So viele Jahre bleiben Deutschen wirklich im Ruhestand
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Wahrheit zur Rente: So viele Jahre bleiben Deutschen wirklich vom Ruhestand
Von: Bjarne Kommnick
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Wie lange dauert der Ruhestand wirklich? Aktuelle Daten der Rentenversicherung liefern eine überraschende Antwort – und zeigen, wie sich die Lage entwickelt.
Frankfurt – Wer heute in Rente geht, verbringt im Schnitt gut zwei Jahrzehnte im Ruhestand – deutlich länger als noch vor 20 oder 30 Jahren. Doch zwischen Männern und Frauen klafft dabei eine Lücke von mehreren Jahren, und die Politik denkt bereits über ein weiter steigendes Renteneintrittsalter nach. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) und des Statistischen Bundesamts zeigt, wie lange der Ruhestand tatsächlich dauert – und warum das nicht für jeden gleich ist.
Nach den jüngsten Angaben der Deutschen Rentenversicherung lag die durchschnittliche Bezugsdauer von Versichertenrenten – also Alters- und Erwerbsminderungsrenten zusammen – im Berichtsjahr 2024 bei 20,5 Jahren. Frauen bezogen ihre Rente dabei mit durchschnittlich 22,1 Jahren rund drei Jahre länger als Männer mit 18,9 Jahren.
Rentenbezug 2025 bei 20,7 Jahren: So stark ist die Rentendauer seit 1960 gestiegen
Für das Folgejahr weist die Statistik bereits eine weitere Zunahme aus: 2025 lag die durchschnittliche Rentenbezugsdauer bei 20,7 Jahren, bei Männern bei 19,1 und bei Frauen bei 22,2 Jahren. Der Vergleich mit früheren Jahren macht die Entwicklung deutlich:
1995: 15,8 Jahre
2004: 16,9 Jahre (Frauen: 19,5 / Männer: 14,3)
2010: 18,5 Jahre
2024: 20,5 Jahre (Frauen: 22,1 / Männer: 18,9)
Damit haben Rentnerinnen und Rentner im Jahr 2024 im Schnitt knapp 3,5 Jahre länger Rente bezogen als noch 20 Jahre zuvor. Blickt man weiter zurück, wird der Trend noch deutlicher: 1960 lag die durchschnittliche Rentenbezugsdauer in den damaligen alten Bundesländern noch bei 9,9 Jahren – die Zeit im Ruhestand hat sich seither also mehr als verdoppelt. Bis 2039 soll es zudem bis zu 47 Prozent mehr Geld geben – aber die Zahlen trügen.
Diese zwei Faktoren treiben die Rentendauer
Zwei Faktoren treiben diese Entwicklung: die gestiegene Lebenserwartung und ein weitgehend konstantes tatsächliches Renteneintrittsalter. Das durchschnittliche Rentenzugangsalter bei Altersrenten lag 2024 bei 64,7 Jahren – 2004 hatte es für Frauen noch bei 63,0 und für Männer bei 63,1 Jahren gelegen. Die Regelaltersgrenze ist zwar schrittweise auf 67 Jahre angehoben worden, doch viele Versicherte gehen weiterhin früher in Rente, etwa über Sonderregelungen für langjährig Versicherte oder Schwerbehinderte.
Gleichzeitig ist die sogenannte fernere Lebenserwartung deutlich gestiegen. Nach der aktuellen DRV-Sterbetafel 2022/2024 haben 65-Jährige im Durchschnitt noch 17,71 (Männer) beziehungsweise 20,91 (Frauen) weitere Lebensjahre vor sich. Zum Vergleich: In der Sterbetafel 1995/1997 lagen diese Werte noch bei 14,91 Jahren für Männer und 18,66 Jahren für Frauen – ein Plus von fast drei Jahren innerhalb von rund 30 Jahren.
Rentenalter soll künftig an Lebenserwartung gekoppelt werden
Wer heute in Rente geht, hat allerdings auch länger in die Rentenkasse eingezahlt. „Kamen Versicherte bei Beginn ihrer Altersrente im Jahr 2003 noch auf durchschnittlich 33,0 Versicherungsjahre, waren es 2023 bereits 39,3 Jahre“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung Bund, Jens Dirk Wohlfeil, der Nachrichtenagentur dpa. „Eine steigende Erwerbsbeteiligung und längere Versicherungszeiten führen auch zu höheren Beitragseinnahmen der Rentenversicherung und tragen damit zu deren finanzieller Stabilität bei“, so Wohlfeil weiter.
Die längere Lebenszeit im Ruhestand ist zugleich einer der Gründe, warum über eine weitere Anhebung der Regelaltersgrenze diskutiert wird. Die von der Bundesregierung eingesetzte Alterssicherungskommission hat empfohlen, das Renteneintrittsalter künftig automatisch an die Lebenserwartung zu koppeln – und zwar im Verhältnis 2:1: Steigt die Lebenserwartung um ein Jahr, sollen davon acht Monate auf ein längeres Erwerbsleben und vier Monate auf einen längeren Rentenbezug entfallen. Ziel sei es, das Verhältnis von Arbeitsjahren zu Rentenjahren stabil zu halten. Mit der neuen Rentenreform könnte es alle Jahrgänge ab 1965 treffen.
Legt man die aktuellen mittleren Annahmen des Statistischen Bundesamts zur Lebenserwartung zugrunde, würde die Regelaltersgrenze nach diesem Modell zwischen 2031 und 2041 schrittweise von 67 auf 67,5 Jahre steigen. Die Deutsche Rentenversicherung selbst weist zugleich darauf hin, dass eine erst kurzfristig festgelegte Altersgrenze für jüngere Jahrgänge zu Unsicherheit führen könnte – insbesondere für Versicherte, die etwa wegen einer Schwerbehinderung schon mit 62 Jahren und Abschlägen von bis zu 10,8 Prozent in Rente gehen können.
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Warum die Rentenbezugsdauer keine Prognose für die Zukunft ist
Die Rentenbezugsdauer ist laut DRV ist eine rückblickende Kennzahl. Sie beschreibt, wie lange bereits beendete Rentenfälle tatsächlich gedauert haben – vom Rentenbeginn bis zum Wegfall der Rente, etwa durch Tod. Sie sagt damit nicht voraus, wie lange jemand, der heute in den Ruhestand geht, künftig Rente beziehen wird. Auch sind Rentenbezug und tatsächlicher, arbeitsfreier Ruhestand nicht deckungsgleich, ebenso wenig wie Rentenzugangsalter und Lebenserwartung unmittelbar vergleichbar sind, da sie auf unterschiedlichen Berechnungsmethoden und Personengruppen beruhen.
Fest steht dennoch: Wer heute in Rente geht, kann im Schnitt mit deutlich mehr Jahren im Ruhestand rechnen als frühere Generationen – Frauen nach wie vor spürbar mehr als Männer. Ob und wie stark sich dieser Trend fortsetzt, hängt maßgeblich davon ab, wie die Politik das Verhältnis von Arbeits- und Rentenjahren in den kommenden Jahren neu justiert. Quellen: destatis.de, deutsche-rentenversicherung.de, dpa (bk)