So umgehst du die Zollfalle bei Temu und Shein
In Zukunft fällt für alle Kleinsendungen mit einem Warenwert von weniger als 150 Euro, die aus einem Nicht-EU-Land eingeführt werden, eine pauschale Zollabgabe von mindestens drei Euro an. Das hat das Einkaufen bei Temu und Co. deutlich teurer gemacht, insbesondere wenn man entweder nur eine kleine Bestellung aufgibt oder wenn man einen größeren Warenkorb mit vielen verschiedenen Warengruppen dort kauft. Die neue Zollabgabe in Höhe von 3 Euro wird nämlich nicht einfach nur einmal pro Paket berechnet, sondern maßgeblich sind die unterschiedlichen Zolltarifkategorien innerhalb einer Bestellung. Wer also etwa eine Hose, ein Kabel und einen Kosmetikartikel bestellt, kann deshalb mit drei unterschiedlichen Positionen und damit insgesamt neun Euro belastet werden. Aber mehrere identische oder zollrechtlich gleich eingeordnete Artikel werden derselben Tarifunterposition zugerechnet. Fünf gleiche Kabel können daher nur eine Abgabe von drei Euro auslösen, während ein Warenkorb mit fünf völlig unterschiedlichen Billigartikeln deutlich teurer werden kann. Wer hier mit anderen zusammen bestellt, kann sparen. Das ist für Kund:innen nicht immer einfach zu erkennen, sollte aber im Rahmen der Bestellung angezeigt werden. Wer Zusatzkosten vermeiden möchte, sollte deshalb nicht allein auf den besonders niedrigen Artikelpreis achten. Entscheidend ist der Endpreis einschließlich Versand, möglicher Importabgaben und eventueller Bearbeitungsgebühren des Paketdienstes. Im Regelfall wird die Zollabgabe bereits über die Plattform oder den Versender abgewickelt, den entsprechenden Gesamtpreis bekommen die Kund:innen beim Kauf angezeigt. Werden Bestellungen über das Import-One-Stop-Shop-Verfahren abgewickelt, was bei den hier beschriebenen Kleinbestellungen über die einschlägigen E-Commerce-Plattformen die Regel ist, verzögert sich auch bei der Übergabe nichts (und der Paketdienst wird keine weiteren Gebühren von dir einfordern). Der EU-Gesetzgeber sieht die Verantwortung für die jeweils korrekte Anmeldung und Zahlung in erster Linie beim Anmelder, also bei der Plattform, beim Verkäufer oder einem Zollvertreter. Die Verbraucher:innen sollen nur ausnahmsweise selbst als Anmelder auftreten, was in diesem Fall auch rein technisch schwieriger würde als nötig. Ein weiterer einfacher Trick sieht vor, bei der Bestellung darauf zu achten, dass die Artikel aus einem Lager innerhalb Deutschlands oder der Europäischen Union verschickt werden. Das verringert in der Regel nicht nur die Lieferzeit, sondern bedeutet auch, dass die Ware bereits gesammelt in die EU eingeführt und vom Händler verzollt wurde – üblicherweise zu deutlich günstigeren Konditionen als beim Einzelversand. Bei Temu findet sich der Hinweis auf den Versandort meist direkt auf der Produktseite, in den Lieferinformationen unterhalb des Preises oder spätestens im Warenkorb vor dem Abschluss der Bestellung. Formulierungen wie „Versand aus Deutschland“, „lokales Lager“ oder „Versand aus der EU“ weisen darauf hin, dass keine erneute Einfuhr als Kleinsendung aus einem Drittstaat erfolgt. Entscheidend ist aber die konkrete Angabe zum Versandort. Noch einfacher ist das bei Shein: Hier werden Artikel, die bereits innerhalb der EU lagern, nach Angaben des Unternehmens auf der Produktseite und noch einmal vor Abschluss der Bestellung mit „EU-Lager“ gekennzeichnet. Ein vollständiges Umgehen der Zollkosten ist das übrigens streng genommen nicht, denn der Händler hat die Ware ja schon bei Einfuhr in die EU verzollt und kann diese Kosten in den Verkaufspreis eingerechnet haben. Deswegen kann es sein, dass Waren vom EU-Standort etwas teurer erscheinen. Auch das Bündeln vieler verschiedener Artikel in einer einzigen Bestellung verhindert hingegen die Abgabe ebenso wenig. Denn gerade die für Temu typischen gemischten Warenkörbe können zusätzliche Kosten verursachen, weil jede enthaltene Tarifkategorie gesondert mit 3 Euro berücksichtigt wird. Auch hier sollten, wo immer möglich, EU-Standorte bevorzugt werden. Eher seltener werden die Plattformen eine Bestellung in Zukunft auf mehrere Pakete verteilen können. Das war in der Vergangenheit eine beliebte Praxis, um im schlimmsten Fall den Warenwert unterhalb bestimmter Grenzen zu halten und so die Zollformalitäten und –abgaben ganz zu unterlaufen. Ein bunt gemischter Warenkorb mit vielen verschiedenen Billigprodukten dürfte hingegen aus den genannten Gründen künftig besonders schnell teuer werden.