrennen schmiss er das Motorrad im Kampf um Rang zwei und den Sieg weg. Auch im vergangenen Jahr war er extrem schnell unterwegs. Warten wir es ab."
Marquez rechnet mit Vierkampf um den WM-Titel
Mit den Plätzen zwei im Sprint und fünf im Grand Prix verlor Marquez in Österreich wieder die WM-Führung. Er hat nun zwölf Punkte Rückstand auf Martin. Bezzecchi ist WM-Dritter und liegt 42 Punkte hinter seinem Aprilia-Teamkollegen.
Nach seinem ersten MotoGP-Sieg fehlen Acosta, der Vierter der Tabelle ist, 72 WM-Punkte zur Spitze (zur WM-Wertung). "Die ersten vier Fahrer liegen voll auf Kurs, um den Titel zu kämpfen", glaubt Marquez.
"Man sieht es ja an Pedro: Seit KTM die Motoren geöffnet hat und wieder ordentlich Leistung fand, kämpfen sie wieder um die WM. Bei den ersten vier Fahrern wird es in den verbleibenden Rennen extrem eng zugehen."
Und was ist die schärfste Waffe von Marquez im WM-Kampf? "Mein Motorrad und mein Team", antwortet er auf diese Frage. Und nicht seine Erfahrung? "Nein." Auch nicht sein Talent? "Nein. Mein Motorrad und mein Team", wiederholt der Titelverteidiger.