Sonderausgabe zu Danger Dan und Igor Levit: Das ZDF hat keine Angst vor Aufarbeitung
Die Aufarbeitung des Aufführungsverbots des Songs „Keine Angst“ von Danger Dan in der ZDF-Kabarettsendung „Die Anstalt“ dauerte nur unwesentlich länger als der Song selbst. Der Song braucht sieben Minuten, um seine Anleitungen und Anweisungen zum Antifa-Widerstand herüberzubringen. Die Sonderausgabe von „Aspekte“ mit dem Titel „Was darf man wo noch singen? Danger Dan und das ZDF“ nahm sich gerade mal 16 Minuten Zeit. Was der Sender im „dokumentarisch-journalistischen Rahmen“ zu bieten hatte, war eine kleine Nummernrevue am Samstagabend, zunächst im Streaming und später im linearen Programm. Jo Schück moderierte. Das Drehbuch dafür hatte er in sechs Kapiteln aufgeschrieben, die er im abgedunkelten Studio ein- und ausführte. Es ging vom „Song“ über die „Entscheidung des ZDF“ bis zu „Und jetzt?“. Der Soundtrack dazu stammte natürlich aus dem inkriminierten Song. Jo Schück fasste zunächst das Geschehen zusammen. „Keine Angst“ bezeichnete er als „Anleitung zum antifaschistischen Kampf“. Ob die Alarmglocken deswegen in der ZDF-Spitze läuten mussten, ließ er offen, denn schon begann das Kapitel „Die juristische Auslegung“. Anwalt Peter Raue plädierte für eine liberale und vom Bundesverfassungsgericht gestützte Variante, also für eine Aufführung von „Keine Angst“ im Programm der „Anstalt“. Der Rechtswissenschaftler Fabian Wittreck sah dagegen einen problematischen Graubereich. Beider Aussagen kannte der Zuschauer bereits, sie waren wie andere schon Bestandteil vorheriger ZDF-Sendungen gewesen. War eben mit heißer Nadel gestrickt, die „Aspekte“-Nummer. ZDF-Angebote dürfen keine verhetzende Wirkung haben Oliver Heidemanns, Leiter der Hauptredaktion Show im ZDF, verteidigte die ZDF-Entscheidung mit Verweis auf die Programmrichtlinien des Senders, wonach die ZDF-Angebote „keine verhetzende Wirkung haben dürfen“. Maike Kühl aus dem „Anstalts“-Trio hatte zuvor bemerkt: „Wir sind im ZDF gegen das ZDF.“ Der Kabarettist Florian Schroeder nannte den Song provokativ und einen „Debattenbeitrag“, wie gegen den sich verstärkenden Rechtsdrall Position bezogen werden kann. Der Publizist Jan Fleischhauer war da ganz anderer Meinung: „Eine Einladung in Kenntnis des Textes geht nicht“, sagte er. Wiederum Oliver Heidemanns: „Die Kabarettsendung ist der falsche Ort für eine solche Debatte.“ Fleischhauer machte dann noch den Punkt, dass die gesamte und für ihn weitgehend unverständliche Aufregung um die Auftrittsabsage für Danger Dan und Igor Levit den Song „Keine Angst“ so richtig viral werde gehen lassen. Auf einen Nenner ließen sich die verschiedenen Äußerungen nicht bringen, es wogte heftig zwischen Pro und Contra hin und her. Der Statement-Charakter der Beiträge machte jedenfalls deutlich, dass das Thema „Welcher Extremismus verträgt sich mit öffentlich-rechtlichem Programm?“ in seinen vielschichtigen Dimensionen viel größer ist als das schmale Popup-Programm der „Aspekte“-Sonderausgabe. Danger Dan, sagte Moderator Jo Schück mit Bedauern, wollte einer Einladung zum Interview nicht folgen. Und: „Die Debatte wird weitergehen. Keine Angst.“ Könnte glatt als Motto des ZDF taugen.