Sonnenfinsternis? Nur mit Schutzbrille!

Nation

Wer am 11. August 1999 nicht vorgesorgt hatte, als um die Mittagszeit die Sonne verschwand, war schlecht dran. Denn wer nachschauen wollte, wie das am Himmel aussah, so eine totale oder teils auch nur partielle Sonnenfinsternis, der musste sich vorab – ohne die Option sie im Internet zu bestellen und am nächsten Tag im Briefkasten vorzufinden - eine spezielle Sonnenfinsternis-Brille organisiert haben. Sonst: Sorry, Netzhaut kaputt. Und genau so eine Brille braucht man jetzt wieder. Denn am 12. August in den frühen Abendstunden wird es wieder so weit sein: Die Sonne wird durch den Mond verdeckt. Allerdings in Deutschland diesmal nur zu rund 85 bis 90 Prozent. Die stärkste Bedeckung gibt es im äußersten Südwesten, in Freiburg sind es gut 90 Prozent. In Berlin und Brandenburg 85. Die partielle Sonnenfinsternis in Berlin 2026 dauert 1 Stunde und 23 Minuten. 85 Prozent der Sonne sind zum Höhepunkt der Finsternis um 20:08 Uhr bedeckt. Der Mond schiebt sich ab 19:15 langsam vor die Sonne - und nur noch eine leuchtende Sichel knapp über dem Westhorizont bleibt sichtbar. Ab 20:38 Uhr wird die Sonne dann wieder ohne Einschränkung erstrahlen. Sofern das Wetter insgesamt mitspielt. Doch eine stabile Hochdrucklage, die häufig für sonniges Wetter und eine geringe Bewölkung sorgt, lässt hoffen. Das Bundesamt für Strahlenschutz warnt schon jetzt eindringlich, dass auch während einer partiellen Sonnenfinsternis der Blick in die Sonne ohne die schon erwähnte spezielle Sonnenfinsternis-Brille die Augen stark schädigen könne. Auch die hohe Abdeckung der Sonne während der Sonnenfinsternis durch den Mond in Deutschland oder die einsetzende Dämmerung seien keine Gründe, die Augen weniger gut zu schützen, betont Daniela Weiskopf vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Das BfS warnt auch vor Tipps, die etwa im Internet kursieren: Kein zuverlässiger Schutz für die Augen, sondern gefährlich seien etwa schwarze Filmstreifen, mit Kerzenruß geschwärzte Gläser, gefaltete Rettungsdecken, gewöhnliche Sonnenbrillen (auch mehrere übereinandergelegt), Schweißerbrillen oder Gletscherbrillen, Röntgenbilder und CDs. Ohne Schutz "erzeugen die von der Augenlinse gebündelten Sonnenstrahlen eine gezielte Hitze in der Netzhaut, die die Sehzellen in kürzester Zeit schädigen kann", erläuterte Hans Hoerauf von der Universitätsmedizin Göttingen, der dpa. Sie seien dann irreversibel nicht mehr funktionsfähig. Betroffene bemerken den Schaden oft erst Stunden später, wenn ein dunkler Fleck im Sichtfeld nicht mehr verschwindet. Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet, behielten nach früheren Sonnenfinsternissen rund zehn Prozent der Betroffenen dauerhafte Netzhautschäden. Sonnenfinsternis-Brillen sollten nach der europäischen Norm DIN EN ISO 12312-2:2015 mit entsprechender CE-Kennzeichnung versehen sein. Die Schutzbrille muss intakt sein und die Folie darf keine Kratzer, Löcher und Risse haben. Als hochgefährlich gilt übrigens auch die direkte Beobachtung der Sonne durch Ferngläser, Teleskope oder Kameras. Denn diese Geräte bündeln die Sonnenstrahlen zusätzlich. Für diese gibt es spezielle Filteraufsätze oder Folien. Wer die totale Sonnenfinsternis vom heimischen Sofa aus betrachten möchte, kann sie per Livestream der europäischen Raumfahrtbehörde (Esa) verfolgen. Mit Erläuterungen ist sie auch in der "TerraX"-Folge "Sonnenfinsternis über Mallorca" live zu sehen (20:15 bis 21:00 Uhr bei 3sat). Wer rausgeht, sollte sich für die Beobachtung einen etwas erhöhten Standort mit freiem Blick nach Nordwesten oder Westen suchen, da man von dort aus den Schatten des Mondes herannahen sehen kann. Das Zeiss-Großplanetarium in Berlin [www.planetarium.berlin] bietet am 12. August zur "Langen Nacht der Astronomie" ein Programm mit Live-Stream zur Sonnenfinsternis, Vorträgen, Workshops und anderen Mitmachaktionen. Zahlreiche Vereine und Experten laden auch in Brandenburg zur Astro-Nacht ein. Das Urania-Planetarium und der Nachbarschaftastsrsverein "StadtrandELFen" begleiten das Ereignis (und das anschließend am Nachthimmel zu sehende Perseidenmaximum) auf der Habichtwiese im Norden Potsdams [www.lange-nacht-der-astronomie.de]. Teleskope stehen dann bereit, auch ein Lagerfeuer und Musik soll es geben. Eine totale Sonnenfinsternis gibt es nur etwa alle 18 Monate - irgendwo auf der Erde. An einem bestimmten Ort sind sie sehr selten, da der Kernschatten mit einem Durchmesser von maximal rund 200 Kilometern sehr klein ist. Die bislang letzte totale Sonnenfinsternis war in Teilen Deutschland (in Berlin und Brandenburg war sie auch damals nur partiell) am 11. August 1999 zu sehen, die nächste wird erst am 3. September 2081 stattfinden. Die Sonnenfinsternis am 12. August 2026 wird nur auf einem nur knapp 300 Kilometer schmalen Bogen auf der Erde als totale Sonnenfinsternis zu sehen sein: an der Nordküste Sibiriens, der Ostküste Grönlands, quer über Island, in Nord-Spanien und den Balearen. So selten eine totale Sonnenfinsternis auch ist – die wichtigste Regel bleibt - auch im partiellen Fall - immer dieselbe: niemals ohne geeigneten Augenschutz in die Sonne schauen. Dass diese Expertise nicht immer beherzigt wird, zeigte ausgerechnet ein besonders prominenter Zuschauer bei der Sonnenfinsternis 2017. "Nicht hinschauen", rief einer seiner Mitarbeiter noch, aber da war es schon zu spät: In seiner ersten Amtszeit begab sich US-Präsident Donald Trump auf einen Balkon des Weißen Hauses, um die Sonnenfinsternis anzuschauen. Der Präsident blickte mit bloßen Augen zur Sonne und zeigte nach oben – obwohl er eine Sonnenfinsternis-Brille dabei hatte. Ob es ihm geschadet hat? Weiß der Himmel.

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