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Sonnenfinsternis: Jäger beschreibt Spektakel - "unfassbar schöner Anblick"

Wissenschaft

Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Rainer Kresken ist ein Jäger von totalen Sonnenfinsternissen. Seit 35 Jahren reist er an die Orte, wo sie am besten zu sehen sind – am Mittwoch nach Nordspanien. Ein Gespräch über die Faszination dieses Naturspektakels. Es ist eine ungewöhnliche Leidenschaft. Rainer Kresken führte sie schon nach Somalia und Sibirien. Der 64-Jährige ist ein sogenannter Eclipse Chaser, ein Jäger von totalen Sonnenfinsternissen. Um das Naturspektakel unter optimalen Bedingungen zu erleben, reisen diese Jäger an die entlegensten Orte. Kresken, der als Raumfahrtingenieur auch beruflich mit dem Weltall zu tun hat, packte die Faszination totaler Sonnenfinsternisse bereits 1991. Warum sie ihn nie losließ und was es für eine perfekte totale Sonnenfinsternis braucht, erzählt er im Interview. t-online: Herr Kresken, wie wird man zum Jäger von totalen Sonnenfinsternissen? Rainer Kresken: Mit einem gewissen Interesse an Naturwissenschaften und einem Erweckungserlebnis. Was war das bei Ihnen? Meine erste totale Sonnenfinsternis 1991 in Mexiko. Damals hatte mich ein Freund überredet, dorthin mitzukommen, und wir erlebten sie dann tatsächlich unter perfekten Umständen. Da hat es mich so gepackt, dass ich seitdem totalen Sonnenfinsternissen hinterherreise. Im Mondschatten: Wie Forscher die Sonnenfinsternis nutzen Wow-Effekt des Alls: Warum Himmelsphänomene so faszinieren Was war so perfekt an ihr? Sie hat fast sieben Minuten lang gedauert. Meine erste totale Sonnenfinsternis war damit wohl auch die längste meines Lebens. Warum das? Die Dauer einer totalen Sonnenfinsternis hängt von gewissen astronomischen Umständen ab: Der Größe des Mondes zum Beispiel, also wie nah er an der Erde ist. Der Mond wandert ja innerhalb eines Monats auf einer Ellipse um die Erde, seine Umlaufbahn ist also nicht immer gleich weit von ihr entfernt. Auch die Bahn, auf der die Erde um die Sonne kreist, ist elliptisch. Je weiter die Erde von der Sonne entfernt ist, umso kleiner wirkt sie und umso leichter kann der Mond die Sonne komplett verdecken. Damals war das einfach eine fast perfekte Konstellation, und die ist extrem selten. Das heißt? Eine so lange Sonnenfinsternis kommt vielleicht einmal im Jahrhundert vor, manchmal aber auch nur alle paar Jahrhunderte. Sind die astronomischen Umstände auch der Grund dafür, dass die letzte totale Sonnenfinsternis in Europa vor 27 Jahren zu sehen war? Genau. Ob und wo eine totale Sonnenfinsternis stattfindet, hängt davon ab, wann und wo sich die Umlaufbahn der Sonne und die des Mondes treffen. Beide haben nämlich zwei Schnittpunkte, weil sie nicht auf der gleichen Ebene liegen, sondern weil die des Mondes ein bisschen geneigt ist. Wo die totale Sonnenfinsternis zu sehen ist, hängt dann davon ab, auf welchen Teil der Erde der größte Teil des Mondschattens trifft. An diesem Mittwoch liegt er in Europa. Und wo genau? Der ideale Punkt für die totale Sonnenfinsternis liegt eigentlich im Atlantik bei Island. Island wäre daher ein idealer Ort. Dort reisen Sie also hin? Nein. Weil die Wettervorhersage dort nicht so gut war, habe ich mich für Nordspanien in der Nähe von Madrid entschieden. Auch dort verläuft die Linie, auf der die totale Sonnenfinsternis gut zu sehen ist. Zur Person Rainer Kresken (Jahrgang 1962) lebt in Darmstadt. Nach einem Maschinenbaustudium arbeitete er zunächst für einen Satellitenhersteller, bevor er zur Europäischen Raumfahrtagentur ESA wechselte. Dort arbeitet er in der Asteroidenabwehr und sucht den Weltraum nach