DAX +0,44 % 25.818,21 Pkt 18:00:00 MDAX +0,15 % 30.472,32 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -1,22 % 6.131,31 Pkt 18:00:00 Dow Jones -1,34 % 51.770,31 Pkt 21:20:01 S&P 500 -2,12 % 7.580,07 Pkt 21:20:01 Nasdaq -4,19 % 25.437,00 Pkt 21:20:30 Nikkei -2,12 % 63.290,11 Pkt 07:45:03 Gold -3,35 % 3.896,20 USD 21:10:24 Silber -5,41 % 49,37 USD 21:10:20 Brent -2,18 % 112,38 USD 21:10:26 WTI +0,98 % 103,00 USD 21:10:26 Bitcoin -1,20 % 76.845,63 USD 21:20:23 EUR/USD +0,11 % 1,11680 USD 21:19:42 EUR/GBP -0,41 % 0,83350 GBP 21:20:28 EUR/CHF -0,36 % 0,92030 CHF 21:20:27 EUR/JPY -0,09 % 175,910 JPY 21:20:28

Solarpark-Betreiber unter Druck

Wirtschaft

Startseite

Wirtschaft

Erst Milliarden-Finanzierung, jetzt Insolvenz: Solar-Riese muss um Überleben fürchten

Von: Marcel Reich

Uns auf Google folgen

Ein großer Solarpark-Betreiber rutscht in die Insolvenz – nur Monate nach einer Milliarden-Finanzierung. Der Fall wirft Fragen in der Branche auf.

Hamburg – Noch im Frühjahr hat sich der Hamburger Solarkonzern Enerparc eine Finanzierung von bis zu einer Milliarde Euro gesichert – jetzt ist das Unternehmen zahlungsunfähig. Die Enerparc AG hat beim Amtsgericht Hamburg einen Insolvenzantrag gestellt. Der Betrieb soll vorerst weiterlaufen. Für die deutsche Solarbranche ist der Fall ein Warnsignal.

Das Amtsgericht Hamburg bestellte Rechtsanwalt Stefan Denkhaus von der Kanzlei BRL zum vorläufigen Insolvenzverwalter. „Ich führe bereits erste Gespräche mit dem Vorstand, den Beratern des Unternehmens und den Finanzierern, um das Unternehmen zu stabilisieren“, sagte Denkhaus. Zunächst steht die Stabilisierung des Geschäftsbetriebs im Mittelpunkt. Auch Insolvenzanträge von Schwestergesellschaften seien möglich. Für eine eindeutige Beurteilung sei es aber noch zu früh.

Enerparc AG meldet Insolvenz an

Enerparc gehört zu den bedeutendsten unabhängigen Photovoltaik-Unternehmen in Europa. Das Unternehmen hat seinen Sitz in der Hamburger HafenCity und sieht sich mit rund 5,5 Gigawatt installierter Leistung sowie mehr als 500 Solarparks als einen der größten unabhängigen Solarpark-Eigentümer Europas. Kerngeschäft der Gruppe ist die Entwicklung, Errichtung und der Betrieb von Solaranlagen sowie die Stromvermarktung. Außerdem ist Enerparc im Aufbau von Batteriespeichern und Umspannwerken aktiv.

Nach bisherigen Angaben betrifft der Insolvenzantrag zunächst die Enerparc AG, nicht automatisch die Tochter- und Projektgesellschaften. Das ist wichtig, weil viele Solarprojekte in eigenen Gesellschaften organisiert sind. Insgesamt beschäftigt die Enerparc-Gruppe nach Unternehmensangaben knapp 700 Mitarbeiter. Direkt informiert wurden nach dpa-Angaben zunächst rund 380 Beschäftigte der Enerparc AG. Mit Eröffnung des vorläufigen Verfahrens sind die Löhne der Mitarbeiter für drei Monate gesichert.

Betrieb soll vorerst weiterlaufen

Für Kunden, Projektpartner und Finanzierer ist nun entscheidend, ob der Geschäftsbetrieb stabilisiert werden kann. Denkhaus will sich nach eigenen Angaben zunächst einen Überblick über die Lage verschaffen und Gespräche mit Vorstand, Beratern und Geldgebern führen. Welche Ursachen genau zur Zahlungsunfähigkeit geführt haben, ist bislang nicht öffentlich bekannt.

