„Sogar Iran ist ein größerer Akteur“
Startseite Politik Militärexperte rechnet mit Russland ab: „Sogar Iran ist ein größerer Akteur geworden“ Von: Lukas Richter Uns auf Google folgen Russland wird zunehmend zu einem lokalen Problem: Ein litauischer Experte beobachtet, wie Moskaus Einfluss spürbar abnimmt. Moskau – Russland inszeniert sich gerne als Großmacht. Doch nach Einschätzung eines Militärexperten ist von diesem Anspruch nur noch wenig übrig. Moskau sei nach den Verlusten und Belastungen des Kriegs gegen die Ukraine nur noch ein lokales Sicherheitsproblem. Content-Partnerschaft Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de. Vor dem russischen Großangriff auf die Ukraine sei Russland als regionales Problem betrachtet worden, findet Darius Antanaitis, früher Major der litauischen Streitkräfte. Inzwischen sei das Land „auf ein noch niedrigeres Niveau gefallen – zu einem lokalen Problem“. Selbst der Iran sei inzwischen ein größerer Akteur als Russland, während China die globale sicherheitspolitische Herausforderung bleibe, sagte Antanaitis dem Magazin The Baltic Times. Der Experte sieht derzeit keine grundlegend neuen sicherheitspolitischen Brüche. Auch die erneute Präsidentschaft Donald Trumps habe die Lage weniger verändert, als oft behauptet werde. „Wir reagieren viel zu oft auf Rhetorik und achten zu wenig auf die Zahlen“, sagte Antanaitis zu The Baltic Times. Russland unter Druck durch ukrainische Angriffe Die USA hätten eigene globale Aufgaben und ordneten ihre militärischen Fähigkeiten entsprechend neu. Das bedeute aber nicht, dass Washington die NATO verlasse. Für Antanaitis bleibt entscheidend, welche Kräfte, Fähigkeiten und Bündnisse tatsächlich verfügbar sind. Eine mögliche Schwachstelle Russlands sieht der Experte in den zunehmenden ukrainischen Angriffen auf russische Infrastruktur mit weitreichenden Waffensystemen. Diese Schläge könnten mit der Zeit politische, wirtschaftliche und infrastrukturelle Folgen in Russland auslösen. Zugleich räumte Antanaitis ein, Russland greife ukrainische Ziele offenbar wirksamer an als die Ukraine russische. Der Unterschied liege aber in der Unterstützung für Kiew: Die Ukraine bekomme diplomatische, wirtschaftliche und militärische Hilfe von einem großen Teil der NATO- und EU-Staaten. Globsec sieht eine strategische Schrumpfung Auch Analysten des europäischen Thinktanks Globsec sehen Russlands Einfluss auf dem Rückzug. Dabei handle es sich nicht um einen plötzlichen Zusammenbruch der russischen Macht, sondern um eine schrittweise strategische Schrumpfung. Ursache sei die fast vollständige Konzentration des Kremls auf den Krieg gegen die Ukraine. Seit 2022 verliere Moskau demnach im postsowjetischen Raum und in seinem Partnernetzwerk an Einfluss, Verlässlichkeit und Verhandlungsmacht. Für Europa entstehe daraus eine widersprüchliche Lage, schreiben die Globsec-Analysten in ihrer Bewertung. Russlands Rückzug bedeute jedoch weder Zurückhaltung noch Deeskalation. Weil Moskau Entwicklungen in weiter entfernten Regionen seltener bestimmen könne, setze der Kreml näher an Europas Grenzen verstärkt auf hybride Mittel. Dazu gehörten Sabotage, Desinformation und politischer Druck. Auf diese Weise versuche Russland, seine wirtschaftlichen und militärischen Probleme auszugleichen und die europäische Unterstützung für die Ukraine zu schwächen.