DAX +0,66 % 25.629,24 Pkt 18:00:00 MDAX -0,82 % 31.980,52 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,21 % 6.358,01 Pkt 18:00:00 Dow Jones +1,73 % 52.485,03 Pkt 23:22:18 S&P 500 +2,37 % 7.489,72 Pkt 23:22:12 Nasdaq +3,81 % 25.373,85 Pkt 23:15:59 Nikkei +4,03 % 64.362,02 Pkt 08:45:03 Gold +0,17 % 4.107,00 USD 22:59:54 Silber -1,75 % 57,79 USD 22:59:48 Brent +1,22 % 90,12 USD 20:28:19 WTI +1,29 % 84,67 USD 22:59:59 Bitcoin +0,13 % 62.892,53 USD 19:03:03 EUR/USD +0,52 % 1,15270 USD 23:29:53 EUR/GBP -0,31 % 0,85510 GBP 23:29:53 EUR/CHF -0,23 % 0,93060 CHF 23:29:53 EUR/JPY -3,08 % 181,491 JPY 23:29:53

Sonnenfinsternis am 12. August 2026

Nation

Wegen des einmaligen Anblicks der total verfinsterten Sonne zieht der Totalitätsstreifen stets große Menschenmassen an, wo immer er logistisch zugänglich ist und gute Wetteraussichten bietet (siehe »Unvergleichliches Erlebnis«). Die historischen Städte León und Burgos im Norden Spaniens liegen sehr nahe an der Zentrallinie, sodass man dort kurz vor 20:30 Uhr MESZ mehr als 100 Sekunden Totalität erleben kann, falls gutes Wetter ist. Findet man im jeweiligen Stadtgebiet einen Standort mit guter Horizontsicht, etwa ein begehbares Hausdach oder einen hoch gelegenen Balkon mit Blickrichtung nach Westen, bleibt man besser dort, denn die Differenz zur Totalitätsdauer auf der exakten Zentrallinie beträgt hier weniger als zehn Sekunden. Auch in Nordspanien steht die total verfinsterte Sonne nur rund zehn Grad über dem Westhorizont, etwas nördlich des Westpunkts. Überprüfen Sie daher spätestens am Vorabend, ob die Horizontsicht Ihres städtischen Standorts dieser Anforderung genügt. Spaniens Hauptstadt Madrid liegt knapp außerhalb des Südwestrands des Totalitätsstreifens, Saragossa und Valencia dagegen befinden sich bereits innerhalb. Einwohner am nordöstlichen Stadtrand von Valencia können immerhin eine Minute Totalität genießen, während Barcelona etwas nördlich der Totalitätszone liegt (siehe »Schwarze Sonne über Spanien«). Deshalb ist in der Umgebung dieser Ballungszentren damit zu rechnen, dass die Straßen, die zur Zentrallinie führen, schon am frühen Nachmittag des 12. August überfüllt sein werden – zumal Sommerferien sind. Aus Sicherheitsgründen mag es sogar zu Absperrungen kommen. Beziehen Sie diese logistischen Probleme gut in Ihre Reiseplanung ein, sofern Sie am 12. August den Südosten Spaniens bevorzugen. Der letzte Blick von festem Boden auf die total verfinsterte Sonne ist von Mallorca aus möglich. Angesichts der nun schon geringen Horizonthöhe wird die innere Korona nur abgeschwächt sichtbar sein. Jedoch besteht im Westen der Insel die Möglichkeit, die schwarze Sonne mit Korona unweit ihres Untergangspunkts, nur wenige Grad über dem Mittelmeer, zu fotografieren. Kurz darauf geht auch dort eine schmale, feurige Sichel unter. Partielle Finsternis über Mitteleuropa Zwar liegt Deutschland ein erhebliches Stück nordöstlich der Totalitätszone, doch immerhin kommen wir hier in den Genuss einer deutlich sichtbaren partiellen Verfinsterung kurz vor Sonnenuntergang: Die Sonnenscheibe wird vom Mond auf eine schmale Sichel reduziert. Der Eintritt des Mondrands kann je nach Ort um mindestens fünf Minuten früher oder später erfolgen. Bei sehr klarem Wetter können Sie die partielle Verfinsterung der Sonne trotz ihrer niedrigen Stellung über dem Horizont im Westnordwesten ab etwa 19:20 Uhr MESZ beobachten. Ein