Sondertribunal in Den Haag: Kosovos Ex-Präsident Hashim Thaçi zu 25 Jahren Haft verurteilt
Das Kosovo-Sondertribunal in Den Haag hat den früheren Präsidenten des Kosovo, Hashim Thaçi, zu einer Haftstrafe von 25 Jahren verurteilt. Das Gericht befand ihn unter anderem der »rechtswidrigen Festnahme, Folter, des Mordes und grausamer Behandlung« für schuldig.
Konkret habe der 58-Jährige den Mord an 96 politischen Gegnern, die illegale Freiheitsberaubung von 385 Personen und die Folter an 303 Menschen verantwortet, teilte das Tribunal mit. Thaçi habe die Verbrechen »aktiv ermutigt« und daran teilgenommen.
Thaçi befehligte die UÇK, eine paramilitärische Gruppierung, die sich selbst als »Befreiungsarmee« bezeichnete und während des Unabhängigkeitskrieges 1998 bis 1999 gegen serbische Truppen kämpfte. Unter anderem wurde ihm im Prozess in Den Haag der Mord an mehr als 100 Menschen vorgeworfen. Teilweise sollen die Taten nach Ende der Kampfhandlungen begangen worden sein. Die meisten Opfer waren Kosovo-Albaner, die beschuldigt worden waren, mit Serben zu kollaborieren, oder als Gegner der UÇK angesehen wurden. Auch Serben, Roma und Angehörige anderer ethnischer Gruppen waren unter den Opfern.
Thaçi stritt die Anschuldigungen vor Gericht ab. Auch drei mitangeklagte UÇK-Kommandeure plädierten auf nicht schuldig. Die Anklage hatte für alle Angeklagten 45 Jahre Haft wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gefordert.
Aufarbeitung durch das Sondertribunal seit 2015
Die UÇK kämpfte gegen serbische Truppen für die Unabhängigkeit des Kosovo in den Jahren 1998 und 1999. Insgesamt starben während des Kriegs im Kosovo rund 13.000 Menschen. Die Nato und die UN griffen 1999 in den Konflikt ein. Serbische Truppen zogen sich kurz darauf aus dem Gebiet zurück. Im Jahr 2008 erklärte der Kosovo schließlich seine Unabhängigkeit von Serbien. Die serbische Regierung betrachtet den Kosovo jedoch nach wie vor als Provinz Serbiens und als Teil des eigenen Staatsgebiets.
Bei seinen Anhängern gilt Thaçi als Kriegsheld, der den Kosovo in die Unabhängigkeit führte. Tausende Menschen hatten sich am Wochenende in Prishtinë, der Hauptstadt des Kosovo, versammelt, um Unterstützung für die vier Männer zu bekunden.