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SPD, Linke und Grüne wollen Koalitions-Verhandlungen aufnehmen

Nation

Stand: 09.10.2026 16:50 Uhr

Nach zwei Wochen intensiver Sondierungsgespräche schlagen die drei Parteien ihren Gremien vor, einen Koalitionsvertrag zu verhandeln. Das Ergebnis der Sondierung legt bereits wesentliche Grundzüge fest.

von Michael Seidel

Zwei Wochen lang haben SPD, Grüne und Linke in Mecklenburg-Vorpommern hinter verschlossenen Türen sondiert und offenbar genügend Gemeinsamkeiten gefunden, um zusammen in Mecklenburg-Vorpommern eine Landesregierung für die nächsten fünf Jahre auf die Beine zu stellen. Ein gemeinsames Abschlusspapier zu den Sondierungsgesprächen enthält bereits detaillierte Eckpunkte für einen Koalitionsvertrag sowie einige sehr konkrete Vorhaben.

Mehr Bürgerbeteiligung, Bürgerräte und Volksbefragungen

Zentrales Ziel ist nach Aussage aller drei Parteien die Stärkung der Demokratie durch mehr Bürgerbeteiligung. Unter anderem sollen Bürgerdialoge wie auch die Bürgermeisterkonferenzen fortgesetzt werden. Zusätzlich will das Bündnis Bürgerräte einrichten, unter anderem bei der Ministerpräsidentin. Aber auch Fachdialoge zu einzelnen Gesetzen, intensivierte Dialogformate mit Verbänden und die Durchführung von "konsultativen Volksbefragungen" sind geplant, heißt es im Einsetzungsbeschluss.

Parlamentarischer Untersuchungsausschuss und Enquetekommission geplant

Eine Zusammenarbeit mit der AfD lehnen alle drei Parteien entschieden ab. Stattdessen soll gleich zu Beginn der neuen Wahlperiode ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss (PUA) "Rechtsextreme Netzwerke und Parlamentarische Verbindungen in Mecklenburg-Vorpommern" eingesetzt werden. Das wäre bereits der zweite, nachdem schon die AfD einen PUA zur Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen der Landesregierung angekündigt hatte. Die AfD hat genügend eigene Stimmen, um einen solchen Ausschuss durchzusetzen. SPD, Linke und Bündnisgrüne wollen darüber hinaus eine Enquetekommission, also ein Gremium aus Abgeordneten und externen Experten, einsetzen. Diese Kommission soll der neuen Regierung Handlungsempfehlungen zum Thema Krisenvorsorge und Bevölkerungsschutz erarbeiten.

Eigene Landesförderbank und strikter Bürokratieabbau durch Digitalisierung

Grundlage aller Regierungsarbeit sei die Handlungsfähigkeit des Staates auf allen Ebenen. Das soll durch konsequente Digitalisierung, energischen Bürokratieabbau und solide Finanzpolitik erreicht werden, heißt es im Einsetzungsbeschluss. Die Wirtschaft soll einerseits entlastet werden, andererseits will die künftige Koalition am Tariftreuegesetz festhalten. Kleine und mittelständische Firmen stünden gleichermaßen im Fokus wie die Industrie. "Mit Investitionen, Innovationen und Bürokratieabbau werden SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen die Wirtschaft, Beschäftigung, soziale Gerechtigkeit stärken und Nachhaltigkeit fördern sowie Umwelt und Natur schützen."

Statements der Verhandlungsführenden

Die SPD-Landesvorsitzende Manuela Schwesig, die zu den Sondierungsgesprächen eingeladen hatte, sagte: "Die Sondierungen haben gezeigt, dass uns Themen und Ziele verbinden, die unser Land jetzt braucht: eine starke Wirtschaft und gute Arbeit, ein bezahlbares Leben und Zusammenhalt in der Gesellschaft. Wir wollen mehr sein als ein Bündnis aus drei Parteien, nämlich eine Koalition für ganz MV."

Linken-Parteichef Hennis Herbst ergänzte: "Uns eint die Überzeugung, dass Mecklenburg-Vorpommern einen Politikstil braucht, der auf demokratische Beteiligung setzt und alle Menschen mitnimmt." Das Sondierungspapier stelle ihre konkreten Bedürfnisse in den Mittelpunkt - von mehr Wohnheimplätzen für Auszubildende und Studierende über den Erhalt aller Krankenhausstandorte bis hin zu besseren Bedingungen in unseren Kitas und Schulen. "Damit legen wir bewusst einen anderen Schwerpunkt als die Bundesregierung", betonte Herbst. "Statt sozialer Kürzungen setzen wir auf soziale Gerechtigkeit und zeigen, dass auch unter schwierigen Bedingungen eine Politik möglich ist, die den Zusammenhalt stärkt und niemanden zurücklässt."

Claudia Müller, die Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen, sagte: "Wir wollen und werden gemeinsam Verantwortung für die Zukunft unseres Landes übernehmen." Das Wahlergebnis biete die Chance, Mecklenburg-Vorpommern verlässlich, vertrauensvoll und auf Augenhöhe mit den Bürgerinnen und Bürgern weiterzuentwickeln. "Unterschiedliche politische Vorstellungen nutzen wir als Stärke, um in gemeinsamen Beratungen das Beste für Mecklenburg-Vorpommern zu erreichen."

Dreier-Koalition gegen starke Alleinopposition

Das Ergebnis der Sondierung kam nicht überraschend. Die drei Sondierungspartner hatten kaum eine andere Wahl. Bei der Landtagswahl am 20. September wurde die AfD stärkste Kraft. Mit 32 Sitzen hat sie jedoch keine Mehrheit im 71 Parlamentarier umfassenden Schweriner Landtag - und ein Partner fehlt ihr. SPD (29), Grüne (5) und Linke (5) verfügen zusammen über mehr als die Hälfte der Sitze. Wollen sie keine Minderheitsregierung riskieren, müssen sie sich zusammenraufen.

Verletzungen aus dem Wahlkampf verwunden

Trotz erheblicher Kritik der kleineren Partner am extrem zugespitzten Wahlkampf der SPD zulasten aller anderen Parteien verliefen die Sondierungsgespräche dem Vernehmen nach in sachlicher Atmosphäre. Inhaltliche Details drangen bis zum Abschlusspapier nicht nach außen.

Nach dem Abschluss der Sondierungsgespräche gehen die Verhandler nun in ihre Parteigremien, die darüber entscheiden, ob Koalitionsverhandlungen begonnen werden sollen. Bei der Linken entscheidet darüber der Landesvorstand noch am Freitagabend, bei der SPD reicht auch der Vorstand. Die Grünen haben für Sonnabend einen Kleinen Parteitag nach Rostock einberufen.

Viel Zeit bleibt nicht, das erste Dreier-Bündnis in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns zu schmieden. Am 20. Oktober tritt der Landtag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Danach gibt die Landesverfassung vier Wochen Zeit, bis der Ministerpräsident oder die Ministerpräsidentin gewählt werden muss. Das wäre spätestens am 17. November.

Bis dahin muss der Koalitionsvertrag nicht nur fertig, sondern von den beteiligten Parteien auf Parteitagen beschlossen sein. So haben es SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen vereinbart.

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