So viele Gefährder gibt es in Deutschland
Startseite Politik Aktuelle Zahlen: Abdul B. war nur einer von vielen – so viele Gefährder gibt es in Deutschland Von: Andreas Schmid Uns auf Google folgen Der mutmaßliche Attentäter von Berlin galt als Gefährder und war den Behörden als Angehöriger der islamistischen Szene bekannt. Das gilt auch für hunderte andere Menschen. In diesen Tagen sollte sich entscheiden, ob Abdul B. in ein Deradikalisierungsprogramm aufgenommen werden soll. Zwei Gespräche hatte der in Berlin geborene 21-Jährige zuvor bereits mit dem „Violence Prevention Network“ (VPN) absolviert. Dabei hätten die Sozialarbeiter „einen sehr gefassten, einen sehr vorsichtigen, einen sehr kontrollierten, einen sehr freundlichen Eindruck“ von Abdul B. gehabt, wie VPN-Extremismus-Berater Thomas Mücke erklärte. Es habe „nicht das geringste Anzeichen einer konkreten Bedrohungssituation“ gegeben. Mittlerweile ist klar, dass Abdul B. kein Interesse an Deradikalisierung hatte. Am Samstagabend steuerte er einen Transporter in die Feierlichkeiten des Berliner Christopher Street Day, tötete eine Frau und verletzte 29 Menschen teils schwer. Abdul B. galt als Gefährder. Wie hunderte andere Menschen im Land. Wie das Bundeskriminalamt auf Anfrage des Münchner Merkur von Ippen.Media mitteilt, sind in Deutschland derzeit 518 Gefährder bekannt (Stand: 1. Juli 2026). Das sind weniger als im Vorjahr. Im Juli 2025 waren es 562 Personen. Die Zahl der Gefährder unterliege Schwankungen, erklärt das BKA. „Es wird darauf hingewiesen, dass die Anzahl der Gefährder als alleiniges Kriterium keinen Aufschluss über die Gefährdungslage im (jeweiligen) Phänomenbereich gibt.“ Ein „Gefährder“ ist laut BKA-Angaben „eine Person, zu der bestimmte Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass sie politisch motivierte Straftaten von erheblicher Bedeutung begehen wird.“ 410 Gefährder folgen „religiöser Ideologie“: 100 Personen in Haft 410 Gefährder und damit die klare Mehrheit sind laut BKA dem Phänomenbereich der politisch motivierten Kriminalität (PMK) „religiöse Ideologie“ zugeordnet. 155 davon würden sich im Ausland befinden, 255 in Deutschland. 100 davon seien in Haft. 65 Gefährder werden als rechts-, 17 als linksextremistisch eingestuft. 19 Personen haben eine „sonstige Zuordnung“, sieben folgen einer „ausländischen Ideologie“. Die Einstufung einer Person als Gefährder geschieht durch die jeweils zuständigen Bundesländer nach dem sogenannten Wohnortprinzip. Da Abdul B. in Berlin lebte, ist das Bundesland Berlin zuständig. Im Bundesland findet laut BKA dann eine sogenannte „Einstufungsprüfung“ statt, sollte sich „aus der polizeilichen Erkenntnislage eine Gefährdungsrelevanz hinsichtlich der zukünftigen Begehung von schweren politisch motivierten Straftaten“ ergeben. Abdul B. galt als Gefährder – Merz: „Wie kann das eigentlich sein?“ Abdul B. ist in Berlin geboren, hat einen deutschen Pass und libanesische Wurzeln. Der 21-Jährige war den Behörden als Angehöriger der islamistischen Szene bekannt. Wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat wurde B. im Mai zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt – allerdings auf Bewährung. Wie kann das sein? Diese Frage stellen sich zunehmend auch Politiker. „Wir wissen ja, dass er eine Vielzahl von Straftaten begangen hat, dass er mit dem Terror sympathisiert hat, dass es auch eine Verurteilung gab, die auf Bewährung ausgesetzt wurde, und die Staatsanwaltschaft dagegen Beschwerde erhoben hat“, sagte etwa Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) in der ARD. „Und in der Tat wird zurzeit sehr die Frage danach gestellt: Wie kann eigentlich bei jemandem, den man als Gefährder identifiziert, eine Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden?“