So wichtig ist GTA VI für die Take-Two-Aktie
Die Spannung steigt: Knapp drei Monate vor der Veröffentlichung des neuen Teils der Grand-Theft-Auto-Reihe (GTA) gewährte der Entwickler Rockstar Games am 27. August einen ausführlichen Einblick beim Streaminganbieter Netflix.
Das weltweite Interesse war enorm: Die hohen Zugriffszahlen führten zunächst zu technischen Serverproblemen bei Netflix. Auch die Amazon-Tochter Twitch meldete Überlastungen, da zeitgleich Millionen Spieler die Übertragung über Live-Streams verfolgten.
Die GTA-Reihe zählt zu den erfolgreichsten Spielen der Videospiel-Geschichte. Millionen von Fans warten auf die Veröffentlichung des Spiels, bei dem der Spieler eine Gangster-Karriere machen und in einer riesigen Welt verschiedene Herausforderungen meistern muss.
Stellt sich die Frage: Lässt sich aus dem immer näher rückenden Release-Datum für Anleger des Rockstar-Games-Mutterkonzerns Take-Two Interactive noch Profit schlagen? Ein Blick auf große Spiele-Veröffentlichungen in der Vergangenheit und die folgenden Kursreaktionen liefert Anhaltspunkte.
Der Blick in die Vergangenheit
Als Rockstar Games im September 2013 GTA V veröffentlichte, stellte der Titel in den ersten Tagen sieben Weltrekorde auf. Nach 24 Stunden verkaufte das Studio bereits über elf Millionen Einheiten des Spiels. Bis heute gilt es als das profitabelste Entertainment-Produkt aller Zeiten.
Die Vorfreude um das Spiel spiegelte sich auch im Aktienkurs wider: In den drei Monaten vor Veröffentlichung stieg der Aktienkurs um rund 13 Prozent (siehe Chart unten). Der amerikanische Leitindex S&P 500 stieg im selben Zeitraum nur um rund vier Prozent.
Ein Rekord von damals wurde mittlerweile übrigens wieder gebrochen – und zwar von GTA VI: Der erste Trailer wurde zum meistgesehenen Videospiel-Trailer auf Youtube innerhalb von 24 Stunden.
Auch bei der letzten großen Veröffentlichung des Studios zeigte sich dieses Muster. Als 2018 „Red Dead Redemption II“ erschien, entwickelte sich der Kurs in den drei Monaten zuvor deutlich stärker als der breite Markt: Einem Plus von sechs Prozent bei Take-Two stand ein Minus von fünf Prozent beim S&P 500 gegenüber.
Beide Titel ließen die Umsätze im jeweiligen Quartal der Veröffentlichung drastisch ansteigen (siehe Grafik). Über spätere In-Game-Käufe – also kleine Vorteile, die sich Spieler innerhalb des Spiels kaufen können – entwickelten sich beide Spiele zum nachhaltigen Cash-Lieferanten für Take-Two.
Das zahlt sich aus – auch langfristig. Wer die Aktie seit dem Start von GTA V im Jahr 2013 im Depot gehalten hat, erzielte bis heute übrigens eine jährliche Rendite von rund 23 Prozent – und schlug den S&P 500 (circa zwölf Prozent) um das Doppelte.
Es gibt auch Negativbeispiele
Problematisch wird es jedoch, wenn Spiele die Erwartungen der Gamer nicht erfüllen. Das zeigt das Beispiel des polnischen Studios CD Projekt Red. Es veröffentlichte Ende 2020 das Spiel "Cyberpunk 2077" – acht Jahre nach der ersten Ankündigung. Das Interesse der Spiele-Community war ähnlich groß wie bei der GTA-Reihe.
Der Titel bietet wie GTA völlige Bewegungsfreiheit in einer Großstadt voller Verbrechen, spielt aber in einer düsteren Zukunftsdystopie. Die Zahl der Vorbestellungen belief sich auf acht Millionen Einheiten.
Zum Vergleich: Take-Two verkaufte im Vorfeld rund sieben Millionen Einheiten von GTA V. Allerdings wurde das Spiel auf Investorendruck unfertig auf den Markt gebracht. Die Gaming-Szene war enttäuscht. Der Aktienkurs sank in den folgenden drei Monaten 46 Prozent an Wert.
In der folgenden Grafik habe ich mir die Veröffentlichungen von AAA-Spielen (den Blockbustern der Gaming-Branche) angeschaut und untersucht, wie sich die Aktienkurse der Entwicklerstudios im Vergleich zum Gesamtmarkt entwickelt haben.
