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Spektakulärer Fund in Bielefeld: Archäologen entdecken 2.000 Jahre alte Siedlung aus der Eisenzeit

Wissenschaft

Bielefeld-Stieghorst. Der Bielefelder Osten mausert sich langsam aber sicher zu einem Hotspot für Archäologen. Nachdem die Altertumsforscher des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) schon in Sieker die Überreste einer außergewöhnlich großen germanischen Siedlung entdeckt haben, stießen sie nun in Stieghorst auf die Spuren eines mehr als 2.000 Jahre alten Hofes.

Beide Fundstellen liegen gerade einmal rund 1,2 Kilometer auseinander – zeitlich allerdings trennen sie mehrere Jahrhunderte. Während die Siedlung in Sieker vor allem vom 2. bis zum 5. Jahrhundert nach Christus bewohnt war, ist der neu entdeckte Hof an der Grünberger Straße noch einmal rund 300 Jahre älter – und stammt damit aus einer Zeit, als von Bielefeld noch viele Jahrhunderte lang keine Rede sein sollte.

Entdeckt wurde er auf einem Grundstück, auf dem die Wohnungsbaugenossenschaft Freie Scholle den letzten Neubau ihres über viele Jahre erneuerten Quartiers errichten will. An der Grünberger Straße soll gemeinsam mit Bethel Regional ein inklusives Wohnprojekt mit 31 barrierefreien Wohnungen und einem Gemeinschaftsraum entstehen.

Ein rund 20 Meter langes Haupthaus

Dass die Archäologen Gelegenheit für Grabungen nutzten, war kein Zufall. Das Grundstück liegt auf einer kleinen Kuppe am Baderbach – und damit an einer Stelle, die schon für Menschen vor Jahrtausenden ausgesprochen attraktiv gewesen ist. Wasser war in unmittelbarer Nähe vorhanden, zugleich konnten die Gebäude etwas erhöht und damit geschützt vor Überschwemmungen errichtet werden. Hinzu kam der fruchtbare Lössboden, der gute Voraussetzungen für Ackerbau bot. „An jedem Bach, der hier herunterfließt, liegen mit hoher Wahrscheinlichkeit mehrere Siedlungen aus verschiedenen Epochen“, sagt LWL-Experte Sebastian Düvel.

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Was an der Grünberger Straße freigelegt wurde, lässt sich inzwischen recht genau rekonstruieren. Zu dem Hof gehörten ein großes Haupthaus und mindestens vier kleinere Nebengebäude. Hinzu kamen Keramikscherben, die bei der zeitlichen Einordnung halfen. Von dem einst rund 20 Meter langen und sieben Meter breiten Holzbau selbst ist naturgemäß nichts mehr erhalten. Seine Konstruktion lässt sich aber anhand der Spuren ehemaliger Pfosten im Boden nachvollziehen – und die ist typisch für die späte Eisenzeit. Der entdeckte Gebäudetyp gilt als Vorläufer der späteren germanischen Langhäuser, wie sie auch in Sieker entdeckt wurden.

Dort entwickelte sich einige Jahrhunderte später nur wenig weiter westlich vom heutigen Ausgrabungsort jene große Siedlung am Mühlenbach, die in den vergangenen Jahren bei den Grabungen für den Neubau der Grundschule Sieker immer größere Dimensionen annahm. Mindestens 30 große Häuser sind dort inzwischen nachgewiesen, teilweise bis zu 30 Meter lang. Hinzu kommen Nebengebäude und kleinere Grubenhäuser. Die Siedlung erreichte ihre Blütezeit wohl im 2. und 3. Jahrhundert nach Christus. Schon in den 1980er-Jahren waren auf der anderen Seite des Mühlenbachs zahlreiche Häuser entdeckt worden. Die jüngsten Grabungen zeigten dann, dass sich die Siedlung weiter ausdehnte als angenommen. Insgesamt umfasst das Areal zwölf Hektar.

Römischer Trinkbecher mit klarer Forderung

Besonders spannend sind dort die zahlreichen Hinweise auf Kontakte zum Römischen Reich. Eine römische Bronzemünze, der Griff einer Bronzekanne und ein kleiner Pferdekopf aus Metall gehören zu den jüngeren Funden. Bei früheren Grabungen kamen unter anderem eine römische Goldmünze und ein Spruchbecher mit der Aufschrift „PETE VINUM“ – sinngemäß: „Gib mir Wein!“ – ans Tageslicht.

Auch die Römer selbst hinterließen in der Region ihre Spuren. Auf der Sparrenberger Egge – unweit der Promenade – wurde schon vor geraumer Zeit ein römischer Wachtposten nachgewiesen, zuletzt in Sennestadt ein großes Marschlager. Für LWL-Archäologe Sven Spiong hat sich damit in Bielefeld ein historisches „Zeitfenster“ geöffnet, das noch erhebliches Forschungspotenzial besitzt. Und selbst der nun entdeckte eisenzeitliche Hof an der Grünberger Straße markiert keineswegs den Anfang menschlicher Anwesenheit an dieser Stelle. Eine fein gearbeitete Pfeilspitze aus Feuerstein deutet darauf hin, dass dort bereits vor rund 4.000 Jahren Menschen unterwegs waren.

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Von einer geradlinigen Siedlungsgeschichte bis zum heutigen Bielefeld kann deshalb zwar keine Rede sein. Zwischen den einzelnen Epochen liegen immer wieder große zeitliche Lücken. Doch mit jedem Bauprojekt, bei dem Archäologen genauer hinschauen können, wird das Bild vollständiger: Der Bielefelder Osten war offenbar schon viele Jahrhunderte vor der eigentlichen Stadtgründung eine Gegend, die Menschen immer wieder anzog und in der sie siedelten. Die Freie Scholle dürfte sich in ihrer Standortwahl damit jedenfalls bestätigt fühlen: Offenbar wusste man schon vor mehr als 2.000 Jahren, wo es sich gut wohnen ließ.

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