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Sonnenfinsternis, Sternschnuppenregen, Lange Nacht der Astronomie - die größte Himmelsshow des Jahres

Wissenschaft

12. August Erst Sonnenfinsternis, dann Sternschnuppenregen: Lange Nacht der Astronomie Stand: 30.07.2026 13:41 Uhr Am Mittwoch, dem 12. August, wird es spannend am Abendhimmel: Der Mond schiebt sich vor die Sonne und verdeckt über Magdeburg, Leipzig, Erfurt und Dresden zwischen 85,7 und 86,7 Prozent. Die Sonne steht dabei sehr tief, weshalb viele Sternwarten ihre Beobachtung an freie Aussichtspunkte verlegen. Mindestens 19 Veranstalter laden zum Mitschauen ein. Und nach Einbruch der Dunkelheit übernehmen die Perseiden mit bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde. von Robert Rönsch, MDR WISSEN Es gibt Abende, an denen lohnt sich der Blick nach oben besonders. Am Mittwoch, dem 12. August, ist so einer – und zwar gleich doppelt. Am frühen Abend schiebt sich der Mond vor die Sonne und verdeckt über Mitteldeutschland fast 86 Prozent der Sonnenscheibe. So tief war eine Sonnenfinsternis über Deutschland seit dem 11. August 1999 nicht mehr, und die nächste totale kommt erst 2081. Und wenn die Sonne untergegangen ist, übernehmen die Perseiden. Was am Abend des 12. August passiert Los geht es zwischen 19:16 Uhr in Magdeburg und 19:19 Uhr im Vogtland: Der Mond berührt den Sonnenrand, zunächst kaum zu bemerken. Danach wird es schnell deutlicher. Gegen 20:00 Uhr sind rund 70 Prozent der Sonne verdeckt, das Licht wirkt fahl und seltsam kühl. Das Maximum erlebt man fast überall zwischen 20:10 und 20:12 Uhr. Dann steht über Magdeburg, Leipzig, Erfurt und Dresden eine schmale Sonnensichel am Himmel, deren Spitzen nach unten zeigen. Verdeckt sind je nach Ort zwischen 85,2 Prozent (Weißwasser) und 87,1 Prozent (Sonneberg und Suhl). Ganz verschwinden wird die Sonne nicht, und wirklich dunkel wird es auch nicht – dafür reicht dieser Bedeckungsgrad nicht. Und dann kommt das, was so ein bisschen schade ist: Die Finsternis ist noch im Gange, wenn die Sonne untergeht. In Görlitz verschwindet sie schon um 20:27 Uhr hinter dem Horizont, da ist sie noch zu 56 Prozent verfinstert. Leipzig verliert sie um 20:38 Uhr bei 34 Prozent, Eisenach hat mit 20:46 Uhr am längsten etwas davon. Eine "angebissene" Sonne, die im Dunst versinkt – das dürfte das Bild des Abends werden, wenn man es denn sieht. Warum der Blick nach Westnordwest frei sein muss Im Maximum der Finsternis steht die Sonne nur noch 1,7 bis 4,1 Grad über dem Horizont. Zum Vergleich: Die Breite des kleinen Fingers am ausgestreckten Arm deckt etwa ein Grad ab. Es geht also um wenige Fingerbreit. Damit wird der Standort zum wichtigsten Aspekt. Wer nach Westnordwesten Häuser, Bäume oder einen Hügel vor sich hat, wird schlicht nichts sehen. Ein Aussichtsturm, ein Berg oder eine Brücke über freiem Land sind an diesem Abend mehr wert als jedes Teleskop. 85, 86 oder 88 Prozent? Warum die Angaben auseinandergehen Wundern Sie sich nicht, wenn Sie unterschiedliche Zahlen lesen oder hören – sie können alle stimmen. Astronomen geben meist die "Größe" der Finsternis an: wie tief sich der Mond, gemessen am Sonnendurchmesser, vor die Sonne schiebt. Das sind hier 0,88 – also 88 Prozent. Wer dagegen die bedeckte Fläche angibt, kommt auf einen kleineren Wert, in diesem Fall rund 86 Prozent. Fürs Erlebnis macht der Unterschied nichts aus. Ein Punkt, bei dem es keinen Spielraum gibt: In die Sonne schaut man nur durch eine geprüfte Sonnenfinsternisbrille nach der Norm ISO 12312-2. Sonnenbrillen, berußtes Glas, Rettungsfolie oder belichtete Filme schützen nicht. Auch eine zu 86 Prozent verdeckte Sonne ist noch so hell, dass die Netzhaut Schaden nehmen kann – ohne dass man dabei Schmerz spürt. Und niemals durch Fernglas oder Teleskop in die Sonne schauen, wenn nicht ein passender Filter vorn auf der Optik sitzt. Die Schutzbrille ans Okular zu halten, genügt nicht. Wer sich unsicher ist, ist bei einer der vielen professionellen Veranstaltungen in Mitteldeutschland am besten aufgehoben: Dort steht die passende Technik, und