Sonnenfinsternis brachte Hunderte Schaulustige in Wuppertal zusammen
Von diesem Besucherandrang sind die Verantwortlichen im Carl-Fuhlrott-Gymnasium überrannt worden. Rund 300 Schutzbrillen waren am Mittwochabend zur Beobachtung der partiellen Sonnenfinsternis bereitgelegt worden – etwa die fünffache Menge wäre vermutlich notwendig gewesen, um alle Ankommenden mit einer solchen Brille zu versorgen. So groß war der Andrang, dass neben der Sternwarte auf dem Dach der Schule kurzfristig auch Klassenräume für Beobachter der Sonnenfinsternis geöffnet werden mussten. Und wem das alles zu viel war, der konnte von der Wiese am Jung-Stilling-Weg mit Blick gen Westen das Schauspiel auch gut beobachten. Von den Südhöhen bot sich auf jeden Fall ein deutlich besserer Blick als aus dem Tal. Angeboten wurde das Schauspiel von der Bergischen VHS. Und für alle, die sich noch einen theoretischen Überbau wünschten, bot der Leiter des Schülerlabors Astronomie, Michael Winkhaus, eine gut einstündige Einführung ins Thema. Schon da drängten sich etwa 60 Menschen in dem Labor zusammen, einige mussten die Ausführungen im Stehen verfolgen. „So voll war der Raum noch nie“, freute sich der Diplomphysiker. In seinem Vortrag schilderte Winkhaus zunächst, wie das Phänomen Sonnenfinsternis (wahlweise auch Sofi genannt) zustande kommt. Der Schatten des Mondes verdunkelt die Sonne – in einem Schaubild verdeutlicht, sieht man, wie der Mond in eine Linie zwischen Erde und Sonne rückt. Dass diese Verdunkelung nicht jeden Monat stattfindet, hänge damit zusammen, dass der Mond in einer Ellipsenbahn um die Erde kreist. Da stehe der Trabant in der Linie zwischen Erde und Sonne immer „etwas zu hoch oder etwas zu tief“, erklärte Winkhaus. Die Folge: Der Schatten des Mondes reicht nur selten bis zur Erde oder fällt überhaupt nicht auf sie. Zudem handele es sich bei der Sonnenfinsternis vom Mittwoch, wie sie von Deutschland aus beobachtet werden konnte, um eine partielle, also teilweise Verdunkelung der Sonne. Immerhin 88 Prozent des Fixsterns wurden von dem Halbschatten des Mondes verdunkelt. Eine totale Sonnenfinsternis, die durch den sogenannten Kernschatten verursacht wird, war am Mittwoch in Grönland, Island und Nordspanien zu sehen. Dabei sei eine totale Sonnenfinsternis nicht nur für den Beobachter spektakulär, sondern auch für Astronomen interessant, betonte Winkhaus. So könne man bei einer totalen Sonnenfinsternis „heranrasende Schatten“ beobachten, die bei der Verdunkelung der Sonne mit einer Geschwindigkeit von rund 1200 Stundenkilometern übers Land zögen. Auch die Corona der Sonne - also der Kranz der Sonne - ließe sich bei einer totalen Sonnenfinsternis gut beobachten. Die letzte totale Sonnenfinsternis war in Deutschland im Jahr 1999 zu erleben – zumindest in jenen Teilen, in denen damals keine Wolken den Blick versperrten. Und bis eine totale Sonnenfinsternis wieder in Deutschland für Aufmerksamkeit sorgt, wird es noch etwas dauern: Sie wird im Jahr 2081 erwartet. „Das können Sie sich schon mal vormerken“, scherzte Winkhaus. Der Diplomphysiker reicherte seinen Vortrag auch mit physikalischen Ausführungen oder kulturhistorischen Anmerkungen zum Thema „Sonnenfinsternis“ an, sorgte jedoch bei einigen Zuhörern auch für bange Blicke auf die Uhr, weil sie es nicht erwarten konnten, ihre Beobachterstation zu beziehen.