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Spanien winkt der WM-Titel - die Gründe des Erfolgs liegen im Nachwuchs

Sport

Dominanz ist kein Zufall Hinter Spaniens Erfolg steckt auch ein Deutscher Von Jan Schultz 19.07.2026 - 11:58 UhrLesedauer: 5 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Spaniens Nationalmannschaft dominiert den Weltfußball über die Altersklassen und Geschlechter hinweg. Der Erfolg ist kein Zufall. Zu den Wegbereitern zählt auch ein Deutscher. Wenn am Sonntagabend vor den Toren New Yorks Argentinien und Spanien im WM-Finale aufeinandertreffen, wollen zwei hochgradig dekorierte Fußballnationen einen weiteren großen Titel einfahren. Die Südamerikaner haben in den vergangenen fünf Jahren einen WM-Titel und zweimal die Copa América gewonnen. Die Erfolgsbilanz der Spanier mutet sogar noch beeindruckender an, denn sie geht weit über die Triumphe der Herrennationalmannschaft bei der EM 2024 oder in der Nations League 2023 hinaus. Die Frauen sind bereits amtierender Weltmeister, unterlagen im EM-Finale im Vorjahr nur unglücklich England im Elfmeterschießen (1:3). Die Jugendauswahlteams räumen über sämtliche Jahrgänge und Geschlechter hinweg praktisch jährlich Titel ab, zuletzt gewannen die U19-Nationalmannschaften binnen 24 Stunden beide EM-Titel. Der Erfolg hat System. Und dieses fußt auf einer ebenso durchdachten wie vereinheitlichten Arbeit im Nachwuchs. "Jeden Tag Medikamente": Warum Yamals Vater nicht zum WM-Finale reist Nach Abschied von Man City: Pep Guardiola spricht über Zukunft Schon 2010 erklärte Fernando Hierro, damals Spaniens Sportdirektor, die Grundlage der vielen Siege. "Die Philosophie des spanischen Fußballs ist es, unsere Spieler von Anfang an mit unserer eigenen Persönlichkeit zu entwickeln, mit unserer Art, Fußball zu spielen", sagte der langjährige Nationalspieler. Es sei Spaniens "große Philosophie, auf den Erfolgen des Jugendfußballs aufzubauen". Der Nachwuchs ist das Herzstück des spanischen Fußballs. Schon in jungen Jahren erlernen die Spieler die wichtigsten Elemente für das moderne Spiel. Der Fokus liegt auf Technik, Passspiel, taktischen Grundlagen, Teamwork und vor allem auf der Entwicklung von Spielintelligenz. Physische Attribute rücken in den Hintergrund. Die Iberer bilden ihre Jugend nach dem Motto aus, dass selbst der kleinste Spieler jeden Gegner besiegen kann, wenn er klug genug ist. Xavi und Andrés Iniesta wiesen dies schon vor 16 Jahren nach, heute zeigen es Dani Olmo oder Pedri. Durch Funino erlernen spanische Kinder früh wichtige Fähigkeiten "Wir wollen, dass die Spieler einen klaren Kopf haben und psychisch sowie emotional stabil sind", erklärte Ginés Meléndez, einst Technischer Direktor des spanischen Verbands. Zur Entwicklung der Fähigkeiten dienen vor allem Kleinfeldvarianten in den Anfangsjahren, Funino spielt dabei eine besonders große Rolle. Auf einem deutlich verkleinerten Feld treten die Kinder im Drei-gegen-Drei an, in beiden Hälften stehen je zwei Mini-Tore. Dazu gibt es zwei Torzonen, aus denen Treffer erzielt werden dürfen. Das kleinere Feld führt zu deutlich mehr Ballaktionen der Kinder, was Spaß, Teilhabe und technische Fähigkeiten fördert. Teilhabe und Spaß werden aber auch durch eine Vorgabe garantiert: Im spanischen Nachwuchs müssen in jedem Spiel sämtliche Spieler eingesetzt werden, andernfalls drohen dem Verein Geldstrafen. Empfohlener externer Inhalt Wir benötigen Ihre Einwilligung, um den von unserer Redaktion eingebundenen X -Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren X -Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren. X-Inhalte immer anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen. Bei Funino stehen die Kinder durch die zwei zu bespielenden respektive verteidigenden Tore in jedem Moment vor mindestens einer Entscheidung, können ihre Gegner aber auch jederzeit überraschen. Das prägt die Entscheidungsfreude sowie die Kreativität. Horst Wein, der das Format 1990 erfunden hat, bezeichnete es als "Renaissance des Straßenfußballs". Obwohl der Erfinder Deutscher war, spielte Funino beim DFB lange keine Rolle. Erst zur Saison 2024/25 wurde es verpflichtend eingeführt. In Spanien hingegen ist es seit Jahrzehnten ein zentraler Baustein in der Nachwuchsarbeit. Doch die Iberer setzen auch auf andere Formate, bei denen die Verkleinerung des verfügbaren Raums als zentraler Hebel zur Förderung technischer Fähigkeiten sowie des peripheren Sehens im Zentrum steht. Viele Kinder spielen zunächst Futsal, also Hallenfußball. Spaniens Fußballer spielen nach denselben Prinzipien Dazu kommen über alle Altersklassen