Sonne stirbt: Überlebt die Erde die Rote
Startseite Wissen Sonne stirbt als roter Riese: Was passiert dann mit der Erde? Von: Tanja Banner Uns auf Google folgen Wenn die Sonne stirbt, werden Merkur und Venus von ihr verschlungen. Ob es der Erde auch so geht, entscheidet ein „empfindliches Gleichgewicht“. Löwen – In rund fünf Milliarden Jahren hat die Sonne ihren Brennstoff weitgehend aufgebraucht – dann steht ihr großes Finale an. Die Sonne wird sich zu einem roten Riesen aufblähen und hunderte Male größer werden als heute. Sicher scheint: Merkur und Venus werden dabei verschluckt. Ob das auch für die Erde gilt, darüber wird in der Forschung seit Langem diskutiert. Eine neue Studie von Forschenden der Universität Löwen und der CEA Paris-Saclay legt nahe: Die Antwort hängt an einem heiklen Zusammenspiel zweier Prozesse. Sobald die Sonne in die Phase des roten Giganten eintritt, wirken gravitationsbedingte Gezeitenkräfte, die die Erde in Richtung des Sterns ziehen. Gleichzeitig verliert die Sonne durch ihren Sternenwind einen großen Teil ihrer Masse. Wenn die Sonne stirbt, bläht sie sich auf und verschluckt die sonnennächsten Planeten Doch gerade dieser Massenverlust könnte zum Rettungsanker für die Erde werden. Wird die Sonne leichter, wandert die Umlaufbahn der Erde nach außen. Nur wenn die Sonne schnell genug Masse verliert, verlässt die Erde rechtzeitig den Bereich, den der aufgeblähte Stern später verschlingt. „Das Schicksal der Erde hängt von einem empfindlichen Gleichgewicht zwischen diesen beiden Effekten ab“, erklärt Mats Esseldeurs, Forscher am Institut für Astronomie der KU Löwen und Hauptautor der Studie, die im Fachjournal Astronomy & Astrophysics veröffentlicht wurde. „Wenn die Gezeitenwechselwirkungen überwiegen, wird die Erde verschlungen. Wenn der Massenverlust überwiegt, entkommt die Erde in eine weiter entfernte Umlaufbahn.“ Überlebt die Erde den Tod der Sonne? Es kommt auf die Details an In den Simulationen des Teams ist das Ende für die beiden innersten Planeten eindeutig: Merkur und Venus werden unweigerlich von der expandierenden Sonne verschluckt. Bei der Erde zeigen die Rechenläufe dagegen ein anderes Szenario. Dort übersteht der Planet die Rote-Riesen-Phase der Sonne und landet am Ende auf einer weiter außen liegenden Bahn. Wenn die Sonne nach ihrer Aufblähung zum weißen Zwerg schrumpft, würde die Erde diesen Überrest weiterhin umkreisen – zumindest nach dem Bild, das die Simulationen zeichnen. Ganz festnageln wollen die Forschenden das Ergebnis aber nicht. Der Knackpunkt: Wie schnell ein Stern in seinen letzten Phasen wirklich Masse verliert, ist bislang nicht ausreichend verstanden. Um dem näherzukommen, griff das Team auf Beobachtungen des Sterns L2 Puppis zurück – er gilt in der Wissenschaft als eine Art Blick in die Zukunft der Sonne. Werden die Daten dieses Sterns zugrunde gelegt, kann sich die Erde weit genug nach außen bewegen, um zu überleben. Beobachtungen deuten darauf hin, dass die Erde den Tod der Sonne überleben wird „Die größte Unsicherheit ergibt sich nicht mehr aus den Gezeitenberechnungen, sondern daraus, wie viel Masse die Sonne in Zukunft verlieren wird“, betont Esseldeurs. „Beobachtungen von sonnenähnlichen Riesensternen deuten derzeit darauf hin, dass die Erde überleben wird, aber wir benötigen bessere Beobachtungen, bevor wir uns sicher sein können.“