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Soester Schüler gehen viral

Nation

"Für ne Türkin bist du echt schlau", sagt das Mädchen, und guckt ernst in die Kamera. Ein Junge brüllt laut: "Dann geh doch zurück in dein Land!". Viele Schülerinnen und Schüler des Soester Archigymnasiums haben solche Sätze bereits gehört.

In einem Video auf Instagram und Facebook machen sie auf Alltagsrassismus aufmerksam. Ihr Motto: "Wir haben keinen Bock mehr, wegzuhören." Und damit treffen sie offenbar einen Nerv: Schon nach wenigen Tagen wird das Video mehr als 400.000 Mal aufgerufen. Dazu kommen Tausende Likes und Kommentare.

Rassistische Sprüche gehören auch in Soest zum Schulalltag

Lehrer Matthias Semer ist von der Resonanz überwältigt: "Ich finde es einfach klasse, dass das Thema jetzt so intensiv diskutiert wird." Denn rassistische Beleidigungen und Vorurteile begegnen ihm auf dem Schulhof immer wieder.

Doch was passiert, wenn Schüler rassistische Vorfälle melden? Schulleiterin Marga Rita Bonelli betont, dass solche Äußerungen am Archigymnasium nicht toleriert und pädagogisch aufgearbeitet würden. Betroffene könnten sich zum Beispiel an die Klassenlehrer, die Schulsozialarbeiterin oder ein sechsköpfiges Beratungsteam wenden.

Auch als Schulleiterin sei sie Ansprechpartnerin, insbesondere für Eltern, so Bonelli. Das Archigymnasium wolle außerdem stärker für das Thema sensibilisieren. Geplant sind unter anderem Projekttage und Workshops mit der Antidiskriminierungsstelle in Soest.

Wer steckt hinter den viralen Videos aus Soest?

Lehrer Matthias Semer und die Schüler und Videoproduzenten Jonas Lohöfer und Jaron Mergenthaler (v.l.n.r.) haben die Videos entwickelt.

Bildquelle: Agentur medien.design.soest

Produziert werden die Videos von Jonas Lohöfer. Er ist selbst Schüler am Archigymnasium, gerade einmal 16 Jahre alt – und hat vor einem halben Jahr seine eigene Medienagentur gegründet. Gemeinsam mit zwei Freunden schreibt er die Drehbücher, dreht und schneidet die Videos. "Alles total professionell", lobt Lehrer Semer.

Jonas findet es wichtig, dass die Videos von Jugendlichen für Jugendliche gemacht werden. "Wir wollten keine Erklärvideos von Erwachsenen. Sondern Videos mit Gleichaltrigen, die aufklären." Insgesamt sind acht Videos zum Thema Rassismus geplant. Die ersten drei sind bereits im Kasten.

Viel Zuspruch im Netz - aber auch Kommentare, die nachdenklich machen

Die große Resonanz auf das erste Video freut Jonas. Es gibt auch prominente Unterstützung, zum Beispiel von Schauspielerin Karoline Herfurth. Sie schreibt: "Was für eine tolle Aktion. Finde ich richtig super, dass ihr das macht!!"

Doch nicht alle Reaktionen sind positiv. "Einige Kommentare zeigen, dass auch viele Erwachsene noch Nachholbedarf haben", sagt der 16-Jährige. Er hofft, dass die Videos bei Kindern und Erwachsenen etwas bewegen.

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