kleines Fernrohr eignet sich hierfür sehr gut. Allerdings sollten Sie die Sonne niemals direkt durch das Teleskop anvisieren – eine sofortige Schädigung der Augen wäre die Folge. Stattdessen orientieren Sie sich einfach anhand des Schattens, den der Tubus des Teleskops auf den Boden wirft; er muss ideal rund erscheinen. Der Sucher bleibt abgedeckt oder wird zuvor abmontiert, damit neugierige, unerfahrene Mitbeobachtende, beispielsweise Kinder, beim Versuch hindurchzusehen keinen Schaden nehmen. Das auf einen weißen Karton projizierte Bild der partiell verfinsterten Sonne kann von mehreren Interessierten gleichzeitig betrachtet werden (siehe »Einfache Sonnenprojektion«). Am Teleskop sollte ein eher schwach vergrößerndes Okular mit mindestens 25 Millimetern Brennweite zum Einsatz kommen. Platzieren Sie die Sonne möglichst zentral im Bildfeld, damit kein Licht auf die Blende des Okulars fällt und diese aufheizt. Zudem sollte das Okular nicht verkittet sein, da sich sonst die Linsen aufgrund der Wärmebelastung lösen könnten. Ein Spiegelteleskop eignet sich für die Projektion übrigens nicht, weil sich die Halterung des Fangspiegels stark erwärmen kann. Bei manchen einfacheren Geräten bestehen die Verstrebungen aus schwarzem Plastik, das dann schmilzt. Im Fall dunstiger Luft kann man das Glück haben, die feurige Sonnensichel ganz ohne jegliche optische Hilfe in Horizontnähe zu sehen (siehe »Feuersichel am Horizont«). Doch Vorsicht: Blendet das verbleibende Licht, blicken Sie besser nicht hin, damit Ihre Augen, vor allem die Netzhaut, keinen irreparablen Schaden nehmen. Die geringe Horizonthöhe des Ereignisses erfordert einen Standort mit freier Sicht zum Westhorizont. Am besten besichtigen Sie den Platz ihrer Wahl schon einige Tage kurz vor Sonnenuntergang. Ferne Landmarken und Kirchtürme müssen sich nicht unbedingt störend auswirken: Sie lassen sich mitunter in Fotografien einbeziehen und ergeben mit der partiell verfinsterten Sonne ein schönes Motiv. Sonnenfilter und Solarfolie Als Alternative zur Projektion bietet sich der Einsatz einer im Astrofachhandel erhältlichen Solarfolie an, die vor dem Objektiv angebracht wird. Damit kann man die Sonne ganz normal durch das Fernrohr blickend beobachten. Für die visuelle Beobachtung wird normalerweise Folie mit einer optischen Dichte von 6 angeboten; sie lässt nur ein Millionstel des auftreffenden Lichts hindurch und verhindert zugleich, dass schädliche Infrarot- und UV-Strahlung in die Augen gelangen. Aus solchen geprüften Folien werden auch die beliebten Sonnenfinsternisbrillen hergestellt – niemals dürfen diese Brillen jedoch in Verbindung mit optischen Geräten eingesetzt werden, weil eine zusätzliche Optik lichtsammelnd wirkt und die Helligkeit des Sonnenbilds auf ein gefährliches Maß verstärkt. Zudem sollten Sie keine der immer noch angebotenen Okularfilter verwenden. Sie werden durch das gesammelte Licht des Teleskops derart stark aufgeheizt, dass sie schlagartig platzen. Ebenso ist von der Verwendung von Schweißerbrillen und ähnlichen Utensilien abzuraten. Manche dieser Behelfslösungen mögen zwar ein Sonnenbild liefern, das die Augen nicht blendet – sie lassen allerdings oft zu viel schädliche Strahlung hindurch. Knifflig kann es im weiteren Verlauf der partiellen Phasen werden, wenn die tiefer sinkende Sonne nicht mehr hell genug zur Beobachtung per Projektion oder normaler Solarfolie ist, aber bei