Spiel zu kurz: Entwickler kritisiert hohe Refund-Quote und erntet Shitstorm
Auf Steam veröffentlichte Spiele, die sich aufgrund ihres geringen Umfangs schnell durchspielen lassen, haben ein Problem: Sie lassen sich bei weniger als 2 Stunden Spielzeit rückerstatten. Das wird von manchen Spielern ausgenutzt. Der Entwickler von „Paddle Paddle Paddle“ kritisierte das öffentlich und erntete einen Shitstorm. Spiele können bis 2 Std. Spielzeit zurückgegeben werden Kunden, die auf Steam ein Spiel erwerben, haben gemäß der Rückgaberichtlinien vom Betreiber Valve das Recht, den Titel binnen 14 Tagen und nach einer Spielzeit von maximal 2 Stunden zurückzugeben und den Kaufpreis erstattet zu bekommen. Das ist aus Sicht der Kunden begrüßenswert, denn diese können so einen absoluten „Fehlkauf“ schnell feststellen und erhalten ihr Geld zurück. Frist für Spiele mit geringem Umfang ein Problem Doch für manchen Entwickler wird die Rückgabefrist zum echten Problem, worauf der junge Künstler Mateo Covic alias „Zoroarts“ hinweist. Vor knapp einem Jahr hatte dieser das Casual-Game Paddle Paddle Paddle veröffentlicht. Einzeln oder online mit einem Partner gilt es dabei ein Paddelboot durch einen Hindernisparcours zu manövrieren. Der Umfang des Spiels ist vergleichsweise gering, sodass man es schnell durchspielen kann. Genau das ist jedoch das Problem, denn der Titel kann in weniger als 2 Stunden durchgespielt werden, sofern man es darauf anlegt. Das nutzen wiederum manche Spieler aus, spielen das Game durch und geben es anschließend zurück, obwohl es ihnen offensichtlich gefallen hat. Entwickler beschwert sich in Richtung Steam Genau das moniert „Zoroarts“ nun öffentlich und zeigt den Screenshot einer Steam-Bewertung mit 1,7 Stunden Spielzeit. Darin wird das Spiel einerseits als „großartig“ gelobt und andererseits erklärt, dass man es dennoch vor Ablauf der 2-Stunden-Frist zurückgegeben hat. Laut dem Entwickler gibt es Dutzende von Steam-Reviews dieser Art und die Rückgabequote liege mit mehr als 55.000 Refunds bei hohen 21 Prozent, obwohl 90 Prozent der Reviews positiv ausfallen würden. Demnach hat sich das Spiel binnen eines Jahres mehr als 270.000 Mal verkauft und ist ein Achtungserfolg für das Ein-Mann-Studio. Dass Spieler auf diese Weise den Titel kostenlos spielen können und die Refund-Möglichkeit bei Steam also ausnutzen, sollte nicht möglich sein, beschwerte sich der Entwickler direkt in Richtung Steam. Gegenüber Kotaku hat der Entwickler nähere Angaben zum Umsatz gemacht. Demnach hat das Spiel einen Bruttoumsatz von 826.000 US-Dollar generiert. Abzüglich Refunds und Steuern blieben davon noch 605.000 US-Dollar übrig. Werden die Anteile für Steam und den Publisher (Assemble Entertainment) noch abgezogen, seien noch etwa 250.000 US-Dollar davon übrig geblieben. Der Verlust durch die Refunds wird von Covic auf 158.000 US-Dollar beziffert. „Das ist natürlich immer noch eine unglaubliche Summe für einen 23-jährigen Solo-Entwickler und für ein Spiel, dessen Entwicklung nur etwa vier Monate gedauert hat“, räumt er ein und erkennt an, dass er Glück gehabt habe, dass viele Streamer das Spiel aufgegriffen und somit populär gemacht haben. Seine öffentliche Beschwerde bereute er im Nachgang etwas. Doch „zu kurz“ könne seiner Ansicht nach auch kein Grund für eine Rückerstattung sein und wem das Spiel gefiel, der sollte dafür auch bezahlen. Der Schuss ging nach hinten los Offenbar hat die Beschwerde des Entwicklers und die daraus erzeugte Berichterstattung der Medien so große Wellen geschlagen, dass der Schuss für Covic nach hinten losging. Die mit insgesamt 88 Prozent Zustimmung immer noch „sehr positive“ Bewertung auf Steam schlug kurz nach seinem Posting und den Berichten ins Negative um, sodass die neuesten Rezensionen nur noch bei „Ausgeglichen“ stehen. Im Graph ist deutlich erkennbar, wie die Anzahl der negativen Bewertungen seit seiner Beschwerde nach oben schnellten. In den jüngsten Rezensionen wird harsche Kritik am Entwickler und auch am Spiel selbst geäußert. Bei vielen wird deutlich, dass sie nur zur Diffamierung des Entwicklers erstellt wurden. Frühere Rezensionen lobten den Titel meist, trotz der wirklich sehr geringen Spielzeit. Das Ziel sollte also auch bei kleinen Entwicklerstudios sein, deutlich mehr als 2 Stunden Spielzeit zu ermöglichen, um erst gar nicht in diese Lage zu geraten.