Spanische Psychologin: „Lamine Yamal ist ein klares Beispiel dafür, dass wir, wenn wir unsere Wurzeln mit Stolz annehmen, unser Selbstverständnis stärken.”
Lamine Yamal gilt als eines der größten Talente in der Fußballwelt – und ist gerade erst 19 Jahre alt geworden. 2024 wurde er mit Spanien Europameister, jetzt steht er mit seiner Mannschaft im Finale der Weltmeisterschaft 2026. Während der Spiele trägt Lamine Yamal ein Haarband – nicht nur, um seine Locken zu bändigen, sondern vor allem, um eine wichtige Botschaft zu senden. Auf dem Band ist „Rocafonda“ zu lesen. Und wenn der 19-Jährige ein Tor erzielt, zeigt er die Zahlen „304“. Das sind die letzten Ziffern der Postleitzahl von Rocafonda. Lamine Yamal ist stolz auf seine Herkunft Die spanische Psychologin Leticia Martín Enjuto erklärt gegenüber der Online-Zeitung „Lecturas“, dass diese Gesten weit mehr als nur ein Symbol sind. Geboren als Sohn von Einwanderern aus Marokko und Äquatorialguinea, wuchs er im bescheidenen Viertel Rocafonda in der katalonischen Küstenstadt Mataró auf. Dieses Umfeld prägte nicht nur seinen Charakter, sondern ist bis heute ein zentraler Bestandteil seiner Identität. „Die Nachbarschaft, in der wir aufwachsen, ist nicht nur ein physischer Ort; sie ist ein emotionaler Raum, in dem wir lernen, wie Beziehungen, Anstrengung, Solidarität, Chancen und manchmal auch Schwierigkeiten funktionieren. All das wird schließlich Teil dessen, wer wir sind“, beschreibt Enjuto. ANZEIGE ANZEIGE Auch Lamine Yamal selbst macht immer wieder deutlich, wie sehr ihn seine Herkunft geprägt hat. In einem Interview mit dem US-amerikanischen Nachrichtenmagazin „60 Minutes“ sagte er über sein Viertel: „Wie viele benachteiligte Viertel ist Rocafonda vergessen. […] Wir kämpfen so hart wie wir können, um gut zu leben, und wir genießen es gemeinsam. Wir wissen, woher wir kommen, und wir sind stolz darauf.“ Eltern starten neues Leben in Katalonien Seine Eltern kamen auf der Suche nach einem besseren Leben nach Katalonien und gründeten dort eine Familie. Doch ihre Beziehung scheiterte, als Lamine vier Jahre alt war. Trotz der Herausforderungen entwickelte er eine tiefe Verbundenheit zu seiner Herkunft. „Es gibt einen gesellschaftlichen Druck, der manchmal dazu verleitet, sich von dem zu distanzieren, was als bescheiden gilt, um in privilegiertere Kreise zu passen. Lamine Yamal bricht jedoch mit dieser Erzählung und tut genau das Gegenteil: Er macht seine Wurzeln zu einem Grund für Stolz“, erklärt die Psychologin. Außerdem erinnere Lamine Yamal uns daran, dass aus psychologischer Sicht die stabilste Identität nicht die ist, die die Vergangenheit auslöscht, sondern die, die „es schafft, sie zu integrieren“. Genau das gelinge ihm offenbar besonders gut, sagt Enjuto Eine Botschaft für die nächste Generation Mit seiner bewussten Art, sich zu seinen Wurzeln zu bekennen, setzt der 19-Jährige auch ein Zeichen für Kinder und Jugendliche weltweit. Er zeigt, dass die Herkunft nicht bestimmt, wohin ein Leben führt. Seine Postleitzahl „304“ und das Haarband mit der Aufschrift symbolisieren weit mehr als einen Ort. Sie stehen für Zugehörigkeit und den Glauben an die eigenen Möglichkeiten. Damit ist Lamine Yamal Tausenden ein Vorbild – unabhängig davon, welche Herausforderungen sie bewältigen müssen.