ungeschütztem Hinsehen noch blendet. In dieser Übergangsphase können Sie ausnahmsweise die fotografische Version der Solarfolie visuell nutzen; sie ist rund 100-mal lichtdurchlässiger als die gewöhnliche Variante, was der optischen Dichte 4 entspricht, und ermöglicht bei der Fotografie kurze Belichtungszeiten. Diese Eigenschaft lässt sich nun nutzen, um bei horizontnahem Dunst ein angenehmes Bild für das Auge zu erhalten. Weniger problematisch ist das Ganze für den Fotografen, denn die Belichtungszeit und Empfindlichkeit der Kamera können ja innerhalb eines weiten Bereichs angepasst werden, und selbst eine leichte Überbelichtung würde dem Sensor nicht schaden. Fotografie der Sonnenkorona Astrotouristen, die in die Totalitätszone reisen, seien an die wichtigste Bedingung erinnert: Bei dieser Finsternis dauert die Totalität lediglich knapp zwei Minuten. Sie glauben, das sei viel Zeit? Mitnichten – vor allem Erstbeobachter werden von den gänzlich neuen Eindrücken derart überwältigt, dass dieses eindrucksvolle Ereignis gefühlt schon nach 20 Sekunden wieder vorbei ist. Nehmen Sie sich also nicht zu viel vor; vielleicht beobachten Sie einfach nur ausgiebig die Sonnenkorona und ihre Strahlen und Bögen. Hierfür eignet sich bestens ein handliches Fernglas mit den optischen Kennzahlen 10 × 50 oder 8 × 40. Wer das Naturschauspiel dennoch fotografieren möchte, sollte alle Handgriffe gut vorbereiten und die folgenden Details beachten: Bestens geeignet ist eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR), also ein mit optischem Sucher ausgestattetes Gehäuse mit Wechseloptik. DSLRs sind den Systemkameras – ebenfalls mit Wechseloptik, aber ohne optischen Sucher – hinsichtlich der Sensorqualität und der technischen Ausstattung meist etwas überlegen. Doch der Erfolg stellt sich beim Fotografieren nicht allein durch die richtige Ausrüstung und das Drücken auf den Auslöser ein, denn der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Um Erschütterungen durch den Klappspiegel der Kamera zu vermeiden, sollte man ihn schon mehrere Sekunden vor der Belichtung hochklappen, beispielsweise durch das Anschalten des Live-View-Bildschirms, um anschließend direkt aus diesem Modus heraus zu fotografieren. Um mit einer DSLR oder einer Systemkamera mit Halbformatsensor die helle innere Korona und die sich nach außen in Strahlen anschließende mittlere Korona formatfüllend abzubilden, sind Brennweiten von 600 bis 900 Millimetern ideal. Für die Fotografie mit einer Vollformatkamera eignen sich Brennweiten zwischen 900 und 1300 Millimetern. Kleine Linsenteleskope (Refraktoren) mit entsprechenden Leistungsdaten sind daher die erste Wahl. Allerdings erfordert ein solches Gerät wegen seiner Abmessungen und des Windwiderstands ein robustes Stativ. Leichter und kürzer als ein Refraktor – und deshalb reisetauglicher – ist ein kompaktes Maksutow-Cassegrain-Teleskop mit 90 Millimetern Öffnung und einer Brennweite von etwa 1260 Millimetern (siehe »Mobile Ausrüstung«). In Kombination mit einer Linse, welche die Brennweite verkürzt, lassen sich auch Halbformatkameras verwenden, deren Bilder etwa denjenigen des klassischen 35-Millimeter-Films entsprechen. Dazu muss in den Strahlengang, etwa 5 bis 7 Zentimeter vor dem Fokus, eine achromatische Linse mit 35 bis 40 Millimetern Durchmesser und 140 bis 180 Millimetern Brennweite eingebaut werden. Dies geschieht mithilfe eines kurzen