sie ist richtig vorbereitet. Wo Sie in Mitteldeutschland dabei sein können Weil die Sonne während der Finsternis so tief steht, wird dieser Abend für viele Sternwarten zum logistischen Problem. Die Sternwarte Zwickau kann von ihrem eigenen Gelände aus nichts sehen und baut an der Ebersbrunner Straße auf. Der Astroclub Radebeul verlegt seine Beobachtung komplett zur höher gelegenen Sternwarte Gönnsdorf. Crimmitschau fährt auf ein Freigelände bei Thonhausen, das Planetarium Kanena sucht noch einen geeigneten Platz. Und das Astronomiemuseum Sonneberg sagt seinen Gästen offen, dass die Finsternis vom Sternwartenberg aus kaum zu sehen sein wird – und macht den Abend kurzerhand zur Sternschnuppennacht. Anderswo wird aus der Finsternis ein Fest. An der Krabat-Mühle in Hoyerswerda-Schwarzkollm trifft Astrophysik auf die sorbische Sagenwelt, mit Basteltischen, Experimenten und dem Deutschen Zentrum für Astrophysik als Partner. Auf dem Bieleboh bei Beiersdorf, dem Berg der sorbischen Lichtgottheit Belobog, gibt es einen Klangkunsttag mit Konzerten bis Mitternacht. In Weißwasser lädt die Station für Technik, Naturwissenschaften und Kunst zum Familienfest am Turm am Schweren Berg, samt Radioteleskop zum Selberbauen. Der Eintritt ist fast überall frei. Aber eventuell ist die eine oder andere Veranstaltung mit begrenzter Teilnehmerzahl auch schon ausgebucht. Und dann kommen die Perseiden Wenn es nicht bewölkt ist, geht der Abend der Sonnenfinsternis in eine mutmaßlich hervorragende Sternschnuppen-Nacht über. Eine Sonnenfinsternis gibt es immer nur bei Neumond – und Neumond heißt: kein Mondlicht in der Nacht. Die Perseiden erreichen ihr rechnerisches Maximum am 12. August gegen 18:47 Uhr, die Nacht darauf ist damit die beste des Jahres, und sie ist stockdunkel. Nur beginnt sie später, als man vielleicht denkt. Wirklich dunkel wird es erst zwischen 22:56 Uhr in Dresden und 23:15 Uhr in Magdeburg, und schon gegen halb vier dämmert es wieder. Gut vier Stunden bleiben dazwischen zum Sternschnuppen-Erhaschen. Je später, desto mehr Sternschnuppen In dieser Zeit gilt: je später, desto besser. Der Ausgangspunkt der Sternschnuppen im Sternbild Perseus steigt von etwa 22 Grad um 21 Uhr auf 64 Grad um 4 Uhr, und mit ihm steigt die Zahl der sichtbaren Meteore. Unter perfektem Landhimmel sind bis zu 100 pro Stunde möglich, in der Stadt deutlich weniger. Wer gleich nach der Finsternis bleibt, bekommt etwas anderes zu sehen als der, der um drei Uhr kommt: In den frühen Stunden sind es wenige Meteore, dafür lange, gemächliche Spuren quer über den halben Himmel. Für alles zusammen gilt: kein Fernglas und kein Teleskop sind nötig. Am besten hinlegen, 20 Minuten die Augen an die Dunkelheit gewöhnen, Handy weglegen. Kurz danach ist der Mond dran Zum Schluss noch ein Termin, den man sich gleich mit notieren kann. Zu jeder Sonnenfinsternis gehört eine Mondfinsternis, rund zwei Wochen davor oder danach. Das ist pure Himmelsmechanik: Für eine Finsternis muss der Mond einen der beiden Punkte passieren, an denen seine Bahn die Erdbahnebene kreuzt – und bis er als Vollmond auf der anderen Seite steht, vergehen eben etwa zwei Wochen. Der Haken: Oft ist es beim Mond nur eine Halbschattenfinsternis, bei der sich der Mond kaum merklich verdunkelt – das ist bei knapp einem Drittel der Fall. Diesmal nicht. Am Morgen des 28. August wandert der Mond zu 94 Prozent in den Kernschatten der Erde, es fehlt also fast nichts zur totalen Mondfinsternis. Ab 4:33 Uhr ist das gut zu verfolgen, dann steht der Mond noch 14 Grad hoch in Westsüdwest. Und dann passiert etwas, das an den 12. August erinnert: Der verfinsterte Mond geht unter, ehe das Schauspiel zu Ende ist – zwischen 6:17 Uhr in Dresden und 6:28 Uhr in Erfurt, fast gleichzeitig mit dem Sonnenaufgang. Zweimal in diesem Sommer verschwindet also ein verfinstertes Gestirn hinter dem mitteldeutschen Horizont. Man sollte sich beide Male einen freien Blick suchen. Nur eine entscheidende Variable lässt sich leider nicht vorab berechnen: die Bewölkung.

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