hinweg Rondo-Formate. Mehrere Spieler stehen im Kreis, passen sich den Ball zu. Eine Minderheit jagt innerhalb des Kreises der Kugel hinterher. "Alles, was im Fußball passiert, passiert in einem Rondo", sagte Pep Guardiola einst. Während es in Deutschland zumeist als klassisches Aufwärmspiel dient, trainieren die Spanier in unterschiedlichen Rondo-Formaten diverse Spielsituationen. Trotz der Vielzahl an spielerischen Formen mangelt es nicht am Wettbewerbsgedanken. Ab dem Alter von zwölf Jahren treten die Kinder bei nationalen Meisterschaften mit Regionalauswahlen an. Die Scouts der großen Teams schauen dort besonders genau hin. Im Video | Spaniens Wunderkind verzückt das Stadion Player wird geladen Neben den landesweit einheitlichen Spielformen ist der spanische Fußball in weiten Teilen auch von einem Spielstil geprägt, der auf dieselben Prinzipien setzt. Es sind Prinzipien, die sich auch in den A-Nationalmannschaften zeigen, wie Thierry Henry rund um das Halbfinalduell mit Frankreich analysierte. "Vertrau deinen Mitspielern, lass den Ball laufen. Sie bewegen sich, um den Gegner zu locken. Einer rückt raus, ein anderer zurück", beschrieb er die Abläufe, die gleichermaßen in der Jugend wie bei den Profis gelten. Loading... Loading... Loading... Die einheitliche Linie bei den Prinzipien zeigt sich an einer hohen Durchlässigkeit in La Liga, sie zeigt sich aber auch unmittelbar in der Nationalmannschaft. "Es ist egal, ob Álex Baena oder Nico Williams spielt. Sie wissen, was sie zu tun haben, seitdem sie neun Jahre alt waren. Es ist egal, wer reinkommt. Es kann die erste Weltmeisterschaft für einen Spieler sein – er kennt das System trotzdem", erklärte Henry. "La Masia" ist Spaniens Aushängeschild – aber auch ein Symbol Diese einheitliche Linie gilt über sämtliche Nachwuchsakademien Spaniens hinweg. So ist es auch kein Zufall, dass der aktuelle WM-Kader Spieler aus den Akademien des ganzen Landes stellt: Die Madrider Klubs, die baskischen Klubs, die Regionen Sevilla und Valencia sowie die Kanaren haben allesamt Nationalspieler ausgebildet. Der größte Block kommt aber immer noch aus Barcelona. Bei aller Einheitlichkeit bleibt "La Masia", die Akademie des FC Barcelona, das Aushängeschild der Nation. Aber auch ein Symbol. Jordi Cruyff, Sohn der niederländischen Fußballlegende Johan und Ex-Spieler der Katalanen, skizzierte die Herangehensweise beim FCB. "Es interessiert hier nicht, wie kräftig ein Junge ist, wie lange er rennen kann. Es interessiert nur: Was kann er mit dem Ball. Darauf ist die ganze Ausbildung ausgerichtet: Technisch einmalige Spieler hervorzubringen." Wie generell in Spanien. Jugendtrainer Laureano Ruiz sprach sich schon in den 70er-Jahren dafür aus, dass alle Jugendteams in Barcelona denselben Stil spielen. Ab 1988 setzte Johan Cruyff dies um. Seit 2008 erntet auch die Nationalmannschaft die Früchte dieser Arbeit. Dass es zwischen 2014 und 2022 weniger erfolgreich verlief, führte zu keinen tiefgreifenden, strukturellen Veränderungen. Es sind eher Details, die Nationaltrainer Luis de la Fuente in der Arbeit mit der Mannschaft anders handhabt. Der Coach ist selbst ein Produkt der spanischen Fußballausbildung. Er durchlief als Trainer zahlreiche Jugendnationalmannschaften, kennt die Abläufe bestens. Andere Trainergrößen wie Pep Guardiola, Luis Enrique oder Xabi Alonso sind für ihre genialen, bahnbrechenden Ideen bekannt. Auch sie sind in dem System aufgewachsen, das auf kluge Fußballköpfe abzielt. Klopp könnte Deutschland zu einer einheitlichen Linie verhelfen Mit seinem holistisch und einheitlichen Ansatz ist der spanische Fußball ein Vorbild für andere Nationen, auch für Deutschland. So deutete Thomas Müller bei MagentaTV an, dass er vom designierten Bundestrainer Jürgen Klopp eine einheitliche Spielidee über die Altersklassen hinweg erwartet. "In seiner Rolle muss er Mannschaften strukturieren und Strukturen in mehreren Teams formen", sagte der Weltmeister von 2014. Klopp selbst betonte, dass ihm "nie nur die erste Mannschaft wichtig" war. "Es geht um die Zukunft der kompletten Nummer. Da geht es um Struktur." Mit Veränderungen "können wir bei der U10 anfangen". Ein Eingriff in der Altersklasse zeigt sich aber frühestens in zehn Jahren. "Wenn im Jugendfußball gute Arbeit geleistet wird, wird man dafür belohnt", weiß Spanien-Ikone Hierro. "Dieser WM-Titel ist Anerkennung für alle, die über all die Jahre mit den jüngsten Spielern gearbeitet haben." Das war 2010. Es könnte aber auch 2026 gelten. Und es könnte auch in den kommenden Jahren gelten.

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