Sommerferien-Streit: Bayern trotzt den anderen Ländern
Die Kritik aus anderen Bundesländern kommt Jahr für Jahr so verlässlich wie der Sommer. "NRW hätte auch gerne mal einen späten Ferienstart", sagte beispielsweise Nordrhein-Westfalens Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) vor einem Jahr. Heuer bezeichnet es Niedersachsens Kultusministerium via "Bild" als "unbefriedigend", dass sich einige Bundesländer nicht am "rollierenden System" beteiligen. Seit Jahrzehnten starten nur Bayern und Baden-Württemberg stets Anfang August in die Ferien, die übrigen 14 Länder wechseln sich beim Ferienbeginn ab. So verlässlich wie die Kritik aus anderen Ländern kommt auch Bayerns Nein zu einer Änderung. "Für Bayern hat sich die bestehende Ferienregelung bewährt", teilt das Kultusministerium auch jetzt wieder auf BR-Anfrage mit. Und CSU-Generalsekretär Martin Huber stellt auf Social Media klar: "Die Sommerferien in Bayern bleiben, wie sie sind. Denn über unsere Sommerferien entscheiden wir schon selbst." Dieses Jahr dürften die anderen Länder besonders genau hinhören: Denn in einer Länder-Arbeitsgruppe laufen gerade Beratungen über die Ferien-Zeiträume für mehrere Jahre. Beratungen für Ferientermine ab 2031 Eine erste Beschlussempfehlung werde wohl bis Ende dieses Jahres vorliegen, als Grundlage für weitere Abstimmungsrunden, berichtet die "Rheinische Post" unter Berufung auf das NRW-Schulministerium. Vorsitzende der Bildungsministerkonferenz ist derzeit die bayerische Ressortchefin Anna Stolz (Freie Wähler). Ihr Ministerium will nichts zum aktuellen Diskussionsstand mitteilen: Ein Sprecher bittet um Verständnis, "dass wir uns generell nicht zu laufenden Abstimmungen äußern". Die Bildungsministerkonferenz werde "zu gegebener Zeit" über die "konkreten Ferientermine für die Jahre 2031 bis 2036" informieren. Bis 2030 sind die Termine festgelegt. Um den Reiseverkehr und die Nachfrage nach Urlaubsunterkünften zu entzerren, reicht der Gesamtzeitraum von Mitte/Ende Juni bis Mitte September. Ein später Ferienbeginn ist bisher den beiden Ländern im Süden vorbehalten, die anderen starten gestaffelt vorher. Während Schülerinnen und Schüler in Bayern aktuell noch den Großteil ihrer Ferien vor sich haben, sitzen sie in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland seit Tagen schon wieder in den Klassenzimmern. Ministerin Stolz verweist auf christliche Feiertage Wo wäre Bayern zu Kompromissen bereit? Was ist mit dem Vorwurf, der Freistaat handle unsolidarisch? Auf diese Fragen antwortet das Ministerium nicht direkt. Kultusministerin Stolz sagt dem BR, die Festlegung Bayerns auf einen späten Ferientermin liege daran, "dass wir uns in unserer Ferienordnung an den christlichen Feiertagen orientieren". Im Freistaat gebe es an Pfingsten zweiwöchige Ferien. "Deswegen starten wir auch später in die Sommerferien. Daran halten wir auch fest!" Für eine Änderung bräuchte es Einstimmigkeit. Wie Bayern will auch Baden-Württemberg am bisherigen Modell festhalten. Stolz betont, sie habe dabei Kinder und Familien genauso im Blick wie die Wirtschaft, Vereine und kulturellen Veranstaltungen, die sich oft an den Ferien orientierten. "Vieles ist hier auch historisch gewachsen und die Menschen wollen sich darauf verlassen können, ihre Traditionen und Feste auch wahren zu können." Ein Ministeriumssprecher betont außerdem: Im Anschluss an die Pfingstferien brauche es noch eine längere Unterrichtsphase vor den Sommerferien, um einen "ausreichenden Lern- und Prüfungszeitraum" zu ermöglichen. Ferien künftig bundesweit erst ab Juli? Einen ausreichend langen Prüfungszeitraum fordert der Deutsche Philologenverband für alle Bundesländer und verlangt daher von der Bildungsministerkonferenz eine grundsätzliche Änderung: Ferien sollten überall frühestens ab dem ersten Juli-Wochenende beginnen, nicht schon im Juni. Für Verbandschefin Susanne Lin-Klitzing ist das eine Frage der Gerechtigkeit. Mehrere Länder unterstützen den Vorstoß, beispielsweise NRW und Niedersachsen. Bayerns Kultusministerium kommentiert diesen Vorschlag nicht. Tourismusministerin Michaela Kaniber (CSU) winkt ab: "Ein Ferienstart für alle Länder erst nach dem 1. Juli wäre der falsche Weg", sagte sie der "Bild"-Zeitung. "Beliebte Urlaubsziele in Bayern und anderswo würden an ihre Grenzen stoßen, weil viel mehr Menschen gleichzeitig verreisen." Söder: "Das lassen wir nicht zu" CSU-Generalsekretär Huber betont: "Wenn andere Länder ihre Ferien anders gestalten wollen, können sie das gerne machen." In Bayern aber passe die aktuelle Ferienregelung "zu unserem Lebensrhythmus". Ähnlich hatte sich schon vor einem Jahr Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geäußert: "Wir zahlen den meisten Länderfinanzausgleich, jetzt wollen uns andere Länder auch noch vorschreiben, wann wir Ferien machen sollen. Das lassen wir nicht zu."