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SPD in Umfrage bei 32 Prozent: Das Phänomen Manuela Schwesig

Nation

Spätestens ab Montag werden sich viele Augen auf Mecklenburg-Vorpommern richten, wo am 20. September der Landtag gewählt wird. Hier zeichnet sich, ganz anders als in Sachsen-Anhalt, ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und AfD ab.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat damit gute Chancen, ihr Amt zu verteidigen. 32 Prozent wollen für die SPD stimmen, wie Infratest dimap für den NDR ermittelt hat. Das sind drei Prozentpunkte mehr als noch im Juli. Schwesig verringerte damit den Abstand zur vorn liegenden AfD (35 Prozent, im Juli 36 Prozent) auf drei Prozentpunkte.

Anders als in Sachsen-Anhalt, wo die AfD fast doppelt so stark ist wie die CDU, kommt es im Nordosten nun also zu einem Duell um den ersten Platz. Der jüngsten Umfrage nach kann Schwesig Sympathisanten von CDU und Linken für sich gewinnen. Beide Parteien verloren jeweils einen Prozentpunkt – die Linke auf elf Prozent, die CDU auf acht Prozent.

Die Grünen stagnieren bei fünf Prozent, das BSW bei vier Prozent. Die FDP wird nicht ausgewiesen. Während in Sachsen-Anhalt zuletzt die kleinen Parteien der politischen Mitte punkten, geschieht im Nordosten das Gegenteil.

Auf Basis der aktuellen Umfrage hätte eine Regierung aus SPD, Linken und Grünen eine Mehrheit. Die AfD ist, anders als in Magdeburg, weit von einer absoluten Mehrheit entfernt. Sollte die SPD am Ende gar stärkste Kraft werden, die rot-rote Koalition eine parlamentarische Mehrheit erzielen?

Der außergewöhnliche 32-Prozent-Umfragewert beruht primär auf dem Phänomen Schwesig. Die 52-Jährige ist seit 2017 Regierungschefin, führt seit 2021 eine Koalition mit der Linken. Schwesig ist weithin bekannt, war einst Bundesfamilienministerin und SPD‑Vize. Der Wahlkampf ist voll auf sie ausgerichtet, das Kürzel SPD wird kleingehalten.

Bei der Direktwahl-Frage kommt Schwesig auf 60 Prozent, ihr Herausforderer Leif-Erik Holm (AfD) auf 25 Prozent. Schwesig genießt also Sympathien weit über ihre eigene Anhängerschaft hinaus, Holm hingegen kommt auf weniger Zustimmung als seine Partei.

Schwesig hat sich ein Image als Landesmutter, als „Kümmerin“, aufgebaut. Vor Kritik an den eigenen Leuten in der Bundesregierung scheut sie nicht zurück, was im Land gut ankommt. Als erste Ministerpräsidentin kritisierte sie am 23. Juni die Abschaffung der „Rente mit 63“.

Die von ihr betriebene und 2021 geschaffene „Klimastiftung“, finanziert aus russischem Geld, hat ihr im eigenen Land nicht geschadet. Seit Russlands Vollinvasion 2022 ist Schwesig eine entschiedene Unterstützerin der Ukraine. Ihr Land und ihre Landespartei regiere sie mit harter Hand, in Sitzungen trete sie extrem selbstbewusst auf, heißt es in der SPD nicht ohne Anerkennung.

Kein Wunder: Krass erscheinen die Umfragewerte für die SPD Mecklenburg-Vorpommern erst recht im Vergleich mit dem Dauertief der Sozialdemokraten im Bund (zwölf Prozent).

Seit Monaten wird darüber spekuliert, ob Schwesig die glücklosen SPD-Vorsitzenden Bärbel Bas und Lars Klingbeil ablösen wird. Nach der Landtagswahl wird sie jedoch aller Voraussicht nach erst einmal eine neue Regierung bilden müssen. Eine rasche Übernahme des SPD-Vorsitzes käme bei den Mecklenburgern und Vorpommern kaum gut an.

Und im kommenden Jahr? Da mag die Lage noch einmal anders sein, erst recht, sollte die SPD etwa die NRW-Wahl am 25. April 2027 verlieren.

Die mächtigste Frau der SPD wäre Manuela Schwesig nach einem Wahlsieg bereits in gut zwei Wochen – ganz ohne Amt in Berlin.

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