potenziell gefährlichen Objekten ab. Im vergangenen November entdeckte er einen Kometen, der nach ihm benannt wurde: P/2025 W3 (Kresken). In seiner Freizeit reist er zu totalen Sonnenfinsternissen. Wie lange wird sie dieses Mal dauern? Etwas weniger als zwei Minuten. Und wo in Deutschland kann man die Sonnenfinsternis am besten sehen? In der Gegend des Schwarzwalds in Baden-Württemberg. Aber da eben nicht als totale Sonnenfinsternis, sondern nur als partielle. Wie viele totale Sonnenfinsternisse haben Sie denn schon gesehen? Elf. Zwei waren wegen schlechten Wetters nicht zu sehen. Für die eine war ich 2009 extra nach China gereist. Oh, das ist aber ärgerlich. Ja, das war sehr schade. Aber das kann passieren. Außer Ozeanien bin ich für totale Sonnenfinsternisse schon auf alle Kontinente gereist. Was ist so faszinierend daran, dass man so viel in Kauf dafür nimmt? Es ist ein unfassbar schöner Anblick, wenn der Mond die Sonnenscheibe komplett bedeckt. Dadurch wird die sogenannte Sonnenkorona sichtbar, also die heißen Gase, die die Sonne umgeben. Die Landschaft wird dann in ein unwirkliches Licht getaucht. Die Tiere reagieren darauf, sie verstummen plötzlich. Es ist, als ob die Welt minutenlang stillstünde. Einfach unbeschreiblich. Es gibt eine regelrechte Community der Jäger von totalen Sonnenfinsternissen, sogenannte Eclipse-Jäger … Ja, bestimmte Leute trifft man an den entsprechenden Spots immer wieder. Wie unterscheiden sich die echten Eclipse-Jäger von einfachen Schaulustigen? Das sind meist Wissenschafts-Nerds, die bereit sind, an die verrücktesten, unzugänglichsten Orte zu reisen. Manchmal liegt der ideale Punkt im Dschungel oder in Sibirien. Es gibt auch kommerzielle Anbieter, aber mit denen kommt man nicht an die idealen Spots. Echte Eclipse-Jäger organisieren ihre Reisen daher selbst und versuchen, so nah wie möglich an den besten Ort zu kommen, um so viel Zeit wie möglich herauszuschinden. Loading... Loading... Loading... Was war der verrückteste Ort, an den Sie für eine Sonnenfinsternis gereist sind? Das war 2001 in Sambia. Ich war da mit zwei Freunden, wir sind einfach hingeflogen und haben uns dann vor Ort mit einem Jeep bis zum besten Punkt durchgeschlagen. Der lag mitten im Busch bei einem Dorf. Die Menschen dort wussten davon gar nichts und waren total erstaunt, als wir es ihnen erzählten. Sie haben die Sonnenfinsternis dann mit uns zusammen angeschaut und waren begeistert. Wir hatten natürlich genug Spezialbrillen dabei, damit sie das unbeschadet mit uns anschauen konnten. Ohne Spezialbrille kann man beim Anschauen das Augenlicht verlieren. Was ist dabei genau zu beachten? Der gefährlichste Moment ist, wenn sich der Mond vor die Sonnenscheibe schiebt, also es nur eine partielle Sonnenfinsternis ist. In der Zeit muss man unbedingt die Brille tragen. Und bei der totalen Sonnenfinsternis nicht? Genau, da kann man sie abnehmen. Die ungefähre Dauer lässt sich vorausberechnen und wird auch meist veröffentlicht. Ich stelle mir immer einen Wecker. Aber man kann es auch wenige Sekunden vor dem Ende daran erkennen, dass am Rand der Sonnenscheibe sehr auffällige, knallrote Gasausbrüche zu sehen sind. Und wohin bringt Sie die nächste totale Sonnenfinsternis? Wahrscheinlich wieder nach Spanien. Im nächsten Jahr wird dort Anfang August erneut eine im Süden des Landes zu sehen sein. Noch mehr freue ich mich aber auf eine in zwei Jahren in Australien. Da will ich in jedem Fall hin. Aber jetzt hoffe ich erst einmal, dass das Wetter für die in Nordspanien mitspielt. Die Daumen sind gedrückt. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kresken.

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