Sorge vor neuer Lungenpest: Wadephul schlägt nach mysteriösem Tod in Russland Alarm
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Sorge vor neuer Lungenpest: Wadephul schlägt nach mysteriösem Tod in Russland Alarm
Von: Maximilian Kettenbach
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Pest-Alarm in Sibirien, ein mysteriöser Tod, 200 Menschen in Quarantäne – jetzt schaltet sich sogar Außenminister Wadephul mit einer Warnung an Putin ein.
Irkutsk – Nach dem mysteriösen Tod einer Laborantin in Sibirien schlägt Außenminister Johann Wadephul (CDU) Alarm. Hintergrund ist der Verdacht, dass die 28-jährige Mitarbeiterin eines Anti-Pest-Instituts in Irkutsk an der hochansteckenden Lungenpest gestorben ist – und ein zweiter Verdachtsfall im selben Institut aufgetaucht sein soll.
Wadephul fordert von Moskau volle Transparenz. „Die Welt hat Fragen, darauf schuldet Russland Antworten“, sagte der Minister Bild.de. Er schließt sogar „konsequente Reisebeschränkungen“ nicht aus, um Europa zu schützen: „Wir können und werden kein Risiko eingehen“, machte Wadephul deutlich.
Reagenzglas in Labor mit dem Erreger der Lungenpest soll zerbrochen sein
Auch US-Präsident Donald Trump schaltet sich ein: Er kündigte an, wegen des Falls mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefonieren zu wollen. Spekulationen, die Frau könnte an der Pest als Biowaffe gearbeitet haben, wies Trump zurück. Auf eine entsprechende Frage im Weißen Haus sagte er: „Nun, das glauben wir nicht.“
Russischen Medien zufolge zerbrach am 25. September in dem Labor ein Reagenzglas mit dem Erreger der Lungenpest. Vier Tage später kam die Laborantin ins Krankenhaus, wo sie wenig später starb. Rund 200 Kontaktpersonen sollen unter Quarantäne gestellt worden sein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert seither Aufklärung von Russland. Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach von „Falschinformationen“ hinsichtlich des „überwiegenden Teils dessen, was die Medien in diesem Zusammenhang berichten“.
Die russischen Behörden bestätigten den Pest-Tod bislang nicht. Der Gouverneur der Region Irkutsk, Igor Kobsew, erklärte am Donnerstag, die Frau sei an einer „Lungenentzündung“ gestorben. Man habe „keine Gesundheitsprobleme im Zusammenhang mit einer Infektionskrankheit“ festgestellt, die medizinische Überprüfung aller Kontaktpersonen sei „abgeschlossen“. Die „sanitär-epidemiologische Lage in Irkutsk und Schelechow ist stabil“, so Kobsew unter Berufung auf die Gesundheitsbehörde Rospotrebnadsor.
Kevin Esvelt, Biologieprofessor am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), glaubt der offiziellen Darstellung nicht. In einem viel beachteten X-Thread schrieb er: „Russlands Quarantäne von fünf Krankenhäusern, die Beteiligung des FSB und der gemeldete Einsatz von Schutzanzügen sind unvereinbar mit einer im Labor erworbenen Pestinfektion – die wäre mit prophylaktischen Antibiotika behandelbar gewesen.“
Pest-Entwarnung für Europa?
Neben der WHO hatten zuvor auch die USA und die EU Besorgnis geäußert und Russland zu Transparenz aufgefordert. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus forderte die russische Führung auf, „Licht in die Medienberichte über einen zweiten Mitarbeiter zu bringen, der an einer Lungenentzündung ungeklärter Ursache erkrankt ist“.
Experten geben derzeit weitgehend Entwarnung für Deutschland und Europa. Professor Roman Wölfel, Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr, sieht „derzeit keine unmittelbare Gefahr“, da sich die Lungenpest – anders als etwa Corona – nicht leicht übertrage, sondern nur bei engem Kontakt. Auch für die Biowaffen-Spekulationen sieht er keine Belege: „Dafür bräuchte man sehr viel weitergehende mikrobiologische, epidemiologische und forensische Befunde.“ Immunologe Andreas Radbruch von der Charité Berlin hält eine Epidemie ebenfalls für unwahrscheinlich: In Deutschland gebe es seit Jahren keine Pestfälle.
SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte der „Rheinischen Post“: „Für die Bevölkerung in Europa besteht jedoch derzeit kein erhöhtes Risiko.“ Russland sei aber zur Kooperation mit der WHO „verpflichtet“. Transparenz und schnelles Handeln seien „das Wichtigste zur Vermeidung von Epidemien“: „Wenn wir eines aus der Corona-Zeit gelernt haben, dann ist es genau das.“
Die Pest gilt heute als behandelbar, kann unbehandelt aber schnell tödlich enden – vor allem in ihrer Lungenform. (Quellen: afp/dpa/bild)