Spektakuläres Himmelsschauspiel über Berlin: Brillen für die Sonnenfinsternis vielerorts ausverkauft
Am Mittwochabend sieht die Sonne über Berlin aus wie „ein angebissener Keks“, sagt Astrophysiker Dieter Breitschwerdt, Professor für Astronomie und Astrophysik an der Technischen Universität (TU) Berlin. Der Grund ist eine partielle Sonnenfinsternis, die ab 19.15 Uhr zu sehen sein wird – wenn das Wetter mitspielt. Dabei schiebt sich der Mond vor die Sonne und deckt diese zu Teilen ab. Es wird also ein wenig dunkler als sonst. Doch wenn sich die Blicke der Berliner:innen für das Naturspektakel in den Himmel richten, müssen sie dafür spezielle Brillen tragen – ansonsten drohen Augenschäden. Wir verraten Ihnen, wo Sie die Brillen noch herbekommen können und worauf Sie beim Kauf besonders achten müssen. Was sind Sonnenfinsternisbrillen? Eine Sonnenfinsternisbrille ist eine spezielle Lichtschutzbrille, die zur Beobachtung von Sonnenfinsternissen benutzt wird. Sie lässt maximal circa 0,001 Prozent des Sonnenlichts durch und geht somit über die Filtereigenschaften normaler Sonnenbrillen weit hinaus. Bei einem ungeschützten Blick in die Sonne treffen UV-Strahlung, sichtbares Licht und Infrarotstrahlung mit sehr hoher Intensität auf die empfindlichen Strukturen des Auges. Dadurch kann die Netzhaut in kürzester Zeit so stark geschädigt werden, dass das Sehvermögen bleibend eingeschränkt wird oder sogar ganz verloren geht. Die richtige Brille ist somit essenziell. Die Sonnenfinsternisbrillen sind auch für Kinder geeignet. Wenn Sie das Naturspektakel mit Ihren Kindern erleben möchten, sollten Sie darauf achten, dass die Brillen gut sitzen. Die meisten Anbieter haben die Brillen in einer Einheitsgröße. Manche Sonnenfinsternisbrillen verfügen rechts und links neben den Sichtfenstern über vorgestanzte Knickstellen, sodass die Brillen besser an die Kopfgröße angepasst werden. Während des gesamten Naturspektakels sollten Sie die Kinder beaufsichtigen. Wo sind die Brillen erhältlich? Der Fachhandel „Space Instruments“ in Berlin-Tempelhof hatte aufgrund der hohen Nachfrage 300 weitere Sonnenfinsternisbrillen nachbestellt, wie der technische Leiter Roland Lederer dem Tagesspiegel Ende letzter Woche sagte. Sie waren am Dienstag im Laden erhältlich – nach kurzer Zeit jedoch schon wieder weg. Auch manche Optiker haben sich auf die Sonnenfinsternis vorbereitet. Bei Fielmann waren am vergangenen Donnerstag in fast allen Filialen noch spezielle Sonnenfinsternisbrillen für 0,99 Euro pro Stück erhältlich. Allerdings nur, „solange der Vorrat reicht“, wie die Pressesprecherin des Unternehmens mitteilte. Zum aktuellen Bestand konnte das Unternehmen am Dienstag zunächst keine Auskunft geben. In der Filiale im Alexa waren am Dienstagnachmittag jedenfalls keine mehr zu haben. Eine Mitarbeiterin sagte dem Tagesspiegel, diese seien bereits seit Samstag weg. Ein Schild an der Kasse weist darauf hin: In vielen anderen Geschäften sieht es einen Tag vor der Sonnenfinsternis ebenfalls düster aus. Drogerieketten wie DM oder Rossmann verkaufen keine Brillen – Geschäfte wie Flying Tiger und Smyths Toys in der Mall of Berlin bieten sie ebenfalls nicht an. Auch die Optiker-Kette Mister Spex verkauft sie nicht. Da die Nachfrage offenbar trotzdem hoch ist, weist ein Schild am Eingang des Shops in der Mall of Berlin bereits darauf hin: „Wir verkaufen keine Sonnenfinsternis-Brillen!!!