Spanische Exklave Ceuta: Hunderte Migranten klettern über Grenzzaun in spanische Exklave Ceuta
Hunderte Migranten sind auf dem Seeweg aus Marokko in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika angekommen. In den vergangenen Tagen seien etwa 1.500 Menschen nach Ceuta geschwommen, sagte der Präsident des Gebiets, Juan Jesús Vivas. Zugleich meldete die amtliche spanische Nachrichtenagentur Efe die Ankunft von Hunderten Jugendlichen, die über den Grenzzaun zwischen Marokko und Ceuta kletterten. Auf Bildern war demnach zu sehen, dass die Sperranlage zu jenem Zeitpunkt nicht von der Polizei überwacht wurde. Marokkanische Einsatzkräfte zogen sich zurück, als die Migranten die Grenze passierten. Einige riefen einem Fotografen, der für die Nachrichtenagentur AP filmte, »Viva España!« zu. Nach Aktivistenangaben sollen die Menschen zumeist aus Marokko stammen. Auch einige Algerier seien unter den Migranten. »Totaler humanitärer und sozialer Notstand« Gebietspräsident Vivas hatte zuvor den Radiosendern Cadena SER und Onda Cero gesagt, die Aufnahmezentren seien überlastet. Hunderte Migranten schliefen im Freien. »Wir befinden uns in einer Situation des totalen humanitären und sozialen Notstands«, sagte Vivas. Er verwies zudem darauf, dass in den vergangenen Monaten 60 Leichen aus dem Meer geborgen worden seien. Stärkere Kontrollen würden weitere Todesfälle vermeiden, sagte er. Aktuell gelangten im Schnitt täglich rund 300 Migranten nach Ceuta. Wenn sich der starke Andrang fortsetze, könnte es in der Exklave zu einer ähnlichen Situation kommen wie im Mai 2021, als innerhalb weniger Tage 10.000 Menschen kamen, warnte Jesús Viva. Er forderte die Regierung in Madrid auf, angesichts der Lage den Notstand auszurufen und das Militär zu entsenden. Spanien will Kontrollen verstärken Das spanische Innenministerium teilte mit, verschiedene Ministerien gingen »koordiniert« vor, um »mit größtmöglicher Schnelligkeit und Effizienz auf die Situation in Ceuta zu reagieren«. Die Regierung in Madrid habe ihre Ressourcen aufgestockt, »um die Sicherheit und die Kontrolle der Migration sowie die notwendige humanitäre Hilfe zu gewährleisten, damit auf See keine Menschenleben gefährdet werden«. Ceuta hat ebenso wie die spanische Exklave Melilla die einzige Landgrenze der EU mit Afrika. Ceuta gilt seit Jahren als einer der wichtigsten Zugangspunkte für Migranten mit Ziel Europa. Immer wieder versuchen Menschen, von Marokko aus schwimmend oder über die Grenzanlagen in die spanische Exklave und damit auf EU-Gebiet zu gelangen. Als Auslöser der jüngsten Ankünfte gilt ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs vor zwei Wochen: Es verbot sogenannte Pushbacks, also sofortige Zurückweisungen von Migranten, die schwimmend nach Ceuta oder Melilla gelangen, ohne dass zuvor ihr Fall in einem Verfahren geprüft wird.