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Sollte man bei Antibiotika auf Zucker verzichten? Das zeigt eine neue Studie

Gesundheit

Schokolade, Limonade oder andere zuckerreiche Lebensmittel während einer Antibiotikatherapie – ist das eine schlechte Kombination für den Darm? Darauf deutet zumindest eine neue Studie hin. Je mehr Zucker die untersuchten Patienten zu sich nahmen, desto stärker veränderte sich ihre Darmflora während der Behandlung.

Pro 100 Gramm Zucker, die die Patienten in den 48 Stunden vor der Behandlung aufgenommen hatten, fanden die Forschenden eine zusätzliche Abnahme der Bakterienvielfalt um 21 Prozent. Daraus lässt sich jedoch keine sichere oder schädliche Zuckermenge für den Alltag ableiten.

Warum Antibiotika die Darmflora verändern

Die Gesamtheit der Mikroorganismen im Darm wird als Darmmikrobiom oder umgangssprachlich als Darmflora bezeichnet. Diese Mikroorganismen sind unter anderem an der Verdauung beteiligt und stehen in engem Austausch mit dem Immunsystem. Eine vielfältige Bakteriengemeinschaft kann zudem dazu beitragen, die Ausbreitung potenziell krankmachender Keime einzudämmen.

Antibiotika unterscheiden jedoch nicht immer ausschließlich zwischen erwünschten und unerwünschten Bakterien. Während einer Behandlung können deshalb auch nützliche Darmbakterien zurückgedrängt werden und die Vielfalt des Mikrobioms abnehmen.

In der Studie war die Kombination aus einer höheren Zuckeraufnahme und Antibiotika außerdem mit einer stärkeren Vermehrung von Enterococcus faecium verbunden. Bestimmte Stämme dieser Bakterienart können insbesondere bei schwer kranken Menschen problematische und schwer behandelbare Infektionen verursachen.

Mehr als 9.000 Mahlzeiten ausgewertet

Für die im Fachjournal Nature veröffentlichte Studie untersuchten die Forschenden 173 stationär behandelte Menschen mit Blutkrebs. Insgesamt erfassten sie 9.419 Mahlzeiten und nahmen täglich Stuhlproben, um Veränderungen des Darmmikrobioms zu untersuchen.

Die Patienten erhielten intensive Krebsbehandlungen, darunter Stammzelltransplantationen und Chemotherapien, und wurden mit Antibiotika behandelt. Ihre gesundheitliche Situation unterscheidet sich damit erheblich von der eines ansonsten gesunden Menschen. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf andere Menschen übertragen, die beispielsweise wegen einer bakteriellen Infektion vorübergehend ein Antibiotikum einnehmen.

Experimente an Mäusen stützten den beobachteten Zusammenhang: Auch dort begünstigte die Kombination aus Zucker und Antibiotika die Vermehrung von Enterokokken. Über welche Mechanismen Zucker die Veränderungen des menschlichen Darmmikrobioms beeinflussen könnte, ist bislang jedoch nicht geklärt.

Sollte man bei Antibiotika auf Zucker verzichten?

Dafür reichen die Ergebnisse der Studie nicht aus. Zunächst müsste in weiteren klinischen Untersuchungen geklärt werden, ob eine zuckerärmere Ernährung während einer Antibiotikatherapie tatsächlich dazu beitragen kann, die Darmflora zu schützen – und ob dadurch beispielsweise Infektionen oder andere Komplikationen verhindert werden können. „Es ist verfrüht, allen Menschen, die Antibiotika einnehmen, zu empfehlen, Zucker zu meiden“, sagt Studienmitautor Marcel van den Brink von City of Hope.

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