“ ist darauf zu lesen. Gleiches Bild in der Mister-Spex-Filiale im Shoppingcenter Alexa am Alexanderplatz. Auch bei Apollo-Optik hängt ein Schild, auf dem steht, dass keine speziellen Brillen für die Sonnenfinsternis verkauft werden. Ebenfalls bei Media Markt: keine Brillen. Auch in den Filialen von Apollo und Fielmann in der Reichsstraße in Charlottenburg sieht es düster aus. In beiden Geschäften weisen Zettel darauf hin, dass hier keine Brillen verkauft werden (Apollo) oder die Sonnenfinsternisbrillen schon ausverkauft sind (Fielmann). Fehlanzeige ebenfalls bei Robin Look und Optic Grehl am Theodor-Heuss-Platz. „Wir führen keine Sonnenfinsternisbrillen“, heißt es bei beiden Geschäften auf Zetteln, die an den Eingangstüren hängen. Bei Karstadt am Hermannplatz werden die Spezialbrillen ebenfalls nicht verkauft. Viele Menschen hätten in den vergangenen Tagen bereits danach gefragt, sagt eine Verkäuferin. Für Besucher:innen der Langen Nacht der Astronomie sind am Mittwoch ab 17 Uhr im Zeiss-Großplanetarium „kostenfreie Sonnenfinsternisbrillen erhältlich, solange der Vorrat reicht“, sagte die Pressesprecherin der Stiftung Planetarium Berlin. Der Besuch der Veranstaltung ist ebenfalls kostenfrei. Das Planetarium geht davon aus, „dass ausreichend Brillen für die Besucher*innen zur Verfügung stehen werden“. Worauf muss beim Kauf geachtet werden? Eine sichere Brille sollte folgende Eigenschaften haben: Norm DIN EN ISO 12312-2 CE-Zeichen eindeutige Angaben zum Hersteller oder Importeur verständliche Gebrauchs- und Sicherheitshinweise ohne Beschädigungen, also keine Kratzer oder Knicke Kann man die Brille mehrfach verwenden? Laut Fielmann können Verbraucher:innen die speziellen Brillen für die Sonnenfinsternis mehrfach verwenden. „Zumindest solange sie unbeschädigt sind, den Herstellerangaben entsprechen und die angegebene Lebensdauer nicht überschritten ist“, sagt die Sprecherin. Sind Sonnenbrillen eine Alternative? Dass Sonnenbrillen für die Sonnenfinsternis nicht geeignet sind, betonen Optiker:innen immer wieder. „Sonnenbrillen bieten unabhängig von ihrer Tönung keinen ausreichenden Schutz für den direkten Blick in die Sonne“, sagt die Fielmann-Sprecherin. „Der direkte Blick in die Sonne ohne geeigneten Augenschutz kann bereits nach kurzer Zeit zu dauerhaften Schäden der Netzhaut führen.“ Daher rät sie auch in anderen Filialen, nach speziellen Brillen zu schauen. „Wer keine geeignete Sonnenfinsternisbrille bekommt, sollte auf die direkte Beobachtung verzichten“, sagt Engel. Herkömmliche Kameras, Ferngläser, Teleskope, CDs, Folien oder selbst gebaute Filter bieten ebenfalls nicht ausreichend Schutz. Sichere Alternativen sind Übertragungen von Sternwarten, Planetarien oder wissenschaftlichen Einrichtungen, betont die Stiftung. Auf der Seite des Bundesamtes für Strahlenschutz gibt es eine Anleitung zum Bau einer Lochkamera (Camera obscura). Sie gilt als sichere alternative Methode zur Beobachtung. Mehr Möglichkeiten für eine sichere Beachtung finden Sie übrigens in unserem Service-Artikel zum Thema. Geht auch eine Kamera anstelle der Sonnenfinsternisbrille? Die Brille sollte auch getragen werden, wenn Sie das Naturspektakel mit dem Handy oder der Kamera fotografieren wollen. Dadurch werden die Augen weiterhin geschützt. Eine Kamera oder ein Smartphone sind somit keine Alternative.