Sonnenfinsternis mit Folgen: Berliner Charité behandelt fast ein Dutzend Menschen wegen Sehbeschwerden
Zur Sonnenfinsternis am Mittwochabend versammelten sich berlinweit Menschen auf den Straßen, in Parks und auf weitläufigen Plätzen, um das spektakuläre Himmelsereignis zu beobachten. Für einige Menschen, die keine entsprechende Schutzbrille nutzten, endete der Abend in der Notaufnahme: „In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurden im augenärztlichen Notdienst der Charité zehn Menschen mit Beschwerden nach der Beobachtung der Sonnenfinsternis behandelt“, teilte die Universitätsklinik am Donnerstag mit. „Da Symptome auch mit Verzögerung auftreten können, sind die Notaufnahmen darauf vorbereitet, dass sich in den kommenden Tagen weitere Betroffene vorstellen“, heißt es weiter. Bei einem Ausfall oder einer starken Einschränkung des Sehvermögens sollten Betroffene sofort den Notdienst kontaktieren. Auch an der Klinik für Augenheilkunde im Vivantes Klinikum Neukölln wurden am Mittwoch und Donnerstag insgesamt zehn Patientinnen und Patienten mit leichten Seheinschränkungen behandelt. „Das sind etwa 20 bis 30 Prozent mehr als sonst“, teilte eine Sprecherin des Krankenhauses mit. Sie konnten nach der Behandlung jedoch wieder entlassen werden. Ähnliches erlebte Christopher Wirbelauer, Ärztlicher Direktor der Augenklinik Berlin-Marzahn GmbH. Eigenen Angaben zufolge ist es die einzige auf Augenerkrankungen spezialisierte Rettungsstelle der Kassenärztlichen Vereinigung. Acht Menschen seien laut Wirbelauer in die Rettungsstelle gekommen, weil sie ohne Vorsichtsmaßnahmen kurz in die Sonne geschaut hatten und „beunruhigt“ waren. Besonders jüngere Menschen, etwa bis 35 Jahre alt, haben die Augenklinik aufgesucht. „Am Ende wurde bei allen festgestellt, dass sie 100 Prozent gesehen haben und keine Schäden aufgetreten sind“, sagt der Augenarzt dem Tagesspiegel. Sonne kann die Netzhaut verbrennen So wie die Haut bei längerer Zeit in der Sonne verbrennt, kann auch die Netzhaut im Auge verbrennen. „Die Sonne hat sehr energiereiches Licht. Wenn wir längere Zeit in die Sonne hineinschauen, kann es die Netzhaut beschädigen“, sagt Wirbelauer. Da es sich um Nervengewebe handelt, das sich nicht regeneriert, kann es im schlimmsten Fall zu einer starken, irreversiblen Sehschwäche kommen. Bei einem leichten Schaden könnte sich die Netzhaut wieder erholen, doch bei einer starken Schädigung und Verbrennungen helfe nichts: „Keine Tropfen, keine Medikamente, keine Operationen“, so der Experte. Ein solcher Schaden würde sich sofort bemerkbar machen, aber es könne sein, dass jemand es nicht direkt bemerkt, sagt der Augenexperte. „Wir können nicht ausschließen, dass auch noch morgen oder übermorgen Menschen zu uns kommen. Wir erwarten jedoch keine Massen.“ Bei einer Verbrennung der Netzhaut, würde sich die Sehkraft deutlich verschlechtern, sodass Betroffene beispielsweise keinen Text mehr lesen könnten. Doch von außen ist ein möglicher Augenschaden nicht zu sehen. Wer eine deutliche Sehverschlechterung bemerkt, sollte sich sofort in einer Augenarztpraxis oder einer Rettungsstelle untersuchen lassen. Um feststellen zu können, ob die Netzhaut geschädigt ist, muss der Arzt oder die Ärztin die Pupille erweitern. Nur so kann die Netzhaut untersucht werden. Dort können bereits nach kurzer Zeit Verbrennungsstellen sichtbar sein, die sich mit der Zeit bräunlich bis schwarz verfärben.