Gerade deshalb sorgt der Fall in der Branche für erhebliche Aufmerksamkeit. Enerparc galt lange als einer der profiliertesten deutschen Solarentwickler. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Freiflächenanlagen entwickelt, gebaut und betrieben. Auch in der Stromvermarktung sowie bei Batteriespeichern spielte die Gruppe eine wichtige Rolle.

Milliarden-Finanzierung kurz vor der Pleite

Besonders auffällig ist der zeitliche Ablauf. Erst am 12. März hatte Enerparc eine Finanzierung von bis zu einer Milliarde Euro bekanntgegeben. Das Paket bestand aus einer Junior-Finanzierung über 500 Millionen Euro sowie einem langfristigen Projektfinanzierungsrahmen von zunächst 425 Millionen Euro. Über eine sogenannte Akkordeonfazilität konnte dieser Rahmen auf bis zu 500 Millionen Euro erweitert werden.

Mit dem Kapital wollte Enerparc den Ausbau von Solarparks und Batteriespeichern in Deutschland, Frankreich und Spanien vorantreiben. Das Unternehmen sprach damals von einem wichtigen Meilenstein für seine Wachstumsstrategie. Nach einem erfolgreichen Vorjahr mit 1,2 Gigawatt neu installierter Solarleistung sollte das Ausbauvolumen 2026 weiter steigen.

Finanzierung war kein frei verfügbares Geld

Der Fall zeigt jedoch auch, wie erklärungsbedürftig solche Finanzierungsmeldungen sind. Bei der Milliarde handelte es sich nicht um frei verfügbares Guthaben auf dem Firmenkonto, sondern um ein Finanzierungspaket für konkrete Projekte und Wachstumsziele. Ein Projektfinanzierungsrahmen ist in der Regel an Vorhaben, Bedingungen und Abrufvoraussetzungen gebunden.

Ob und in welchem Umfang Enerparc die Mittel tatsächlich abrufen konnte, ist bislang unklar. Öffentlich bekannt ist nur: Wenige Monate nach der Milliardenmeldung musste die Enerparc AG Insolvenz anmelden. Ohne nähere Angaben des Unternehmens oder des Insolvenzverwalters lässt sich daraus noch nicht ableiten, welche Rolle die Finanzierung, einzelne Projekte oder Liquiditätsprobleme im konkreten Fall gespielt haben.

Solarbranche steht unter wachsendem Druck

Fachleute werten die Insolvenz auch als Hinweis auf den zunehmenden Druck in der Solarbranche. Projektentwickler und Betreiber müssen mit sinkenden Zuschlagswerten bei Ausschreibungen, steigenden Projektkosten, höheren Finanzierungskosten, Netzengpässen und intensivem Wettbewerb um Investoren umgehen. Gleichzeitig hängt der Erfolg vieler Projekte davon ab, ob Flächen, Netzanschlüsse, Speicher und Abnahmeverträge rechtzeitig zusammenkommen.

Hinzu kommt politische Unsicherheit bei der Energiewende. Änderungen bei Förderbedingungen, Einspeiseregeln oder Ausschreibungsdesigns können Geschäftsmodelle unter Druck setzen. Nicht zuletzt deshalb setzen viele Unternehmen stärker auf direkte Stromabnahmeverträge mit Großkunden, sogenannte Power Purchase Agreements. Solche Verträge können planbare Erlöse sichern, sind aber ebenfalls abhängig von Bonität, Laufzeiten, Marktpreisen und Projektumsetzung.

Insolvenzwelle trifft auch die Energiewende

Der Fall reiht sich in eine breitere Entwicklung ein. In Deutschland ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen zuletzt deutlich gestiegen. Im ersten Halbjahr 2026 wurden so viele Firmenpleiten gezählt wie seit Jahren nicht mehr. Steigende Kosten, schwache Konjunktur und höhere Finanzierungslasten treffen inzwischen nicht nur klassische Industriebranchen, sondern auch Unternehmen in Zukunftsfeldern.

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren