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Sommer im Norden: Heißer, trockener und immer mehr Hitzetote

Nation

Stand: 14.08.2026 14:35 Uhr Mehr Hitzewellen, vertrocknete Böden und etwa 12.500 Hitzetote allein in Deutschland: So heiß wie in diesem Juni und Juli war es in Westeuropa noch nie. Norddeutschland trifft die Hitze nicht am stärksten - aber folgenschwer. von Alexander C. Mühlhausen Eine Hitze wie im diesjährigen Juni und Juli wurde in Westeuropa noch nie gemessen - jedenfalls nicht, seit das EU-Klimaprogramm Copernicus das Wetter beobachtet. Norddeutschland trifft die Hitze zwar weniger stark als andere Gebiete, doch auch hier zeigt sich der Klimawandel: Nur in drei Sommern haben die Hamburger mehr Hitzetage ab 30 Grad erlebt als im laufenden Sommer. Zwei davon sind keine zehn Jahre her. Heißer war es seit Beginn der Messungen sogar nur ein einziges Mal: Vor vier Jahren wurde die 40-Grad-Marke überschritten. Dieses Jahr wurde sie nur knapp verfehlt. Mit dem Trend ist Hamburg nicht allein: Auch in Hannover, Schwerin und Schleswig steigt die Temperatur immer häufiger auf über 30 Grad, wie die Grafik zeigt. Mehr Hitzetage: Eine Folge des Klimawandels Dass sich die Hitzetage häufen, liegt an der Erderwärmung. Laut Copernicus heizt sich kein Kontinent schneller auf als Europa. Das zeigt sich auch in Norddeutschlands Städten. Bis Mitte der 1990er gab es hier immer wieder zwei oder weniger sehr heiße Tage pro Jahr. Heute sind solche Sommer die Ausnahme geworden. Vielerorts sind mehr als fünf Hitzetage normal. Und die Hitze bleibt nicht nur - sie wird weiter zunehmen. Denn je stärker sich die Erde aufheizt, desto häufiger dürfte auch in Norddeutschland das Thermometer auf über 30 Grad steigen. Geben Sie Ihre Postleitzahl ein, um zu sehen, wie heiß der Sommer in Ihrer Region ist. Tote durch Hitze: Hunderte im Norden, 12.500 in Deutschland Die Hitze und der fehlende Schutz vor ihr kosten Leben. Das Robert Koch-Institut geht davon aus, dass in Norddeutschland fast 700 Menschen gestorben sind, die bei kühleren Temperaturen noch leben würden. Bundesweit sind es bis Anfang August schätzungsweise 12.500. Damit ist die Lage in Norddeutschland weniger schlimm: Umgerechnet auf 100.000 Einwohner sind im Rest des Landes noch deutlich mehr Menschen an den Folgen der Hitze gestorben. Insgesamt sind laut RKI in den vergangenen zehn Jahren noch nie so viele Menschen an Hitze gestorben wie in diesem Sommer - und der ist noch nicht vorbei. Besonders dramatisch ist die Lage für Ältere, etwa in Altenheimen ohne Klimaanlagen: Die meisten Toten durch Hitze sind Seniorinnen und Senioren. Neun von zehn Hitzeopfern waren 65 oder älter. Doch die Hitze belastet auch jüngere Menschen: Rund 1.200 Menschen unter 65 sind in Deutschland an der Hitze gestorben. Dazu kommen all jene, die die Hitze zwar überstehen, aber unter ihr leiden oder krank werden. Schäden durch Hitze kosten Milliarden Zusätzlich leidet die Wirtschaft unter der Hitze. Laut Kreditversicherer Allianz Trade könnten Hitzewellen Deutschland bis 2030 insgesamt über 110 Milliarden Euro kosten, wenn sie sich wie im vergangenen Jahrzehnt wiederholen. Denn bei dieser Hitze und Trockenheit können Schiffe nicht fahren, Arbeitnehmer sind weniger produktiv und Klimaanlagen verbrauchen viel Energie. Waldbrandschäden aus dem All zu sehen Hitze und Trockenheit bedrohen nicht nur die Menschen, sondern auch die Natur. Im Norden sind zwar bisher noch keine ganzen Landstriche verbrannt - anders als in Frankreich oder Spanien. Aber auch hier ist das Risiko groß und immer wieder brechen große Brände aus. Etwa im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern. Dort hatten die Einsatzkräfte im Juni und im Juli mit großen Feuern zu kämpfen. Satellitenbilder zeigen, wie eine große Waldfläche verbrannt ist und jetzt selbst aus dem All betrachtet verfärbt ist. Trockenheit: Auch im regnerischen Norden ein Problem Auch Landwirtinnen und Landwirte fordert das Wetter heraus: Die norddeutschen Böden sind aktuell viel trockener, als es zwischen 1961 und 1990 üblich war. Dieser Zeitraum wird üblicherweise für Vergleiche genutzt. Damals waren die Folgen der Klimakatastrophe noch deutlich schwächer. Vor allem in Niedersachsen leiden ganze Regionen unter extremem Trockenstress. Einzelne kühle Nächte oder Starkregen haben daran nichts geändert. Das Landvolk, Niedersachsens Bauernverband, sieht die Situation bisher noch nicht als besorgniserregend an, auch wenn die Bauern bald Regen bräuchten. Die Ernten würden aufgrund der Hitze zwar teilweise um bis zu ein Viertel schlechter ausfallen. Doch im Süden Deutschlands sei die Lage deutlich schlimmer. Hier warnt der Deutsche Bauernverband sogar davor, dass komplette Ernten ausfallen könnten. Klimaanpassung: Was hilft gegen die Hitze? Konsequenter Klimaschutz und eine schnelle Energiewende könnten das Ausmaß künftiger Hitzewellen zumindest etwas begrenzen. Doch selbst wenn die Bundesregierung die Klimaziele stärker verfolgen würde, dürfte das kurzfristig wenig ändern: Die Sommer dürften erst einmal heißer werden. Deshalb muss sich Deutschland auch an das neue Klima anpassen. Ans Klima anpassen bedeutet zum Beispiel: Asphalt aufreißen. Wo heute Plätze und Straßen versiegelt sind, können Bäume und Grünflächen Schatten spenden und die Luft abkühlen. Auch Klimaanlagen und öffentliche Wasserspender können helfen. Angepasste Arbeitszeiten würden die Belastung während der schlimmsten Mittagshitze reduzieren. Ganz kurzfristig helfen feuchte Tücher und viel trinken, um durch den Tag zu kommen.

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