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"Spielen gegen Völkermord" - Krieg überschattet Irland gegen Israel in der Nations League

Sport

Bei der Kaderbekanntgabe für die Spiele gegen Israel war Irlands Coach Hallgrimsson gefragt worden, welche Rolle die politischen Nebengeräusche rund um die Duelle spielten. "Wir spielen gegen Israel, wir spielen gegen den Völkermord", sagte Hallgrimsson. Niemand im Team fühle sich wohl dabei, diese Spiele zu absolvieren, sagte der Coach.

Die Aussagen des Trainers riefen heftige Kritik aus Israel hervor. Der israelische Fußballverband sprach in einer Mitteilung bei Social Media von "Dummheit, Ignoranz und Scheinheiligkeit", die der Coach der Iren zur Schau gestellt habe, ohne ihn beim Namen zu nennen. Israels Politik hat Vorwürfe über Kriegsverbrechen in Gaza mehrfach zurückgewiesen, die Militäroffensive in Gaza sei Selbstverteidigung gegen den Terror der Hamas. Vonseiten des irischen Fußballverbands gab es laut BBC bislang keine Reaktion zu den Vorwürfen aus Israel.

Israel in der Nations League - weiter ein Politikum

Paarungen in der Nations League mit Beteiligung von Israel haben schon in der Vergangenheit für politische Nebengeräusche gesorgt. Bei der vergangenen Ausgabe des Nationen-Turniers hatten die Behörden in Belgien die Austragung des Heimspiels gegen Israel in Brüssel aus Sicherheitsgründen untersagt, das Spiel wurde nach Ungarn verlegt.

Im Vorfeld des Gastspiels der Israelis in Frankreich im November 2024 hatte Israels nationale Sicherheitsbehörde den Fans von einer Reise nach Paris abgeraten. Seit den Zusammenstößen rund um das Europa-League-Spiel in Amsterdam zwischen Ajax und Maccabi Tel Aviv wird der Sport von beiden Seiten, der pro-palästinensischen und Israels Netanjahu-Regierung, politisch instrumentalisiert.

Die anstehenden Duelle zwischen Irland und Israel haben eine besondere Brisanz. Irlands Regierung hat Israels Politik und Handlungen im Nahost-Krieg mehrfach kritisiert. Auch aus dem Sport wurden ähnliche Positionierungen laut. Nach der Auslosung für die Nations League im Februar, die Irland und Israel in eine Gruppe sortierten, formierte sich offener Widerstand.

Boykottaufruf aus Irlands Sport gegen Israel

Eine Gruppe von 160 aktiven und ehemaligen irischen Sportlern, die sich "Irish Sport for Palestine Group" nennt, forderte im Mai einen Boykott der Spiele von Irlands Nationalteam gegen Israel. Die Initiative mit prominenten Namen wie Louise Quinn, zweifache Fußballerin des Jahres, der früheren 1500-Meter-Europameisterin Ciara Mageean und Rugby-Legende Tony Ward, warf Israels Regierung mit Bezug auf den Krieg in Gaza Beteiligung an Völkermord vor.

Bei ihrem Protest berief sich die Gruppe auf die Wurzeln Irlands im "anti-kolonialen und anti-imperialistischen Widerstand", der auch im irischen Sport eine große Rolle spiele. Die irische Geschichte und das Nationalbewusstsein sind stark durch die jahrhundertelange Besatzung durch England geprägt.

Der Boykottaufruf fand auch Unterstützung im irischen Fußball, darunter bei der League of Ireland, dem Verband der ersten irischen Liga. Beim Freundschaftsspiel im Mai gegen Katar warfen irische Fans Tennisbälle aufs Feld, auch aus Protest gegen die Ansetzung. Auch bei Spielen von Celtic Glasgow, einem Klub mit irischen Wurzeln, gab es immer wieder israelkritische Plakate.

Spiele Irland gegen Israel auf neutralem Boden

Irlands Fußball-Verband FAI hatte schon im November mit überwältigender Mehrheit für eine Forderung gestimmt, den israelischen Verband vor dem Hintergrund der Kriegshandlungen in Gaza zu suspendieren.

Dem Boykottaufruf für die brisanten Spiele gegen Israel folgte Irlands Verband aber im Anschluss nicht. Dies würde einen "erheblichen und dauerhaften Schaden" hervorrufen, hieß es vom Verband. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Juli bestätigten Irlands Fußballfunktionäre die Entscheidung, dass die für den 27. September und den 4. Oktober angesetzten Partien auf neutralem Boden, in Serbien und in Ungarn stattfinden sollen. Für Israels "Heimspiel" im ungarischen Debrecen sollen irische Fans außerdem keine Karten erhalten, offenbar aus Angst vor Protestbekundungen.

Irland gegen Israel - auf einer Stufe mit Kosovo gegen Serbien?

Wie FAI-Verbandschef David Courell im Vorfeld der Partien der BBC bestätigte, gab es zudem eine offizielle Anfrage an die UEFA, dass ein Aufeinandertreffen von Irland und Israel angesichts des belasteten Verhältnisses bei künftigen Auslosungen ausgeschlossen werden sollte. Ein Prozedere, wie es in der UEFA bereits bei möglichen Duellen zwischen Armenien und Aserbaidschan oder Kosovo und Serbien angewendet wird. Im Fall von Irland und Israel habe die UEFA den irischen Vorstoß aber abgelehnt, teilte Verbandschef Courell mit.

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