Die Auswertung zeigt, dass Aktienkurse von der Veröffentlichung sehr großer Spiele in der Regel profitieren. Gerade die Titel von Take-Two Interactive konnten im Vorfeld ausnahmslos stark zulegen. Entsprechend stehen die Chancen auf Kursgewinne – gemessen an diesem historischen Vergleich – gut.
Der GTA-Aufschlag an der Börse
Allerdings: Der aktuelle Aktienkurs von Take-Two scheint bereits einen Teil der erwarteten Umsätze vorweg zu nehmen. Die Aktie handelt derzeit mit einem Kurs/Umsatz-Verhältnis (KUV) von rund sieben. Für einen Euro Konzernumsatz müssen Anleger an der Börse also aktuell sieben Euro zahlen. Im Zehn-Jahres-Schnitt lag das KUV niedriger bei etwa sechs, in Tiefphasen fiel die Bewertung sogar bis auf vier. Wer die Aktie jetzt kauft, zahlt also einen Aufschlag auf diese Bewertungen.
Allerdings notierte die Aktie auf einem ähnlich hohen Niveau schon einmal kurz vor dem Release von Red Dead Redemption II. Damals fielen die Quartalszahlen nach der Veröffentlichung wie erhofft stark aus, wodurch sich das KUV durch das kräftige Umsatzwachstum wieder normalisierte.
Für die Vorbestellungen von GTA VI hält sich Take Two im jüngsten Quartalsbericht zurück. CEO Strauss Zelnick betonte jedoch, dass die Vorbestellungen die internen Prognosen bislang weit übertroffen hätten.
Die Marge schrumpft
Problematischer für Aktionäre ist etwas anderes: Take-Two wirtschaftet weniger profitabel als noch vor einigen Jahren. Ablesen lässt sich das am freien Kapitalfluss ("free Cashflow"). Der freie Cashflow der vergangenen zwölf Monate belief sich auf rund 300 Millionen US-Dollar.
Bei einem Jahresumsatz von rund 6,6 Milliarden US-Dollar entspricht das einer überschaubaren FCF-Marge von nur 4,5 Prozent. Im letzten abgeschlossenen Geschäftsjahr (zum 31. März 2026) waren es 6,5 Prozent. Zum Vergleich: Vor 2020 erzielte Take-Two noch regelmäßig Margen von über 20 Prozent (siehe Grafik unten).
Dieser Margeneinbruch hat Gründe: Branchen-Insider gehen davon aus, dass die Entwicklung von GTA VI die teuerste der Videospiel-Geschichte sein dürfte. Zudem belastet die Übernahme eines weiteren Entwicklerstudios das operative Ergebnis. Dass Take-Two trotz dieser enormen Vorab-Investitionen profitabel wirtschaftet, beweist die Stärke des Basisgeschäfts. Gleichzeitig verdeutlicht die aktuelle Marge, wie maßgeblich das Unternehmen vom Erfolg von GTA VI abhängt.
Bewertung im Peergroup-Vergleich
Um die aktuelle Bewertung von Take-Two besser einzuordnen, hilft ein direkter Vergleich mit der Konkurrenz: Wie schlägt sich das Unternehmen im Vergleich zum japanischen Branchenriesen Capcom?
Auch die Aktie des Traditionsstudios hinter Erfolgsreihen wie Resident Evil oder Monster Hunter wird aktuell mit einem ambitionierten KUV von knapp acht gehandelt. Im Gegensatz zu Take-Two liefert Capcom jedoch seit Jahren verlässliche operative Ergebnisse: Dank planbarer Release-Zyklen und starker Verkäufe erzielte das Unternehmen über die vergangene Dekade eine durchschnittliche FCF-Marge von über 17 Prozent – in starken Launch-Jahren kletterte sie sogar regelmäßig auf über 30 Prozent.
Und genau hier liegt der entscheidende Unterschied: Während man bei Capcom in ein hochprofitables Unternehmen mit stetigen Erträgen investiert, hängt bei Take-Two viel vom Erfolg eines einzelnen Spiels ab.
Fazit
Wer auf die Take-Two Aktie setzt, setzt auf ein Entwicklerstudio, das die extrem hohe Erwartungshaltung historisch zwar noch jedes Mal erfüllen konnte. Kurzfristig bietet die Aktie definitiv das Momentum für eine Rally.
Bei einem längerfristigen Investment sollte jedoch klar sein: Die Aktie ist hoch bewertet und preist den Erfolg von GTA VI bereits zu großen Teilen ein. Der aktuelle Kurs lässt kaum Spielraum für Verzögerungen oder verfehlte Umsatzprognosen – und die langfristig sinkende Profitabilität könnte früher oder später auch die Bewertung drücken.