T2-Verlängerungsrings oder des Kameraadapters. In jedem Fall sind vor Reiseantritt die bevorzugte Fotoausrüstung und jeder Handgriff durchzuprobieren. Einen kritischen Test der Optik auf Reflexe und Streulicht bietet das Einstellen der schmalen Mondsichel am Morgen- oder Abendhimmel: Neben der sehr hellen Sichel sollte das erheblich schwächere aschgraue Licht des Erdscheins, das die Nachtseite des Mondes erhellt, einwandfrei zu erkennen sein. Durch solche Tests wird auch rechtzeitig klar, ob ein Ausrüstungsstück fehlt, sich alles richtig ausrichten lässt und sich die Last auf dem Stativkopf im Gleichgewicht befindet. Letzte Stolpersteine zum Erfolg lassen sich beseitigen, indem der Akku der Kamera vorher gut aufgeladen wird und ein zweiter Akku zum Wechseln zur Hand ist, da Live-View und das Fotografieren der partiellen Phasen Strom benötigen. Der zur Lichtdämpfung genutzte Sonnenfilter, der erst in den letzten Sekunden vor der Totalität entfernt werden darf, sollte nicht verschraubt, sondern leichtgängig aufgesetzt sein. Er muss schnell und unkompliziert abgenommen werden können, ohne die Scharfeinstellung und die Ausrichtung der Optik zu verändern. Wegen des großen Helligkeitsunterschieds zwischen der inneren Korona und ihren blassen strahlenförmigen Ausläufern kann keine einzelne Aufnahme der total verfinsterten Sonne den visuellen Eindruck richtig wiedergeben, denn das menschliche Auge erfasst einen wesentlich größeren Helligkeitsumfang als ein digitaler Fotosensor. Daher wird eine Aufnahmeserie mit sehr verschiedenen Belichtungszeiten benötigt, etwa von 1/500 Sekunde für die Protuberanzen nahe dem verfinsterten Sonnenrand bis zu einer viertel Sekunde für den Strahlenkranz, mit Sprüngen von etwa dem Faktor zwei. Diese Einzelfotos können später im Computer zu einem einzigen Bild mit dem vollen Helligkeitsumfang vereinigt werden (siehe »Hoher Dynamikbereich«). Als Empfindlichkeitseinstellung ist ISO 400 ein guter Kompromiss zwischen der Empfindlichkeit und dem Rauschen des Kamerasensors. Ob Feuersichel, Korona oder Stimmungsaufnahme: Die Redaktion freut sich über jedes gelungene Bild, das Sie unter spektrum.de/leserbilder/astronomie/ hochladen können. Bald kommt die nächste Gelegenheit Bereits am 2. August 2027 erhalten reiselustige Europäer eine weitere günstige Chance auf eine Sonnenfinsternis. In diesem Fall trifft der Kernschatten des Mondes nur die Südspitze Spaniens bei Gibraltar. Etwas günstiger gelegen sind die nördlichen Gebiete Marokkos bei Tanger. Dort kommt vor allem die nordwestliche Atlantikküste in Betracht. Hier weht sicher ein erfrischender Wind, was man von dem besonders sonnigen, aber dafür auch sehr heißen Ägypten weiter östlich nicht erwarten darf. Zwar fällt dort interessanterweise die Zentrallinie auf den Tempel von Luxor – mit einer rund sechs Minuten dauernden Totalität in eindrucksvoller Umgebung –, aber dieser historische Ort dürfte vermutlich Zehntausende Schaulustige anlocken. Im Übrigen ist die geografische Auswahl zur Beobachtung dieser Finsternis im nächsten Jahr recht begrenzt, denn weite Bereiche des Totalitätsstreifens fallen in gefährliche Bürgerkriegsgebiete. Genießen Sie daher das bevorstehende Ereignis am 12. August 2026. Wo immer Sie auch an diesem Tag sein werden: Wir wünschen Ihnen bestes Wetter für eine ungestörte Beobachtung und unvergessliche Eindrücke.

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