Solarstrom ohne Lithium-Akku: Riesiger Salzspeicher in der Wüste liefert auch nachts Energie
Mit rund 420 Millionen Euro finanziert die chinesische Regierung ein Großprojekt in der Wüste Gobi. Der dort errichtete Solarpark geht schrittweise in die kommerzielle Testphase und setzt auf ein spezielles Hybridkraftwerk. Kernstück ist eine Kombination aus klassischer Photovoltaik und einer konzentrierten Solaranlage (CSP), wie das Branchenportal „Electrek“ berichtet. Anders als viele andere Solarparks nutzt der Komplex keine Lithium-Batterien für die Zwischenspeicherung. Stattdessen wird überschüssige Energie als Wärme in Salz gespeichert. Wie der Salzspeicher das Solarkraftwerk durch die Nacht bringt Tagsüber erzeugen die Standard-Solarmodule elektrische Energie und decken den laufenden Bedarf. Gleichzeitig konzentriert die CSP-Anlage das Sonnenlicht über Tausende von Spiegeln auf einen Punkt und erhitzt ein spezielles Salzgemisch auf bis zu 550 Grad Celsius. Das stark aufgeheizte Salz wird in großen, isolierten Tanks gelagert und nach Sonnenuntergang abgerufen. Sie verwandelt Wasser in Dampf, der wiederum Turbinen antreibt und so über mehrere Stunden Strom ins Netz einspeist. Der gesamte Solarpark erreicht eine installierte Leistung von rund einem Gigawatt. Die CSP-Anlage macht laut „Electrek“ nur ein Zehntel davon aus und dient vor allem dazu, die Stromproduktion über den Tag hinaus zu verlängern. Damit kann das Hybridkraftwerk bis zu acht Stunden nach Sonnenuntergang Energie liefern. ANZEIGE ANZEIGE Speicher mit Salz: Ergänzung zu Lithium-Batterien Lithium-Ionen-Batterien werden besonders für ihre Rolle beim sogenannten Peak Shaving geschätzt: Sie können schnell viel Energie bereitstellen, sind aber vor allem für Speicherzeiten von wenigen Stunden optimiert. „Der CSP-Wärmespeicher überzeugt durch große Kapazität, lange Entladezeiten und den Betrieb ohne laufende Emissionen“, erläutert Niu Jianle, Leiter des Hami-Projekts. Es ist darauf ausgelegt, über viele Stunden kontinuierlich Strom abzugeben und damit längere Phasen zu überbrücken. Wirtschaftlichkeit noch offen Eine zentrale Frage bleibt die Kostenstruktur. Bisher waren CSP-Anlagen pro Kilowattstunde meist teurer als reine Photovoltaik. Zusätzlich sind die Preise für Lithium und entsprechende Batteriesysteme zuletzt gesunken. Ob das Kraftwerk langfristig wirtschaftlich arbeitet, wird sich erst im Praxiseinsatz zeigen. Bei Volllast soll der Komplex nach Angaben der Betreiber jährlich rund 2,07 Terawattstunden Strom liefern, das entspricht 830.000 Haushalten. Warum Langzeitspeicher für die Energiewende entscheidend sind Das Hami-Projekt reiht sich in einen globalen Trend ein. Weltweit sucht die Energiebranche nach Lösungen, um Strom aus erneuerbaren Quellen nicht nur für Stunden, sondern über Tage oder sogar Wochen verfügbar zu machen. Hintergrund ist, dass Sonne und Wind stark schwanken. Lithium-Ionen-Batterien dominieren laut „BCC Research“ derzeit mit rund 90 Prozent den Markt für neu installierte Kurzzeitspeicher. Sie sind für Zeiträume von zwei bis vier Stunden besonders kostengünstig. Für mehrtägige Versorgung stößt diese Technologie jedoch an wirtschaftliche und technische Grenzen. Salz, Wasserstoff und Pumpspeicher als Alternativen Ein Bericht des Long Duration Energy Storage Councils zeigt, wie groß der Bedarf an Langzeitspeichern werden könnte. Da Solar- und Windstrom nicht gleichmäßig zur Verfügung stehen, könnten bis 2040 global Speichersysteme mit einer Leistung von 1,5 bis 2,5 Terawatt nötig sein, um längere Flauten zu überbrücken. Ohne solche Puffer bleibt der Ausstieg aus fossilen Kraftwerken schwierig, weil klassische Lithium-Speicher den Strom nur begrenzt lange halten können. Deshalb rücken alternative Technologien in den Fokus, etwa Pumpspeicherkraftwerke, Wasserstoff oder thermische Speicher mit geschmolzenem Salz, wie im Hami-Projekt.